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Gastronomie Ein virtuelles Restaurant sucht Investoren

In 35 Städten ist der gesunde Lieferdienst Eatclever bereits vertreten. Nun sucht Gründer Mohamed Chahin weiteres Kapital, um zu expandieren.
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Eatclever sucht Investoren  Quelle: EatClever
Mohamed Chahin

Eatclever hat zwar bundesweit eine einheitliche Karte, jedoch stammen die Lieferungen von unterschiedlichen, unabhängigen Gastronomen.

(Foto: EatClever)

Hamburg Oft ist es Hartnäckigkeit, die Gründern hilft. Mohamed Chahin telefonierte kurz nach der Gründung seines Essenslieferdients Eatclever den damals noch wenigen Kunden täglich hinterher, um sie zur Zufriedenheit zu befragen. Eines Tages hatte er Tarek Müller, Gründer des Modeshops About You, am Apparat. Und so, berichtet Chahin heute, kam der Kontakt zum wichtigsten Start-Investor zustande.

Schrittweise investierten Müller und der vor einem Jahr verstorbene Werber Stefan Kolle sowie Crowd-Investoren in den vergangenen drei Jahren rund eine halbe Million Euro. „Mit damals 22 Jahren habe ich von den coolsten Unternehmern vor Ort Geld bekommen“, sagt Chahin.
Müller überzeugte die Idee: Chahin und seine beiden Mitstreiter haben einen Lieferdienst geschaffen, der eine Art Mittelding zwischen den großen Lieferplattformen wie Deliveroo und traditionellen Pizza-Lieferanten wie Domino’s ist. Zwar hat Eatclever eine bundesweit einheitliche Karte, doch die Lieferungen stammen aus den Küchen unabhängiger Gastronomen, für die Eatclever nur ein Zusatzgeschäft ist.

Mit dem Konzept will Chahin gut drei Jahre nach der Gründung nun ins Ausland expandieren und sucht dafür weitere Geldgeber. „Wir suchen um die fünf Millionen Euro, um die Internationalisierung starten zu können“, sagt Chahin. Nach Österreich könnten so etwa Großbritannien und die Niederlande hinzukommen, wo die Gründer bereits Bedarf für ihr Konzept ausgemacht haben. Sie wollen eine Lücke füllen: Eatclever bietet statt fettiger Imbiss-Ware gesündere Wraps, Suppen und Nudelgerichte.

Das Start-up aus der Hamburger Speicherstadt sucht dafür Liefer-Gastronomen aus, deren Küche noch nicht voll ausgelastet ist. Diese bekommen Schulungen sowie Lieferungen von Gewürzmischungen, Gemüse und Verpackungen. Für die Kunden ist nur Eatclever sichtbar, das auch über Plattformen wie Lieferheld erreichbar ist. Chahin expandiert zudem in die Breite: In diesem Jahr ist die neue Marke Chicos gestartet, unter der das Unternehmen Burritos und Quesadillas ausliefert.

Dazu kommen Catering-Angebote für Büros unter dem Namen Frischefabrik. Der Bereich Lieferservice lockt derzeit Investoren und Gründer, denn Experten erwarten ein hohes Wachstum. Laut Statista DMO könnte sich der Markt allein in Deutschland innerhalb der kommenden vier Jahre auf sechs Milliarden Euro Umsatz verdoppeln.

Das reizt auch Chahin. Der 26-jährige Norddeutsche hat zwei Wochen nach Beginn seines – inzwischen abgebrochenen – Studiums in einem Gründerwettbewerb seine beiden Mitstreiter kennengelernt. Nach einem Ausflug in die Berliner WG eines Restaurant-Reservierungs-Start-ups begann Chahin mit den beiden Freunden die Arbeit an Eat Clever.

Als ein Vorbild dabei nennt er seinen Onkel, der in Syrien vor dem Krieg eines der größten Restaurants betrieben hat. „Wir haben ohne Geld angefangen und all unsere Zeit da reingesteckt. Alle haben uns gesagt: Hört auf damit“, erinnert er sich. Lohn des Durchhaltevermögens: Heute hat Eatclever nach Chahins Angaben bereits eine Million Mahlzeiten vermittelt. Zum Umsatz äußert sich Chahin nicht. In 35 Städten gibt es Eatclever inzwischen, die neue Marke Chicos ist bereits in zehn Orten.

Chahin denkt dabei auch an die Restaurant-Betreiber. Ähnlich wie Dienste wie Deliveroo verspricht er ihnen Zusatzumsatz, durch die selbsterstellen Rezepte und die Lieferungen jedoch gleich auch durchgerechnete Angebote. Blindkäufe und Manager vor Ort sollen die Qualität der Partner sichern. „Wir gehen tiefer als die Portale“, sagt er.

Im Gegenzug behält Eat Clever rund 15 Prozent des Umsatzes. Durch eingespielte Abläufe funktioniere die Expansion in neue Städte wie Wolfsburg und Wuppertal immer glatter. Wir müssten den Gastronomen anfangs einen Traum verkaufen. Jetzt können wir sie mit soliden Zahlen überzeugen.“

Chahin selbst behält jedoch große Träume: Er glaubt daran, dass sein Konzept international funktionieren kann – über Europa hinaus. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Delivery Hero etwa will Lücken in seinem Netz durch verstärkte Zusammenarbeit mit Gastronomen schließen. Und stationäre Konzepte wie Dean & David haben ebenfalls ein Auge auf gesundheitsbewusste Kunden geworfen. Mit frischem Investorengeld wollen Chahin und seine beiden Mitstreiter solchen Konkurrenten auf neuen Märkten zuvorkommen. „Wir wollen einen Geldgeber mit Vision“, sagt der junge Unternehmer, der bereits über Crowdfunding gut 250.000 Euro eingesammelt hat.
Investor Müller hält dem Start-up derweil die Treue. „Die Expansion verläuft in hohem Tempo, die Zahlen sind super und die Kundenresonanz ebenfalls. Außerdem bestelle ich, selbst nach so vielen Jahren, immer noch mehrmals wöchentlich selbst bei Eatclever“, teilte der 30-Jährige auf Anfrage mit.

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