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Gastronomiebranche Restaurant-Kette Alex plant ihre härteste Eröffnung

Die jüngste Filiale hat nur eine Woche Zeit, sich auf ein Mega-Fest vorzubereiten. Doch sie steht für den Wachstumskurs des britischen Mutterkonzerns.
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Die Restaurant-Kette Alex plant ihre härteste Eröffnung. Quelle: PR
Restaurantkette Alex in Hamburg

Die Restaurant-Kette Alex plant ihre härteste Eröffnung.

(Foto: PR)

Hamburg Wachstum kann riskant sein. Ein solches Risiko kommt auf Bernd Riegger zu: Der Chef der Restaurant-Kette Alex eröffnet an diesem Freitag eine neue Filiale an der Hamburger Überseebrücke – nur eine Woche vor dem Mega-Fest Hafengeburtstag. Ganz geheuer ist Riegger der Eröffnungstermin nicht. „Wir wissen nicht, worauf wir uns einstellen müssen“, sagt er inmitten der letzten Bauarbeiten in dem neuen Haus.

Schließlich kennt er das Volksfest mit bis zu 1,5 Millionen Besuchern bislang nur von Fotos. Möglich ist, dass das neue Restaurant mit seinen 200 Clubsesseln und Holzstühlen, der buntgekachelten Bar im Erdgeschoss und der offenen Küche in der ersten Etage einfach überrannt wird. Vielleicht geht sogar das Bier aus, angeliefert vom lokalen Partner Carlsberg.

Doch der Eröffnungstermin, ursprünglich für den März geplant, ließ sich nicht erneut verschieben. Ein von der verstorbenen Star-Architektin Zara Hadid entworfener Boulevard soll bei dem weltgrößten Hafenfest eine der Attraktionen sein. Daher müssen die darunter liegende Hochwasserschutzanlage und die dazugehörige Gastronomie nach stolzen neun Jahren Bauzeit unbedingt noch rechtzeitig zum weltgrößten Hafenfest fertig werden.

Für Riegger ist der Stress verschmerzbar: Die touristische Lage mit Blick auf Elbphilharmonie und Hafen verspricht eine dauerhaft gute Auslastung für das neue Alex-Restaurant, in das er 1,5 Millionen Euro investiert hat. „Für uns geht es bei der Neueröffnungen um Profitabilität, nicht um Wachstum um des Wachstums Willen“, sagt der 69-jährige Manager.

Die bundesweite Kette Alex gehört seit 1999 zum börsennotierten britischen Gastro-Konzern Mitchells & Butlers. Das Konzept konkurriert mit ähnlichen Angeboten von deutschen Ketten wie Cafe del Sol und Extrablatt, die ebenfalls Ganztagesgastronomie mit abendlicher Cocktail-Karte anbieten. Alex rühmt sich in dem Wettbewerb vor allem für sein umfangreiches Frühstücksbuffet, mit dem die Kette sogar Marktführer sein will.

Für den Mutterkonzern Mitchells & Butlers dagegen ist die deutsche Niederlassung lediglich ein kleines Anhängsel am britischen Kerngeschäft. 1687 Pubs und Restaurants betreibt der Konzern, davon nur 41 in Deutschland. Von 2,2 Milliarden Pfund Umsatz im Jahr 2018 kamen nur 81 Millionen Pfund (113 Millionen Euro) aus Deutschland. Doch der Konzern plant Wachstum.

Die Gelegenheit dafür ist gut. Weil die Modebranche schwächelt, weichen in den deutschen Innenstädten immer mehr Vermieter auf Gastronomie aus. Laut dem Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle gingen im ersten Quartal 2019 erstmals mehr Innenstadt-Flächen an Gastronomen als an Boutiquen: Die Experten verzeichneten 80 Neuvermietungen mit 31.000 Quadratmetern für Kneipen und Restaurants, aber nur 68 Neuvermietungen mit 28.000 Quadratmetern für Modegeschäfte.

Damit geht eine Neubewertung einher: In den vergangenen Jahren galten Gastronomen als eher unzuverlässige Mieter mit Lärm- und Geruchsbelastung und niedrigeren Mieten. Bei schrumpfenden Einzelhandelsflächen lernen die Vermieter jedoch die langen Laufzeiten der Verträge mit der Gastronomie zu schätzen, die zudem zusätzliche Laufkunden in die Innenstädte und Einkaufscenter locken könnte.

Das neue Angebot an bezahlbaren Flächen will Deutschland-Chef Riegger nutzen, um ein neues Konzept zu erproben. Noch im Mai will er in Frankfurt das erste Steakhaus Miller & Carter eröffnen. In Großbritannien hat die Konzernmarke innerhalb weniger Jahr über 100 Standorte eröffnet.

In Deutschland könnten jährlich drei bis fünf Steak-Restaurants eröffnen, falls sich der Frankfurter Pilot und zwei weitere geplante Test-Filialen gut schlagen und gegen den Lokal-Konkurrenten Block House ankommen. Selbst einen Zukauf einer Steak-Kette kann sich Riegger dafür vorstellen. Im Sommer eröffnet zudem im Einkaufscenter an der Frankfurter Zeil eine weitere Alex-Filiale.

Für jedes neue Restaurant müsse er sich einem konzerninternen Wettbewerb um das nötige Geld gegen die britischen Marken-Manager um die am meisten Profit versprechenden Vorhaben liefern, beschreibt Riegger das Vorgehen. Damit unterscheiden sich die Bedingungen bei Alex von denjenigen anderer Konzepte. Schnell expandierende Unternehmen wie die Burgerkette Hans im Glück setzen vielfach auf Franchise, mobilisieren also Kapital von selbstständigen Gastronomen. Für die Franchise-Geber lohnt sich eine rasche Expansion, weil so schnell mehr Franchise-Gebühren anfallen.

„Man darf uns nicht mit Franchise-Betrieben vergleichen. Wir sind weniger stark expansionsgetrieben“, wirbt Riegger um Verständnis für das vergleichsweise langsame Neueröffnungs-Tempo. So betreibt die Kette heute in etwa so viele Betriebe wie 2003. Allerdings hat Riegger bis vor einigen Jahren etliche kleinere Standorte geschlossen, dafür profitablere größere eröffnet und so den Umsatz mehr als verdoppelt.

Die Flexibilität ist möglich, weil Mitchells & Butlers in Deutschland mit angemieteten Flächen arbeitet. Im Heimatmarkt Großbritannien gehören dem Konzern, der seine Geschichte bis 1898 zurückverfolgt, dagegen die meisten Immobilien selbst. In dem Land gehört schon lange ein deutlich größerer Anteil von Pubs und Restaurants zu Ketten als in Deutschland, wo noch immer überwiegend Einzelgastronomen arbeiten.

Mitchells & Butlers hat auf dem Heimatmarkt kürzlich zusätzliche Investitionen in Renovierungen und Digitalisierung angekündigt, die das schwächelnde Wachstum antreiben sollen. Auch der Aktie würden Impulse guttun: Sie dümpelt seit drei Jahren dahin, die Analysten stufen das Papier überwiegend mit „Halten“ ein.

Zurückgestellt sind hingegen Pläne des Konzerns, die deutsche Tochter für eine Expansion in europäische Nachbarländer zu nutzen. Deutschland-Chef Riegger hatte den Schritt vor vier Jahren in einem Handelsblatt-Interview angekündigt.

Jetzt hingegen will er zunächst Potenzial innerhalb Deutschlands aufspüren – auch für das dritte deutsche Konzern-Konzept, die Brasserie. Dennoch bleibe die Wiesbadener Konzerntochter das Vehikel für eine mögliche spätere Europa-Expansion, meint Riegger.

Auch der Brexit soll daran nichts ändern – selbst wenn der EU-Austritt Großbritanniens unvorhergesehene Hürden bringe. So müsse der Konzern prüfen, ob auch nach dem Brexit die Finanzdaten der deutschen Tochter weiterhin auf Servern im Vereinigten Königreich lagern dürften, sagt Riegger.

„Im Extremfall ist ein eigenes Buchhaltungssystem erforderlich“, ärgert er sich. In Großbritannien befürchtet der Konzern nach früheren Angaben durch die Unsicherheit rund um den Brexit, dass die Kunden sparen – sofern sie sich die Brexit-Querelen nicht schöntrinken wollen.

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