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Genossenschaftliche Bar in Köln Mehr als eine Schnapsidee – „Trink-Genossen“ sammeln 56.000 Euro für eigene Bar ein

Ein Kölner Crowdfunding-Projekt bekommt Zehntausende Euro. Initiator Kai Berthold muss für die genossenschaftliche Idee seinen Bestimmerdrang aufgeben.
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Jeder „Trink-Genosse“ soll aktiv mitmachen und mitentscheiden: bei der Einrichtung, den Getränkepreisen, dem Programm. Quelle: „Trink-Genosse“
Eigentum aller

Jeder „Trink-Genosse“ soll aktiv mitmachen und mitentscheiden: bei der Einrichtung, den Getränkepreisen, dem Programm.

(Foto: „Trink-Genosse“)

Köln Manchmal fällt es Kai Berthold noch schwer, sich zurückzuhalten, seinen Bestimmerdrang auszuschalten. „Ich habe bestimmt 100 Mal gedacht, ich wüsste es am besten, und war dann von der Gruppenarbeit total überrascht“, sagt der 32-Jährige. Er und Kompagnon Jan Buckenmayer hatten die Idee für „Trink-Genosse“, eine genossenschaftliche Bar in Köln.

Das Besondere: Jedes Mitglied soll aktiv mitmachen und mitentscheiden: bei der Einrichtung, den Getränkepreisen, dem Programm. „Wir provozieren richtig, demokratisch zu verhandeln“, sagt Berthold.

55.900 Euro haben die künftigen Genossen in sechs Wochen über eine Crowdfunding-Plattform eingenommen. Rund 170 Männer und Frauen sind dabei. Sie haben mindestens 250 Euro für eine aktive Mitgliedschaft bezahlt. „Trink-Genossen“ sind Eigentümer, Mitarbeiter und Gast in einem. Jeder haftet mit seinem eigenen Anteil – auch die Initiatoren.

Die Idee dazu kam den beiden vor ein paar Jahren während des gemeinsamen Design-Studiums. „Die grundlegende Frage war: Wie können wir Demokratie fördern?“, sagt Berthold. Den Bürgern müsse der Zugang zu Politik erleichtert werden.

Demokratie sei bei Trink-Genosse aber nicht auf Politik beschränkt, sagt Buckenmayer, der wie Berthold als selbstständiger Designer arbeitet. „Es geht auch um Gestalterisches, soziale Umgangsformen, darum zum Beispiel, wie wir einen Menschen begegnen und begrüßen möchten.“ Das Ziel sei weniger die Bar als Ort zum Trinken, sondern „der Beweis, dass das Zusammentrinken, Zusammengestalten und Wirtschaften“ genossenschaftlich funktionieren könne.

Ihr Ziel ist weniger die Bar zum Trinken an sich. Die Initiatoren wollen den Beweis antreten, „dass das Zusammentrinken, Zusammengestalten und Wirtschaften“ genossenschaftlich funktionieren könne. Quelle: „Trink-Genosse“
Jan Buckenmayer, Kai Berthold

Ihr Ziel ist weniger die Bar zum Trinken an sich. Die Initiatoren wollen den Beweis antreten, „dass das Zusammentrinken, Zusammengestalten und Wirtschaften“ genossenschaftlich funktionieren könne.

(Foto: „Trink-Genosse“)

Anfangs dachten sie noch, sie „würden das Rad neu erfinden“, erzählt Berthold. Nicht ganz: Bargenossenschaften gibt es schon lange. Die „Klappe“ in Regensburg etwa hält sich seit 15 Jahren. Doch dort retteten die Genossen eine bereits bestehende Kneipe vor dem Aus.

Dieses Phänomen beobachtet der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) vor allem auf dem Land. Dörfliche Gaststätten und Bars würden bundesweit mit dem genossenschaftlichen Modell vor der Schließung bewahrt. Eine Statistik über die Zahl der Bargenossenschaften in Deutschland führt der DGRV nicht, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband auch nicht.

Das Projekt der Trink-Genossen hat eine deutsche Unesco-Kommission vor vier Wochen in einem Tweet lobend erwähnt. Der offizielle Status als Genossenschaft fehlt der Gruppe zwar noch, die Satzung befindet sich in der Endabstimmung. Doch die erste große Versammlung ist in Planung – für Anfang 2019.

Und was wird dann aus Bertholds Führungsanspruch? Buckenmayer lacht. „Kai hat sich schon gebessert“, sagt der 31-Jährige. „Wir arbeiten daran, dass nicht der Lauteste oder Eloquenteste bestimmt, sondern die Gruppe gemeinsam.“

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