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Gerd Kerkhoff Der Patriarch meldet sich in der Coronakrise zurück

Eines der bekanntesten deutschen mittelständischen Beratungsunternehmen kämpft um die Existenz. Öffentliche Hilfe ist angefragt.
05.04.2020 - 16:35 Uhr Kommentieren
Die Beraterfirma Kerkhoff Group befindet sich in Schieflage. Quelle: Kerkhoff Group GmbH
Gerd Kerkhoff (l.) und Frank Wiethoff

Die Beraterfirma Kerkhoff Group befindet sich in Schieflage.

(Foto: Kerkhoff Group GmbH)

Düsseldorf, München Ein halbes Jahr lang war Gerd Kerkhoff, 62, kaum in seiner Düsseldorfer Beratungsfirma gewesen. Die operativen Geschäfte hatte er, nebst 30 Prozent der Anteile, Co-CEO Frank Wiethoff, 51, überlassen. Eine perfekte Nachfolgelösung sollte Wirklichkeit werden. Doch am vorigen Dienstag, 18 Uhr, war der Gründer wieder präsent – und wie.

Am 31. März, an dem eigentlich die Gehälter eingehen sollten, teilte er in einer virtuellen Schaltkonferenz den 110 Mitarbeitern Betrübliches mit. Vom Wohnort am Tegernsee aus referierte der 40-Prozent-Gesellschafter über die Folgen der Coronakrise im eigenen Laden. Es ging um gestoppte Projekte, angespannte Liquidität – und um nunmehr nötige Solidarität.

Mit einem Schlag wurde offenbar: Eines der bekanntesten deutschen mittelständischen Beratungsunternehmen kämpft um die eigene Existenz. In dieser Woche entscheidet sich, ob die Kerkhoff Group rechtzeitig öffentliche Hilfen bekommt und so der drohenden Schieflage ausweicht.

Ausgerechnet der wiederholt mit Preisen ausgezeichnete Spezialist, der für seine Kunden Einkaufspreise, Abläufe und Kosten optimiert, hat nun Probleme mit der eigenen Organisation. Das folgt einerseits aus dem Crash der Märkte, andererseits spielt der Führungswechsel eine Rolle.

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    Der 2019 eingerückte Wiethoff pflegt einen anderen Stil als Patriarch Kerkhoff. Der einstige Regionalvorstand Ost des KPMG-Konzerns lagerte etwa die Buchhaltung an eine externe Firma aus, was wohl zu Wirrwarr und zur Nichtauszahlung von Reisekosten führte – ein „Faux-pas“ Wiethoffs, so ein Mitarbeiter. So kam es, dass er nun Freund und Feind hat. Im März entsagte Heinz Scheve der Geschäftsführung.

    In einer E-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt, bilanziert Gerd Kerkhoff selbst den Stand der Dinge. Die Situation brächte es mit sich, „dass wir unseren Zahlungsverpflichtungen nicht zeitgerecht nachkommen und die März-Gehälter 2020 und Prämien 2019 nicht pünktlich auszahlen können“, schreibt er.

    Man gehe davon aus, den Zahlungsverzug der Gehälter bis spätestens 15. April beheben zu können. Die Prämien 2019 würden erst „nach überstandener Corona-Krise“ gezahlt werden können, „geplant noch in 2020“. Bei den Reisekosten hingegen seien „bereits alle Maßnahmen initiiert, um alle ausstehenden Reisekostenerstattungen bis Ende dieser Woche auszuzahlen.“

    Dem Handelsblatt gegenüber führt der Diplom-Kaufmann aus, er habe alle Unterlagen für einen der aktuell ausgereichten Kredite der Staatsbank KfW und seiner Hausbank, der Sparkasse Vest Recklinghausen, geschickt. Mit ihr arbeite er seit 35 Jahren zusammen, damals war er Manager einer Kaffeerösterei in Dorsten.

    „Zeitraubender Prozess“

    Man setze „auf die finanzielle Unterstützung der KfW“, so Kerkhoff. Das sei aber, anders als von der Politik dargestellt, „ein zeitraubender Prozess“. Seit einigen Wochen sei das Geschäft durch Corona „quasi komplett zum Erliegen gekommen“ und habe „uns in einen drastischen Liquiditätsengpass getrieben“.

    Zuvor hätte die Kerkhoff Group einen starken Auftragseingang gehabt, „2020 wäre vermutlich das beste Jahr unserer Firmengeschichte geworden“. Nun sei auch die Solidarität von Mitarbeitern und Management gefragt: Deshalb helfe er „jetzt persönlich mit Darlehen und Bürgschaften“.

    Kommunikationsprobleme sind jedoch kaum zu ignorieren. So hatte Wiethoff im Intranet („Kerkhoff Weekly“) stets eher allgemein über Corona in der Wirtschaft räsoniert. Kein Wunder, dass die Rückkehr des „Alten“ das Personal ebenso verblüffte wie der Fakt, dass innerhalb weniger Wochen geschätzt 800.000 Euro für Gehälter fehlen. Kerkhoff verweist auf die Besonderheiten des Beratungsgeschäfts: Größere Rücklagen – etwa für den Kauf einer Maschine – seien nicht nötig. Zudem sind einige Top-Mitarbeiter beteiligt und lebten auch von Ausschüttungen.

    Im April wird sich Kurzarbeit vermeiden lassen, wenn tatsächlich die Zusage von der Sparkasse kommt. Im Mai aber greift bei Kerkhoff auch diese Maßnahme. Dann verschärft sich der Überlebenskampf – mit Kerkhoff als „primus inter pares“. Der sei ein „Gründer, ein Macher, der intelligente Dinge gemacht hat“, sagt ein Ex-Manager.

    Insolvenz sei „kein probates Mittel der Unternehmensführung“, sagt der Patron nur und hofft auf einen Berater-Boom in der Zukunft: „Wir wollen die Corona-Krise überleben, das ist eine echte Managementaufgabe.“

    Mehr: Die Berater fürchten die Coronakrise – und profitieren davon

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