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Glasspezialist Das Erfolgsrezept von Schott-Chef Heinricht: pfiffige Ideen und ein fester Zukunftsglaube

Frank Heinricht hat den Mainzer Glasspezialisten auf einen nachhaltigen Erfolgskurs geführt. Der Manager blickt stets nach vorn und ist von Natur aus Optimist.
20.01.2020 - 13:23 Uhr Kommentieren
Schott: So macht Frank Heinricht den Glasspezialisten erfolgreich  Quelle: dpa
Frank Heinricht

Mitte 2013 übernahm der Manager den Führungsposten bei Schott.

(Foto: dpa)

Mainz Frank Heinricht kann seine Begeisterung nicht verbergen. „Nun kommt das Highlight des Tages“, sagt der CEO des Mainzer Glasspezialisten Schott und strahlt. Ein Hersteller werde demnächst das erste Falthandy mit einer Glasoberfläche auf den Markt bringen. „Dabei wird unser biegsames Ultradünnglas zum Einsatz kommen“, erzählt der 57-Jährige.

Jeder merkt, dass er am liebsten auch den Namen des Smartphone-Konzerns nennen würde. Doch das darf er nicht. Der Kunde will seine Innovation im Februar selbst vorstellen. „Ich muss Sie noch um etwas Geduld bitten, es wird noch ein paar Wochen dauern. Aber es ist einer der Großen“, sagt Heinricht.

Für den gebürtigen Berliner zählen solche Momente wie dieser am Rande der Bilanzpressekonferenz vor wenigen Tagen zu den schönsten. Es ist eine Mischung aus Optimismus und einer großen Leidenschaft für Innovationen, mit der Heinricht das Unternehmen in die Erfolgsspur geführt hat – und das offensichtlich nachhaltig. Dabei war der Anfang nicht einfach.

Als der Physiker und Doktor der Ingenieurwissenschaften Mitte 2013 den Chefsessel bestieg, hatte der teure Ausflug von Schott in die Solarbranche tiefe Spuren hinterlassen. Der Nettoverlust betrug 278 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote war auf 18 Prozent geschrumpft. Heinricht musste zur Sanierung einige unbeliebte Entscheidungen treffen.

Davon ist jetzt, fast sieben Jahre später, keine Rede mehr. Schott ist gesund, wächst seit Jahren – und das profitabel. In dem bis Ende vergangenen September gehenden Fiskaljahr steigerte Schott den Umsatz um 5,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Überschuss lag bei 206 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug 32 Prozent.

„So was ist immer eine Teamleistung“, versucht Heinricht gerne, seine eigene Leistung etwas zu relativieren. Als er bei Schott angefangen habe, hätten viele gute Ideen unter einer Staubschicht gelegen. „Schott hat ein großes Potenzial, wir mussten nur die Staubschicht entfernen“, sagt Heinricht. Und der Chef nimmt im nächsten Satz auch den fehlgeschlagenen Ausflug seines Vorgängers in die Solarindustrie in Schutz. „Damals hatte das sicherlich eine gewisse Rationalität.“

Bestnoten von der Belegschaft

Heinricht ist jemand, der ungern zurückschaut. Er blickt nach vorn. Doch er weiß auch, dass eine gute Zukunft ohne Reflexion der Vergangenheit unmöglich ist. „Heinricht hat bei Schott einen umfassenden Kulturwandel eingeleitet“, beschreibt ein Managementkollege Heinrichts Vorgehen. Das Unternehmen sei ziemlich verkrustet gewesen, es habe an Transparenz gefehlt.

Der ständige Austausch untereinander, das ist für Heinricht ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Unternehmen. Bevor zum Beispiel die Geschäftszahlen publiziert werden, werden alle 16 200 Mitarbeiter über die Details des vergangenen Fiskaljahres informiert. In der Belegschaft kommt Heinrichts Stil offenbar an.

Erst vor wenigen Wochen hat der Führungskräfteverband Chemie VAA dem Unternehmen den „Deutschen Chemie-Preis“ 2019 verliehen. Den bekommen Firmenchefs, die ihre eigenen Führungskräfte am besten begeistern können. Die Führungskräfte von Schott haben Bestnoten für ihren Arbeitgeber vergeben. „Das Unternehmen gibt seinen Mitarbeitern genau das Vertrauen, das sie in unruhigen Zeiten benötigen“, lobte Thomas Toepfer, Finanzvorstand des Vorjahressiegers Covestro, das Stiftungs‧unternehmen in seiner Laudatio.

Schott hat ein großes Potenzial, wir mussten nur die Staubschicht entfernen. Frank Heinricht, Vorstandschef Schott

Beim Blick nach vorn hilft Heinricht seine Begeisterung für Innovationen. Schon vor seiner Zeit bei Schott, als Chef des Familienunternehmens Heraeus in Hanau, fiel die große Leidenschaft des Physikers für innovative Ideen auf. Schott bietet ihm da viele Möglichkeiten.

Das 1884 von Otto Schott gegründete Unternehmen gehört seit 1919 der Carl-Zeiss-Stiftung, einer der ältesten und größten privaten Stiftungen in Deutschland. Der Kern des Unternehmens ist Spezialglas. Es findet in unzähligen Branchen Anwendung – vom Kochfeld bis zum Spezialglas etwa für die Auto- oder Medizinbranche.

Mit spürbarem Stolz erklärt Heinricht auch kleine und auf den ersten Blick eher banal klingende Ideen. Wie etwa die der ersten silikonfreien Glasspritze. „Sie werden sicher fragen, wozu eine Glasspritze überhaupt Silikon braucht“, so Heinricht. Doch der Stempel, mit dem der Wirkstoff in die Blutbahnen gedrückt werde, müsse geschmiert werden. Das geschehe bisher mit Silikon.

Das Problem dabei: Gerade hochwertige Wirkstoffe, besonders die biotechnologisch hergestellten, würden mit dem Silikon reagieren und sich verändern. „Uns ist es nun zusammen mit der Firma Gore, die durch Gore-Tex bekannt ist, gelungen, eine Lösung ohne Silikon zu entwickeln.“
Um auch künftig solche Ideen in Serie produzieren zu können, investiert Schott viel. Im abgelaufenen Fiskaljahr stiegen die Investitionen um 38 Prozent auf 257 Millionen Euro. In den kommenden beiden Jahren soll dieses Niveau beibehalten werden. Das Geld fließt auch in neue Fertigungsanlagen. Gerade wurde zum Beispiel am Stammsitz in Mainz eine neue Fertigung für Zerodur in Betrieb genommen. 30 Millionen Euro ließ sich Schott das kosten, eine der größten Investitionen am Standort Mainz und auch eine der größten im „Advanced Optics“ genannten Geschäftsbereich.

Hoffnungswert Falthandy

Hinter Zerodur verbirgt sich Glaskeramik, die Temperaturen von minus 200 bis plus 700 Grad aushält, weil sie sich kaum verformt. Dieses Glas wurde zwar schon 1968 auf den Markt gebracht und war etwa bei der ersten bemannten Mondlandung „an Bord“.

Auch kommt es schon lange bei der Fertigung von Ceran-Kochfeldern zum Einsatz. Es wird aber ständig weiterentwickelt. In der neuen Fertigung kann Schott die Glaskeramikkomponenten nun zum Beispiel mithilfe elektronisch gesteuerter Maschinen zu äußerst komplexen Formen verarbeiten.

Dass Schott den Erfolg seiner Ideen am Ende nicht allein in der Hand hat, sondern dabei auch von den Kunden abhängig ist, die das Unternehmen beliefert, hält Heinricht für verkraftbar. „Natürlich gehen wir bei dem Ultradünnglas in Vorleistung und wissen nicht, wie das Falthandy am Markt ankommt“, sagt der Vorstandschef. Aber für das neuartige Glas mit seinen Eigenschaften gebe es noch zahlreiche andere Anwendungsmöglichkeiten.

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