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Grafschafter Krautfabrik Stefan Franceschini produziert den Geschmack der Kindheit

Rübensirup ist das Erfolgsrezept der Grafschafter Krautfabrik. Via Social Media versucht das Familienunternehmen, junge Leute an das Produkt heranzuführen.
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Der 50-jährige leitet das Familienunternehmen Grafschafter Krautfabrik in vierter Generation. Quelle: Grafschafter Krautfabrik
Stefan Franceschini

Der 50-jährige leitet das Familienunternehmen Grafschafter Krautfabrik in vierter Generation.

(Foto: Grafschafter Krautfabrik)

MeckenheimAuf einem Foto sind Gewürzkugeln in einer silbernen Schale zu sehen, dazu schreibt Elli vom Instagram-Account „Lieberbacken“: „Gemeinsam mit der Grafschafter Krautfabrik habe ich winterliche Gewürzkugeln entwickelt, mit denen ich nun gerne die Weihnachtszeit auf dem Blog einläuten möchte. Endlich!“

Der Post ist als Werbung gekennzeichnet und gehört zur Marketing-Strategie der Grafschafter Krautfabrik. Das Kernprodukt ist der Grafschafter Goldsaft, ein Zuckerrübensirup im gelben Becher. Stefan Franceschini führt das Unternehmen seit 2002 in vierter Generation.

Mit seinem Hauptprodukt, dem Grafschafter Zuckerrübensirup, verbindet ein großer Teil der Generation Ü-40 vor allem an Rhein und Ruhr ein Stück Kindheit. Der Goldsaft auf Brot mit Butter oder Quark, ist vielen in Erinnerung. Die Oma gab ihrem Sauerbraten oder dem selbst gebackenen Schwarzbrot mit der zähen dunklen Masse den tieferen Geschmack.

Ein Unternehmen mit großer Tradition. Und großer Konkurrenz auf dem Frühstücksbrot: Heutige Kindergartenkinder, Schüler und Studenten sind es gewohnt, eine überwältigende Auswahl zu haben, wenn es um ihr Frühstück geht. Wie also bringt man sie dazu, zum Aufstrich aus dem gelben Becher zu greifen? Kooperationen mit Bloggern wie Elli vom Blog „Lieber Backen“ sollen helfen, auch diese Zielgruppe zu erreichen. Denn auch die Generation Y und Z erreicht man nur über die sozialen Medien.

Schon längst nutzen große Unternehmen Plattformen wie Instagram und Co., um mit Hilfe von Influencern ihre Produkte an die junge Zielgruppe zu bringen. Die Grafschafter Krautfabrik macht es da wie andere mittelständische Familienunternehmen wie Brandt Zwieback oder Messer- und Kochgeschirrhersteller Zwilling, die ihre Produkte an die jungen Endverbraucher bringen müssen.

Begonnen hat die Krautfabrik als Feldbrandziegelei im Jahr 1893. Josef Schmitz gründete das Unternehmen und hatte schon bald die Idee, neben den Feldbrandziegeln Zuckerrübensirup herzustellen. Sein Sohn Albert trat 1920 in die Geschäftsleitung ein. Er entwickelte 1955 den berühmten gelben Becher, der bis heute in keinem Supermarkt in Nordrhein-Westfalen fehlt.

Dass Stefan Franceschini nun bereits in zweiter Generation einen italienischen Namen trägt, liegt daran, dass die Tochter von Albert Schmitz Ernst Franceschini heiratete, welcher 1968 in die Geschäftsleitung eintrat.

1995 verabschiedete sich das Familienunternehmen endgültig von seinem Ziegeleibetrieb und riss den alten Ringofen ab. Seit 2002 führt Ernsts Sohn Stefan die Geschäfte. Der heute 50-Jährige sammelte nach einer Banklehre und einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster zunächst Erfahrungen außerhalb des Familienunternehmens. So arbeitete er sechs Jahre beim Handelskonzern Metro.

Durch die Übernahme verschiedener Kleinunternehmen konnte das traditionsreiche Familienunternehmen sein Angebot erweitern. Heute gehören neben dem Zuckerrübensirup auch Apfelkraut, eine Lütticher Delikatesse aus Birnen, Äpfeln und Datteln und viele weitere Produkte zum Sortiment. Außerdem stellt Grafschafter Industriezucker für die Pharmaindustrie und für zahlreiche Brot- und Backwarenhersteller her.

Die Unternehmensgruppe beschäftigt insgesamt rund 140 Mitarbeiter und setzte 2017 rund 30 Millionen Euro um. Die Arbeit ist saisonlastig, die Produktionsphase läuft ab September für 80 bis 100 Tage. Dann muss Stefan Franceschini Werte kontrollieren, das Produkt probieren und „gucken, ob alle an Bord sind und manchmal auch einfach gute Laune verbreiten“.

Familiäres Betriebsklima

Der Firmenchef ist ein positiver Mensch mit Empathie für seine Mitarbeiter. „So ein enges und gutes Verhältnis ist etwas Besonderes. Wir haben viele Familien, die mit mehreren Angehörigen hier arbeiten. Mit manchen habe ich in meiner Kindheit Fußball gespielt“, sagt Franceschini. Die Atmosphäre im Betrieb ist familiär. Das liegt auch daran, dass Franceschini hier aufgewachsen ist. Ihm ist es wichtig, auch auf persönliche Belange der Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen. „Wir kriegen das schon wieder hin“, sagt dann Franceschini.

Für Stefan Franceschini ist es immer wieder eine neue Herausforderung, auf Kurs zu bleiben. Zwar ist Grafschafter nach wie vor im Segment Zuckerrübensirup ohne Konkurrenz auf dem deutschen Markt. Trotzdem muss die Firma es schaffen, auch die jüngeren Menschen für ihre Produkte zu begeistern. Deswegen konzentriert er sich verstärkt auf die Vermarktung über Social Media. Dazu gehören Plattformen wie Facebook, Instagram und Pinterest, aber auch die direkte Zusammenarbeit mit Bloggern und Influencern.

Neben Foodbloggerin Elli hat so auch schon Profiradsportler Ben Urbanke ein Rezept mit dem Grafschafter Goldsaft veröffentlicht – für eine Frühstücks Acai-Bowl. „Wir wollen ehrlich und authentisch die Vorteile von unserem Produkt zeigen. Wir sind vegan, glutenfrei und haben die kürzeste Zutatenliste der Welt: nur Zuckerrüben“, sagt Franceschini.

Grafschafter gehört zu Meckenheim – die Fabrik und der Ort sind sogar so eng verbunden, dass in der Weihnachtszeit 2017 neben dem heiligen Paar und dem Christkind ein gelbes Pöttchen Rübensirup in der Krippe stand. Martin Hörnig kennt zahlreiche solcher Anekdoten, sein Familienbetrieb liefert seit jeher Zuckerrüben an die Grafschafter Krautfabrik.

Sein Großvater und Albert Schmitz sind zusammen zur Schule gegangen. „Stefan Franceschini pflegt einen lockeren, freundschaftlichen Umgang mit Mitarbeitern und Lieferanten, ist aber in der Sache bestimmt“, urteilt Hörnig.

Sein Familienbetrieb liegt nur 700 Meter von der Krautfabrik entfernt, von jedem Feld aus ist der Turm der Fabrik zu sehen. In jeder Produktionsphase beliefern die Hörnigs die Krautfabrik mit 1.600 Tonnen Zuckerrüben. Martin Hörnigs Vater Karl-Heinrich Hörnig hat als Kind mit Stefan Franceschini auf dem Fabrikgelände gespielt. „Bei den Franceschinis zählt Persönliches noch sehr viel, man ist nicht nur eine Nummer. Das ist in so einer anonymen Welt etwas Wunderbares,“ meint Hörnig.

Ein Familienbetrieb sei eine große Herausforderung, aber auch ein tolle Chance, ist Franceschini überzeugt. Für die Zukunft wünscht er sich, seine eigenen Kinder für den Betrieb begeistern zu können. Dabei will er intelligent vorgehen: „Mein Vater hat mich nie unter Druck gesetzt, aber mich immer eingeweiht in alles, was in dem Betrieb vorging.“ So entstand seine enge Bindung an das Familienunternehmen, und so will er es auch gern halten. Rübensaft ist genau wie Blut eben dicker als Wasser.

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