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Gründer Brad Keywell

Er war wissbegierig und datenhungrig von Kindheit an.

(Foto: Bloomberg)

Groupon-Gründer Brad Keywell und sein nächstes Milliarden-Start-up

Der Groupon-Gründer will mit seinem Datenanalysten Uptake Siemens und GE Konkurrenz machen. Dabei setzt er auf ungewöhnliche Mitarbeiterführung.
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Chicago Hochlaufen, mit dem Skilift herunterfahren, wieder hochlaufen, „und das noch mal und noch mal“, so erinnert sich Brad Keywell. Ganze 17-mal kletterte der Amerikaner im Oktober 2017 auf den Stratton Mountain, einen Berg in Vermont – an nur einem Wochenende. Am Sonntagabend hatte er dann 8.848 Höhenmeter geschafft, was dem Aufstieg vom Meeresspiegel bis zur Spitze des Mount Everests entspricht.

Beim Klettern hatte der 48-Jährige Zeit zum Nachdenken, ein Ausspruch von Bergsteiger Edmund Hillary hat es ihm angetan: „Es ist nicht der Berg, den wir besiegen, sondern unser eigenes Ich.“ Die Gedanken inspirierten den Gründer des Datenanalyse-Start-ups Uptake zu einem Brief an seine Mitarbeiter.

„Wir müssen unsere Neigung bekämpfen, unsere Gedanken schweifen zu lassen“, schrieb Keywell. „Wir müssen unsere Vorliebe besiegen, über Vergangenes zu grübeln oder Angst vor der Zukunft zu haben.“

Woche für Woche schreibt der Chef einen Brief an die Belegschaft von Uptake. Das Unternehmen gehört zum Klub der sogenannten Unicorns. Gerade mal vier Jahre alt, wird Uptake schon ein Wert von 2,3 Milliarden US-Dollar zugemessen. Risikokapitalgeber wie der frühere AOL-Chef Steve Case und der Investmentfonds Baillie Gifford sind investiert. „Uns gefällt die enorme Marktchance, die nachweisbare Erfolgsbilanz bei der Wertschaffung und das hervorragende Mitarbeiterteam“, begründete Gary Robinson von Baillie Gifford den Einstieg.

Mithilfe von Datenauswertung, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen will Uptake Industrieunternehmen helfen, Maschinen zu vernetzen und besser einzusetzen – beispielsweise weniger Ausfälle durch vorausschauende Wartung zu erzielen. Zu den etwa hundert Kunden aus acht Branchen gehören zum Beispiel der Baufahrzeughersteller Caterpillar sowie die Energie- und Bahnunternehmen von Berkshire Hathaway, der Holding von Investorenlegende Warren Buffett. „Das ist schon beeindruckend“, sagt Martin Lüers, Industrieexperte der Unternehmensberatung Roland Berger.

Uptake nimmt es mit General Electric oder Siemens auf. Die hegen große Ambitionen in Bezug auf das Thema Industrie 4.0, verfügen über enormes Kapital und weitreichende Beziehungen. Keywell gibt sich jedoch wenig beeindruckt: „Sie wollen Maschinen und Wartungsverträge verkaufen.“ Uptake dagegen sei „markenneutral“ und „besessen davon, dem Kunden Wert zu verschaffen“.

Vor wenigen Monaten kaufte er Firmenanteile von Caterpillar zurück, einem der Gründungsinvestoren von Uptake – aus Sorge, mit Caterpillar im Aufsichtsrat Kunden zu verprellen. „Wir wollen uns neutral gegenüber jedem Hersteller präsentieren.“ Bei Siemens heißt es, man äußere sich grundsätzlich nicht zu Wettbewerbern. Uptake nehme man ernst, es sei aber nur „einer von vielen Anbietern“, sagt ein Manager.

Am Sitz von Uptake im Norden Chicagos druckte einst das amerikanische Versandhaus Montgomery seine Kataloge, heute finden sich dort vor allem Start-ups. Der Name der bekanntesten Firma prangt in großen Lettern an der Fassade: Groupon. Dass Uptake direkt nebenan seine Zentrale hat, ist kein Zufall.

Keywell hat sowohl Groupon als auch Uptake gemeinsam mit Eric Lefkofsky gegründet. Die beiden arbeiten seit 1999, als sie die Dotcom-Firma Starbelly gründeten, zusammen. Starbelly verkauften sie nach nur einem Jahr für 240 Millionen US-Dollar an einen größeren Konzern.

Meditation für alle Mitarbeiter

Der glatzköpfige Keywell widmet sich heute ganz Uptake. Einmal die Woche empfängt er seine 750 Mitarbeiter zum „All Hands“-Treffen, das er mit esoterisch angehauchten Sätzen einleitet, um „völlig im Moment präsent zu sein“, sodass „wir völlig die Energie und Information absorbieren können, wenn wir uns als Einheit treffen“.

Es gibt auch einen Meditationsraum, in dem ein Brunnen plätschert. Meditation „ist natürlicherweise nicht Teil eines Unternehmens“, sagt Keywell. Aber es würde helfen, „klare Entscheidungen“ zu fällen und sich der „Möglichkeiten bewusst zu werden“. Die sind in der Tat enorm: Laut der Unternehmensberatung Bain soll sich der Markt für das Internet der Dinge bei Industrieanwendungen bis 2020 auf jährlich 300 Milliarden US-Dollar verdreifachen. Siemens schätzt, dass weltweit erst drei Prozent aller Fabriken ihre Daten überwachen.

Eine Personalie zeigt, wie ernst Uptake zu nehmen ist: Vor wenigen Monaten wechselte Ganesh Bell von General Electric zum Start-up. Der 46-Jährige ist eine Größe in dem Geschäft, war einst die rechte Hand des ehemaligen SAP-Chefs Henning Kagermann. Dann wurde er der „Chief Digital Officer“ von GE Power & Wate, das US-Wirtschaftsmagazin „Fast Company“ platzierte ihn 2017 auf Platz elf der kreativsten Wirtschaftsköpfe.

Bei Uptake seien die Entscheidungswege schneller, begründet Bell seinen Wechsel. „Es gibt keine Komitees, ich muss niemanden im Konzern überzeugen“, alles drehe sich „nur um den Kunden“.

GE oder Siemens wiederum verweisen auf ihre Industrieerfahrung. Ihre Software-Plattformen „Predix“ und „Mindsphere“ würden mehr Kunden anwenden, sie verfügten über mehr Daten, seien daher besser. Laut Bell kann aber auch Uptake bereits auf 1,2 Milliarden Betriebsstunden von Maschinen zurückgreifen, die Eingang in ihre Software fanden. Jeden Monat verarbeite man 150 Milliarden Datensätze. „Wir sind in 90 Ländern vertreten und wollen weltweit deutlich wachsen“, sagt Keywell.

In der Uptake-Kantine liegt ein riesiges blaues Buch aus, jeder Mitarbeiter kann ein Exemplar erhalten: „Sonntagsgedanken – Briefe von Brad Keywell 2017“. Darin findet sich auch ein Foto von Bruce Springsteen, Keywell hatte sich mit einer seiner Töchter über den Rockmusiker unterhalten. „Vielleicht ist Stille Musik“, sagte sie. Dann wieder schreibt Keywell über Philip Glass, der „sei ein Künstler und Klempner“, und man müsse erst ein Handwerker sein, um Kunst schaffen zu können.

Zum Eintrag vom 14. Mai 2017 gehört ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto, es zeigt eine Frau und einen zehn Jahre alten Jungen mit Strubbelhaaren und Zahnlücke. Darunter steht: „Meine Mutter und ich“. Im Essay zu dem Foto schreibt er über seine Kindheit in einer Vorstadt von Detroit, „am Ende einer Schotterpiste“. Jeden Tag durfte er eine halbe Stunde Comics lesen, ständig zankte er sich mit seiner Schwester.

Doch beim Abendessen lag ein Wörterbuch griffbereit, und die Mutter wählte komplexe Wörter aus, deren Bedeutung die Familie dann besprach. Die Mutter schrieb die Wörter auf Kärtchen, bis sich „ein hoher Stapel bildete“. Das war laut Keywell die Geburtsstunde seiner „Wissbegierde“.

Je präziser die Information, desto besser. Noch heute würde er bei Recherchen oft bis „auf Seite 20 einer Google-Suche“ gehen. Dieses lebenslange Lernen gehöre auch zu den Fundamentalwerten seiner Firma: „Wissbegierde führte zur Gründung von Uptake.“

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