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Gründer Sebastian Stricker Mit seiner Marke hilft dieser Sozialunternehmer Notleidenden

Bei der Marke „Share“ von Sebastian Stricker ist der Name Programm. Nach Rewe und dm sollen neben Eurowings weitere Partner folgen.
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Der Gründer liefert mit seinem Unternehmen Share bald das Wasser für die Flieger von Eurowings. Quelle: share GmbH
Sebastian Stricker

Der Gründer liefert mit seinem Unternehmen Share bald das Wasser für die Flieger von Eurowings.

(Foto: share GmbH)

Berlin„Mit jedem Share-Produkt spendet man ein gleichwertiges Produkt an einen Menschen in Not. Ist das nicht großartig?!“, schrieb Schauspielerin Alexandra Maria Lara kürzlich auf Instagram. Dazu postete sie ein Foto von sich mit dem Share-Müsliriegel Kirsche & Mandel.

Promis von Schauspieler Tom Beck bis Model Stefanie Giesinger empfehlen gerne mal Produkte von Share, obwohl sie kein Geld dafür bekommen. Denn das Konzept der Marke überzeugt viele. Gründer und CEO Sebastian Stricker hat eine Vision.

Er will mit Share eine sozial gerechte Konsumgütermarke aufbauen nach dem Prinzip 1+1: Jede verkaufte Flasche Mineralwasser aus dem Allgäu verschafft einem Menschen Zugang zu einem Brunnen. Jeder Müsliriegel sponsert eine Mahlzeit für die Tafel Deutschland oder internationale Hilfsprojekte und jede Flüssigseife bringt Bedürftigen ein Stück Seife.

„Für mich ist gesellschaftliche Verantwortung ein wesentliches Element von Unternehmertum“, betont der 36-Jährige. Im März 2018 ging Share in Berlin an den Start. In den ersten zwölf Monaten wurden bereits acht Millionen Produkte verkauft – meist bio und fair gehandelt. Damit wurden 51 Brunnen in Liberia, Kambodscha und Äthiopien gebaut, zwei Millionen Mahlzeiten und 550.000 Seifen Notleidenden gespendet.

Kunden zahlen nicht mehr als für normale Markenprodukte. „Mineralwasser gibt es für 19 Cent die Literflasche, Markenwasser kostet mitunter 69 Cent, bei oft vergleichbarer Qualität“, erklärt Stricker. „Das sind Preisunterschiede, aus denen wir soziale Projekte unterstützen können. Was andere für Werbung ausgeben, spenden wir in großen Teilen.“

Mit seinem Konzept konnte Stricker die Drogeriekette dm und den Supermarkt-Filialisten Rewe für sich gewinnen. In rund 5000 Läden sind Share-Produkte erhältlich. „Das 1+1-Prinzip mit dem Verkauf einer sozialen Lebensmittelmarke zu untermauern, davon sind wir total überzeugt“, sagt Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog. Für immer mehr Kunden spielten Nachhaltigkeit, soziales Engagement oder sozialer Konsum beim Einkauf eine Rolle.

Stricker habe Rewe mit seiner Leidenschaft und Agilität sofort begeistert. Moog: „Das passiert bei einem Unternehmen von der Größenordnung eines Rewe sicherlich nicht jeden Tag, dass ein junges Unternehmen seine Produkte und eine Idee präsentiert und am gleichen Tag fällt die Entscheidung, die Produkte einzulisten.“

„Unser Angebot ist eben bestechend – auch der Einkaufspreis“, meint Stricker. „Dabei sind wir nicht auf Zugeständnisse unserer Abnehmer angewiesen, wir wollen ja eine echte Konsumgütermarke aufbauen.“ Nur bei den Zahlungszielen seien dm und Rewe sehr entgegengekommen.

Nachhaltigkeit zählt

Der Österreicher Stricker, der in Wien Wirtschaft studierte und in Politik promovierte, hatte schon immer eine soziale Ader. Nach vier Jahren als Berater bei BCG arbeitete er für die Clinton-Stiftung in Tansania und für das Welternährungsprogramm der Uno in Rom und Westafrika.

Zunächst entwickelte er 2014 die Crowdfunding-App ShareTheMeal. „Mit einem Klick auf dem Smartphone spendet man 40 Cent. Dafür erhält ein Bedürftiger Essen für einen Tag“, erklärt er. Bisher konnte ShareTheMeal mehr als 35 Millionen Mahlzeiten finanzieren. 2016 übernahm die Uno das Berliner Start-up.

Vor zweieinhalb Jahren hatte Stricker die Idee für Share. Die Anschubfinanzierung kam von Atlantic Food Labs des Berliner Investors Christophe Maire, von Ex-Handelsmanager Andreas Berger und vom Hersteller für natürliche Aromen Döhler. Das 1+1-Prinzip ist nicht neu, wurde 2006 vom US-Schuhhersteller Toms entwickelt.

In den USA gibt es etwa den Müsliriegel „This bar saves lives“, in Deutschland Lemonaid und Charitea oder Kaffee und Eis von Lycka. „Soziales Unternehmertum liegt im Trend“, bestätigt Katrin Elsemann, Geschäftsführerin des Social Entrepreneur Netzwerk Deutschland. Hier gibt es knapp 2000 Sozialunternehmen. Der Verkaufserfolg von Share zeige: Kunden haben Interesse an Produkten mit gesellschaftlichem Mehrwert.

„Gewinne erwirtschaften und gleichzeitig Gutes tun, das ist machbar.“ In Deutschland sei leider das Denken verbreitet, soziale Innovationen und Unternehmungen seien Sache von Staat und Wohlfahrt, bedauert Elsemann. Vorreiter ist Share auch bei der Nachhaltigkeit.

„Wir waren die Allerersten in Deutschland, die Wasser in einer Flasche komplett aus recyceltem Kunststoff verkauft haben“, betont Stricker, den Elsemann als „fokussierten Macher“ beschreibt. Doch nicht alles lief glatt. Einmal wurden lasterweise Wasserflaschen retourniert. „Wir rätselten, warum“, so Stricker. Es stellte sich heraus: Die Lagerroboter nahmen die Paletten nicht an, weil sie leicht verbogen waren.

Den Multi Nestlé verdrängt

Strickers Traum von einer großen sozialen Konsumgütermarke steht noch am Anfang. Der Umsatz von 7,5 Millionen Euro im ersten Jahr soll 2019 deutlich steigen. „Wenn wir 150.000 Flaschen Wasser am Tag verkaufen – könnte jeden Tag ein Brunnen in einer Krisenregion gebaut oder instand gesetzt werden.“

Bisher hat Share in Berlin 30 Mitarbeiter. „Alle könnten woanders deutlich mehr verdienen, aber glauben an die Sache.“ Es gab auch Angebote zur Übernahme. „Aber wir wollen beweisen, dass wir auch aus eigener Kraft stark wachsen können“, so Stricker.

Mitte April startete eine Kooperation mit einer Tankstellenkette. Mit einem Turnschuhhersteller spricht Share über eine mögliche gemeinsame Edition. Bei Rewe kommt bald eine neue Produktpalette von Share in die Regale. Die reicht von Wasser mit Geschmack über Schokolade, Bio-Studentenfutter bis zu Handcreme und Bambus-Zahnbürsten. Und ab Mai liefert Share das stille Wasser für die Flieger von Eurowings. Das freut Stricker besonders: „Da konnten wir als kleines Start-up sogar Vittel von Multi Nestlé verdrängen.“

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