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Gute Unternehmensführung Das sind die neuen Regeln des Governance-Kodex für Familienunternehmen

Immer mehr Familienunternehmer haben Stiftungen gegründet, immer mehr investieren außerhalb ihrer Kernunternehmen. Der neue Kodex trägt dem Rechnung.
17.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Governance-Kodex für Familienunternehmen ist eine Empfehlungsliste, deren Befolgung freiwillig ist. Quelle: E+/Getty Images
Gute Unternehmensführung

Der Governance-Kodex für Familienunternehmen ist eine Empfehlungsliste, deren Befolgung freiwillig ist.

(Foto: E+/Getty Images)

Düsseldorf Der vor 17 Jahren eingeführte Corporate-Governance-Kodex für Familienunternehmen ist jetzt nach 2010 und 2015 zum dritten Mal überarbeitet worden. Zwar waren vor 17 Jahren nicht alle Familienunternehmer begeistert. Doch inzwischen ist der Kodex in vielen Familienunternehmen angekommen. Das sind die wichtigsten Neuerungen:

Wenn die Familien über Stiftungen agieren

Die Zahl der Familienstiftungen in Familienunternehmen nimmt zu. Zwei Trends beflügeln dies: Erstens führt die größere Gleichberechtigung unter Nachfolgern oder der Wille der Nachfolger, etwas anderes zu unternehmen, dazu, dass nicht mehr automatisch ein Unternehmerkind das Unternehmen fortführt. Zweitens suchen viele Familien eine langfristige Lösung für die Fortführung der Unternehmen, die unabhängig von der konkreten Generation den erbschaftsteuerschonenden Übergang regelt.

Viele große Familienunternehmen regeln das über Stiftungen, kleinere interessieren sich zunehmend für ähnliche Lösungen. Da hinein fällt auch die aktuelle Diskussion über eine neue Rechtsform, die „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“, bei der das Unternehmen gewissermaßen sich selbst gehört.

Dafür setzen sich inzwischen rund 1200 Unternehmer ein. Zugleich wird derzeit an einer Vereinfachung der Stiftungsregelungen gearbeitet, in der vorigen Woche gab es eine Anhörung der Verbände vor dem Rechtsausschuss des Bundestags. Der Governance-Kodex für Familienunternehmen empfiehlt, wie diese Regelungen so ausgestaltet werden können, dass die Handlungsfähigkeit des Familienunternehmens, der Charakter des Unternehmens als Familienunternehmen und auch die Identifikation der Familie mit dem Unternehmen durch die mittelbare Beteiligung nicht beeinträchtigt werden.

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    So soll es zum Beispiel auch eindeutige Regelungen geben, wie viel von dem an die Gesellschaft beziehungsweise an die Familienstiftung ausgeschütteten Gewinn an die Gesellschafterinnen oder Destinatärinnen weiterausgeschüttet wird und was und für welche Zwecke in der Gesellschaft oder der Familienstiftung verbleibt.

    Wenn Familien außerhalb des eigenen Unternehmens investieren

    Immer mehr Unternehmerfamilien entwickeln sich zu Investorenfamilien. Das Ergebnis: Ein stetig wachsender Teil des Vermögens steckt nicht im Kernunternehmen, sondern wird für die Erbschaftsteuer oder Kapitalerhöhungen zurückgelegt. Um das Risiko zu diversifizieren, wird oft aber auch in Start-ups, andere Firmen, Beteiligungen oder Fonds investiert. Zur verantwortungsvollen Inhaberschaft, so hat die Kommission nun festgelegt, müsse auch mit diesem Vermögen verantwortungsvoll umgegangen werden.

    Wo die Unterschiede zum Kodex für Börsenunternehmen liegen

    Der Deutsche Corporate-Governance-Kodex gilt für deutsche börsennotierte Gesellschaften. Der Kodex besitzt über die Entsprechenserklärung gemäß § 161 AktG eine gesetzliche Grundlage. Darin finden sich erstens die gesetzlichen Vorschriften zur Leitung und Überwachung, die bereits im Aktiengesetz geregelt sind. Darüber hinaus enthält der Kodex als Empfehlungen national und international anerkannte Standards und Anregungen, die nicht verbindlich sind.

    Bei den Empfehlungen müssen Abweichungen der Unternehmen aber begründet werden. Die Regierungskommission überprüft den Kodex jährlich darauf, ob er der aktuellen Best Practice der Unternehmensführung weiter entspricht.#

    Der Governance-Kodex für Familienunternehmen dagegen ist nur eine Empfehlungsliste, deren Befolgung freiwillig ist. Er wurde von Peter May begründet, zu den Initiatoren zählen das Family Business Network Deutschland, der Verband „Die Familienunternehmer“ und die Intes Akademie. Er gibt Leitlinien für die verantwortungsvolle Führung von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien vor und einen verlässlichen Rahmen für die Beurteilung und Optimierung ihrer individuellen Governance-Strukturen.

    Manche Familienunternehmen waren bereits beim Start des Kodex eher skeptisch. Zwei Gründe führen die Skeptiker wie Andreas Wiedemann von der Kanzlei Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz an: „Erstens treibt uns die Sorge an, dass ähnlich wie beim Corporate-Governance-Kodex für börsennotierte Unternehmen daraus einmal zu einzelnen Punkten Gesetze werden könnten, und zweitens, dass die unterschiedlichen Typen von Familienunternehmen es nicht erlauben, mit nur einem Kodex zu arbeiten.“

    Was der Kodex noch nicht regelt

    Die Kommission will sich diverser aufstellen und künftig auch eine gendergerechte Schreibweise nutzen. Wichtig sei, dass die Familienunternehmen sich auch in ihren Entscheidungsgremien diverser aufstellen und insbesondere der jüngeren Generation Rechnung tragen.
    Auch das Thema Nachhaltigkeit ist im Kodex derzeit nicht geregelt. Für beide Themen sollen sich neue Expertengruppen bilden, in denen Unternehmerinnen und Wissenschaftlerinnen diese Fragen erörtern.

    Wer die Mitglieder der Kommission sind

    Der Kommission gehören namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Familienunternehmen, Wissenschaft und Beratung an. Dem Präsidium gehören an: Prof. Dr. Peter May (Vorsitzender), Dr. Patrick Adenauer (FBN Deutschland), Reinhold von Eben-Worlée (Die Familienunternehmer) und Dr. Dominik von Au (Intes Akademie für Familienunternehmen).

    Weitere Mitglieder der Kommission, die an der jüngsten Überarbeitung mitgewirkt haben, sind: Tobias Bachmüller (Katjes Fassin GmbH + Co. KG), Dr. Peter Bartels (PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft), Prof. Dr. Jörn Block (Universität Trier), Klaus Dohle (Dohle Handelsgruppe Holding GmbH & Co. KG), Stefan Dräger (Drägerwerk AG & Co. KGaA), Jan-Hendrik Goldbeck (Goldbeck GmbH), Franz Haniel (Franz Haniel & Cie. GmbH), Dr. Jürgen Heraeus (Heraeus Holding GmbH), Sebastian von Johnston, Prof. Dr. Nadine Kammerlander (WHU – Otto Beisheim School of Management), Prof. Dr. Hermut Kormann (Zeppelin Universität), Andreas Land (Griesson – de Beukelaer GmbH & Co. KG), Dr. Thomas Lindner (Groz-Beckert KG), Ludwig Merckle (Merckle Unternehmensgruppe), Dr. Alfred Oetker (Dr. August Oetker KG), Prof. Dr. Sabine Rau, Florian Rehm (Mast-Jägermeister SE), Angelique Renkhoff-Mücke (Warema Renkhoff SE), Hans-Arndt Riegel (Haribo GmbH & Co. KG), Prof. Dr. Jörg K. Ritter (Egon Zehnder International GmbH), Uwe Rittmann (PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft), Prof. Dr. Tom Rüsen (Private Universität Witten/Herdecke gGmbH), Johannes Freiherr von Salmuth (Röchling SE & Co. KG), Dr. Hans Schlipat (Rochus Mummert GmbH), Prof. Dr. Arist von Schlippe (Private Universität Witten/Herdecke gGmbH), Bernhard Simon (Dachser Group SE & Co. KG), Dr. Reinhard Zinkann (Miele & Cie. KG).

    Mehr: Das treuhänderische Prinzip kann die Selbstständigkeit von Unternehmen wahren

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