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Hagedorn kauft Wasel Pakt fürs Kohlerevier: Zwei Mittelständler machen sich fit für den Strukturwandel

Das Abbruchunternehmen Hagedorn übernimmt den Schwertransportspezialisten Wasel. Gemeinsam gehen sie die Herausforderungen des Kohleausstiegs an.
05.07.2021 - 04:02 Uhr Kommentieren
Bis 2038 steigt Deutschland aus der Kohle aus. Quelle: dpa
Braunkohle-Tagebau Garzweiler

Bis 2038 steigt Deutschland aus der Kohle aus.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Braunkohleabbau ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Massengeschäft. Viele Millionen Tonnen Material müssen jedes Jahr von PS-starken Maschinen durch die deutschen Braunkohlereviere gehoben und verladen werden. Doch der Kraftakt hat ein Ablaufdatum: Bis 2038 steigt Deutschland aus der Kohle aus. Das stellt viele mittelständische Unternehmen wie Wasel, ein Schwertransport-Spezialist, vor eine Herausforderung.

Mit dem Abbruchunternehmen Hagedorn hat der Dienstleister für Schwerlastprojekte nun die Antwort auf diese Herausforderung gefunden. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, steigt die Hagedorn-Gruppe, die derzeit vor allem im Kraftwerks- und Industrierückbau tätig ist, als Eigentümer ein. Sie erweitert damit ihr Tätigkeitsfeld einerseits auf den Schwertransport und vergrößert andererseits ihr Know-how beim zukünftigen Rückbau von Kohleabbauanlagen.

„Durch den Kohleausstieg und die Energiewende ergibt sich für uns ein riesiges Potenzial, das wir in Zusammenarbeit mit Wasel besser und effizienter heben können“, sagte Geschäftsführer Thomas Hagedorn dem Handelsblatt: „Dabei haben wir in der Vergangenheit bei verschiedenen Projekten schon gut zusammengearbeitet. Das wollen wir intensivieren.“

Zusammen kommen beide Unternehmen künftig auf 1100 Mitarbeiter und auf Basis von 2020 auf einen Pro-forma-Umsatz von 365 Millionen Euro, wobei Wasel rund 60 Millionen Euro beisteuert. Der Fuhrpark vergrößert sich auf mehr als 1000 Fahrzeuge und Großgeräte. Mehr als 550 Kräne und 60 Zugmaschinen an elf Standorten im Rhein- und Ruhrgebiet wechseln den Besitzer. Über den Preis allerdings schweigen beide Parteien.

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    „Für uns war es wichtig, einen Käufer zu finden, der unseren Mitarbeitern eine Perspektive bietet“, sagt Thomas Wasel, der mit seinem Bruder Matthias die Geschäfte von Wasel weiterhin operativ führen wird. Denn ein Teil des Geschäftsmodells, so der Familienunternehmer, sei vom Kohleausstieg betroffen. „Durch den Zusammenschluss mit Hagedorn bietet sich die Möglichkeit, es weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen.“

    Bedarf an industriellem Rückbau steigt stetig

    Denn nicht nur der Kohleabbau selbst, auch der Rückbau verspricht, ein Kraftakt zu werden. So gehen allein bis 2023 in Deutschland 20 Kohlekraftwerke vom Netz. Auch in anderen Bereichen der Energiewirtschaft gibt es in den kommenden Jahren in Sachen Rückbau viel zu tun. Zum Beispiel bei der Windkraft: Wegen des steigenden Energiebedarfs müssen bis 2025 kleinere Windkraftanlagen zugunsten effizienterer, größerer Modelle abgebaut und recycelt werden.
    Den Rückbau solcher Anlagen kann Hagedorn dank des Zukaufs von Wasel aus nur einer Hand anbieten – vom Rückbau selbst bis zum Abtransport der dabei entstehenden Materialien. „Unsere Kunden haben durch den Zusammenschluss den Vorteil, alle Dienstleistungen von Abbruch bis Revitalisierung und Repowering aus einer Hand zu bekommen“, so Thomas Wasel.

    Dennoch blieben Hagedorn und Wasel zwei eigenständige Unternehmen, betont er: „Wobei es denkbar ist, dass wir in Zukunft gemeinsam Standorte nutzen können. Personalabbau ist dabei allerdings kein Thema – eher bauen wir Doppelstrukturen auf.“

    Mit Wachstum kennt sich Hagedorn aus: Seit der Gründung 1997 als Ein-Mann-Unternehmen mit nur einem Bagger hat sich die Gruppe zum mittlerweile fünftgrößten Abbruchunternehmen der Welt entwickelt. Dabei haben sich die Geschäftsfelder kontinuierlich erweitert – vom Abbruch über die Entsorgung bis zur Entwicklung neuer Nutzungskonzepte bietet das Unternehmen die gesamte Prozesskette an.

    Das Familienunternehmen erweitert mit der Übernahme von Wasel sein Geschäftsfeld. Quelle: Hagedorn
    Abrissbagger von Hagedorn

    Das Familienunternehmen erweitert mit der Übernahme von Wasel sein Geschäftsfeld.

    (Foto: Hagedorn)

    Zu den bisherigen Großprojekten von Hagedorn zählen beispielsweise die ehemaligen Steinkohlekraftwerke in Lünen und Dortmund beziehungsweise Castrop-Rauxel. Dabei übernahm der Konzern in Lünen nicht nur den Abbruch inklusive der Sprengung mehrerer Gebäude, sondern auch die Aufbereitung des Geländes für die Anschlussverwendung als Industrie- und Gewerbepark.

    Durch den Kauf von Wasel bindet sich Hagedorn auch enger an den Energiekonzern RWE, der den Transportdienstleister zu seinen strategischen Lieferanten im Bereich der Kraftwerks- und Tagebaulogistik zählt.

    „Wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll, werden wir das Tempo beim Strukturwandel deutlich anziehen müssen“, sagt Hagedorn: „Dafür braucht es starke Partner, die den Umbau von Industrie, Energie und Infrastruktur effizient und zuverlässig umsetzen können.“

    Vertrauensvolles Verhältnis

    Für Thomas und Matthias Wasel ist der Verkauf des Unternehmens nicht nur die Antwort auf eine strategische Herausforderung. Sie wollen so auch die Nachfolge sichern, nachdem sich ihre Töchter für eine berufliche Zukunft außerhalb von Wasel entschieden hatten.

    Mit Hagedorn hätten beide nun einen Partner gefunden, der es ihnen ermögliche, die Firma noch einige Jahre weiterzuentwickeln, so Matthias Wasel: „Eine konkrete Vereinbarung haben wir dazu nicht getroffen, das war wegen des vertrauensvollen Verhältnisses aber auch nicht nötig.“

    Auch die Hagedorns betonen die gute Atmosphäre bei den Verhandlungen, die im November begonnen hatten. Schon bei den ersten Gesprächen sei klar geworden, „die Unternehmen Hagedorn und Wasel teilen gemeinsame Werte“, sagt Barbara Hagedorn, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Ehemann führt und aufgebaut hat. Ihr Mann ergänzt: „Nur so lässt sich so ein Deal in der Kürze der Zeit durchziehen, wie wir es jetzt getan haben.“

    Nun geht es darum, die beiden Belegschaften schrittweise anzunähern – wobei sich zunächst einmal gar nicht so viel ändern soll. So habe bei der Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt, dass die Wasels zunächst als Geschäftsführer an Bord bleiben, wie Barbara Hagedorn betont. Wo nötig, soll es aber auch Anpassungen geben. „Es ist zum Beispiel denkbar, dass wir Benefits, die unsere Mitarbeiter genießen, auch auf Wasel ausweiten, wenn das gewünscht ist.“

    Das Familienunternehmen rüstet sich für die Zeit nach der Kohleförderung. Quelle: Hagedorn
    Barbara und Thomas Hagedorn

    Das Familienunternehmen rüstet sich für die Zeit nach der Kohleförderung.

    (Foto: Hagedorn)

    Dabei geht es beispielsweise um einen eigenen Physiotherapeuten, der den Mitarbeitern in der Hagedorn-Gruppe jederzeit zur Verfügung steht. Auch eine private Krankenzusatzversicherung zählt zu den Vorteilen, die die Belegschaft genießt – ebenso wie ein firmeninterner Friseur. Jobabbau sei dabei überhaupt kein Thema, so die Managerin: „Kostensenkungen haben in dem gesamten Prozess keine Rolle gespielt. Wir wollen Mitarbeiter aufbauen, nicht abbauen.“

    Dass die Arbeit ausgeht, braucht Hagedorn nicht zu fürchten. Denn neben dem Abbau von Kraftwerken und Industriegeländen kümmert sich die Firma auch um Verkehrsinfrastruktur. Allein in den kommenden zehn Jahren muss Deutschland hier 138 Milliarden Euro investieren, um seine Straßen und Brücken funktionsfähig zu halten. Die 550 Kräne und 60 Zugmaschinen von Wasel kommen da gerade recht.

    Mehr: Wie Roboter und Sensoren unsere Brücken und Tunnel retten sollen

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