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Hamburger Start-up Taxdoo löst komplizierte Steuerprobleme für Unternehmen – und sammelt 17 Millionen ein

Die Software von Taxdoo macht die Umsatzsteuererklärung für tausend Onlinehändler. Jetzt steigt ein namhafter US-Investor bei dem norddeutschen Start-up ein.
15.12.2020 - 11:14 Uhr Kommentieren
Die Taxdoo-Gründer haben nach Meinung von Experten die beste Umsatzsteuer-Software auf dem Markt entwickelt. Quelle: Taxdoo
Roger Gothmann (l.), Christian Königsheim (M.) und Matthias Allmendinger

Die Taxdoo-Gründer haben nach Meinung von Experten die beste Umsatzsteuer-Software auf dem Markt entwickelt.

(Foto: Taxdoo)

Düsseldorf Die globale Reichweite großer Onlinehandelsplattformen bringt kleinen Händlern viele Vorteile - und ein riesiges Problem: Sie müssen oft in verschiedenen Ländern ihre Umsatzsteuer erklären und dabei die jeweiligen Regeln befolgen. Selbst Steuerberater kommen dabei an ihre Grenzen, aber nicht so die drei Gründer von Taxdoo.

Der Umsatzsteuerexperte Roger Gothmann hat die Not der Unternehmer schon vor vier Jahren erkannt und mit Christian Königsheim und Matthias Allmendinger eine Software entwickelt, die den Krampf beendet. „In der Welt vor Taxdoo mussten Händler mit Excel-Tabellen jonglieren, wussten nicht, welcher Steuersatz auf eine Rechnung gehört und welche Daten man überhaupt im Ausland melden muss“, sagt Königsheim.

Mit Taxdoo müsste der Unternehmer im Grunde nur noch zahlen: „Wir sagen ihm, wo er heute steuerpflichtig ist, und erstellen jeden Monate alle Dokumente, die erforderlich sind, um sich in der gesamten EU konform mit den Umsatzsteuergesetzen zu verhalten.“

Die Steuerlösung für den europäischen E-Commerce-Markt hat sich bis zu US-Investoren rumgesprochen. Die kalifornische Risikokapitalgesellschaft Accel investiert zusammen mit dem Berliner Visionaries Club und 20VC aus London 17 Millionen Euro. Das gab die Firma am Dienstag bekannt. Es ist erste große Finanzierungsrunde für das Start-up, und sie sorgt für Aufsehen: Accel hat sich durch die frühe Finanzierung von Facebook einen Namen gemacht und aussichtsreiche Start-ups wie UiPath, Celonis und Personio im Portfolio.

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    Taxdoo könne ein neues Segment für Technologieunternehmen prägen, indem es „Verkäufern den Weg durch die Minenfelder von Steuern und Compliance erleichtert“, sagt Accel-Partner Harry Nelis, der das Unternehmen künftig im Aufsichtsrat beraten wird.

    Dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, haben die Taxdoo-Gründer bereits bewiesen. Mehr als tausend Kunden beziehen ihre Software laut Unternehmensangaben schon im Abo. Damit erzielen sie laut Königsheim einen „mittleren siebenstelligen Umsatz“ und erwirtschaften seit gut zwei Jahren Überschuss – ganz ohne bezahlte Werbung. Seit Anfang des Jahres ist die Firma von 25 auf 50 Mitarbeiter gewachsen.

    Wer verstehen will, warum Kunden von selbst zu Taxdoo kommen, muss Mark Steier fragen. Er betreibt eine Facebook-Gruppe für Onlinehändler mit fast 23.000 Mitgliedern und kennt ihre Sorgen. Schnell wird klar: Auf den ersten Blick sieht weltweiter Handel dank Digitalisierung ganz einfach aus. Tatsächlich sind die Anforderungen aber hochkomplex.

    „Für durchschnittliche Steuerberater nicht handhabbar“

    Schon der Verkauf eines einzelnen Produkts sei umsatzsteuerlich oft schwierig aufzudröseln, erklärt Steier: „Wenn ein deutscher Amazon-Händler seine Ware in Polen lagert und an einen belgischen Kunden verkauft, der die Ware zurückschickt, und Amazon die Retoure nach Polen über Tschechien abwickelt, dann muss der Vorgang in jedem dieser Länder sauber gemeldet werden.“ Und solche Vorgänge ereigneten sich fortlaufend.

    „Die umsatzsteuerliche Betrachtung jeder einzelnen Transaktion ist für einen durchschnittlichen Händler und auch für einen durchschnittlichen Steuerberater gar nicht zu leisten“, sagt Steier. Wer die Logistikdienstleistungen von Amazon nutze, könne oftmals nicht einmal genau sagen, wo seine Ware gerade liege. Die Sache wird noch komplexer, wenn weitere Plattformen und der eigene Onlineshop hinzukommen.

    Zu ähnlichen Ergebnissen ist Visionaries-Club-Partner Robert Lacher gekommen. Bei Recherchen traf er auf Unwissen, Angst vor der Steuerprüfung und horrende Ausgaben: „Ein Onlinehändler mit 75 Millionen Jahresumsatz zahlt 25.000 Euro pro Monat, damit eine Wirtschaftsberatung für ihn europaweit die Umsatzsteuer erklärt“, sagt Lacher.

    Taxdoo kann den Service billiger bieten. Paketangebote für verschiedene Länder kosten mehrere Hundert Euro pro Monat. Einmal aufgesetzt, entsteht bei der Softwarelösung pro Kunde wenig zusätzliche Arbeit. „Die Gründer von Taxdoo sind auf eine Goldmine gestoßen“, sagt Lacher. Er geht von 500.000 Händlern aus, die in Europa über Onlinehandelsportale Produkte verkaufen.

    Potenzielle Kunden sieht er auch im Mittelstand: „Stihl verkauft jetzt seine Sägen online, Viessmann seine Heizungen“, sagt Lacher – es sei auch für solche Firmen interessant, wenn sie gleich mit einer Spezialsoftware starten könnten und keine eigene Lösung suchen müssten.

    Die Taxdoo-Software kann unter anderem für den Vertrieb über Amazon, Ebay und eigene Onlineshops auf Basis des Softwareanbieters Shopify genutzt werden – und zwar „plug and play“, wie Lacher sagt: „Einfach runterladen, verknüpfen, dann läuft die Sache.“

    „Ganz sichere Bank für die Onlinehändler“

    Überzeugt hat die Investoren auch die Expertise der Gründer, die sich während der Promotion kennengelernt haben und sich den Geschäftsführerposten teilen. Gothmann hat seine Karriere als Umsatzsteuer-Sonderprüfer im Finanzamt begonnen und jahrelang im Bundeszentralamt für Steuern EU-weit Umsatzsteuerthemen koordiniert.

    Der Experte gibt Unternehmern auch in einem Steuerblog immer wieder hilfreiche Tipps. Allmendinger und Königsheim haben ihre Doktorarbeiten zur wissenschaftlichen Analyse von Daten und zur Analyse großer Datenmengen geschrieben.

    „Taxdoo ist eine ganz sichere Bank für die Onlinehändler“, lobt auch E-Commerce-Experte Steier. Die Investoren nennen etwa Clearvat und Hellotax als Konkurrenten. Aber Steier ist skeptisch: „Faktisch gibt es andere Unternehmen, die diese Services auch anbieten. Praktisch ist es so, dass diese häufig in der Kritik stehen.“

    Händler beschwerten sich, dass sie teilweise hohe Nachzahlungen oder Strafzahlungen in den jeweiligen Ländern zahlen müssen – nur über Taxdoo habe es solche Klagen bisher nicht gegeben.

    In der Zusammenarbeit mit vielen E-Commerce-Pionieren habe Accel beobachtet, „dass die Möglichkeiten des Online-Verkaufs rasant gestiegen sind, aber die erforderliche Technologie zur Einhaltung von Steuer- und Buchhaltungsvorschriften einfach nicht Schritt gehalten hat“, sagt Harry Nelis.

    Und der europäische Markt berge spezifische Herausforderungen rund um die EU-Regulierung, die Fragmentierung der lokalen Märkte, Sprachbarrieren und andere Komplexitäten. So kann die Software mittelfristig nicht nur für US-Investoren, sondern auch Händler interessant werden.

    Mehr: Der nächste Klon von Thrasio: Investoren und SellerX wollen Amazon-Händler zu Millionären machen.

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