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Hans Georg Näder Ottobock-Chef feiert den 100. Geburtstag des Medizintechnik-Unternehmens

Mit prominenten Gästen feiert der Ottobock-Chef das Firmenjubiläum. Doch bei aller Feierlaune kreisen die Gedanken um das Geschäftsmodell der Zukunft.
14.02.2019 - 17:15 Uhr Kommentieren
Der Ottobock-Chef überlegt derzeit, wie er sein Führungsteam am Unternehmen beteiligen kann. Quelle: Malte Jaeger/laif
Hans Georg Näder

Der Ottobock-Chef überlegt derzeit, wie er sein Führungsteam am Unternehmen beteiligen kann.

(Foto: Malte Jaeger/laif)

Berlin Hans Georg Näder hat nur noch drei Tage Zeit, um eine wichtige Frage zu klären. Wie viele Menschen hat er in der Vergangenheit eigentlich wieder auf die Beine gebracht?

So schwer sei die Rechnung gar nicht, sagt der Eigentümer von Ottobock, einem der größten Medizintechnikkonzerne der Welt. Er müsse sich nur die Zeit nehmen und nachschauen, wie viele Fußprothesen er pro Jahr herstellen lässt. Und das dann hochrechnen. Zu jedem Fuß gehöre schließlich ein Patient. So einfach ist das. Näder schätzt, dass es Millionen Menschen sind, denen Ottobock geholfen hat. Und deren Lebensqualität er wieder verbessert hat.

Am Montag beim Festakt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums, kann Näder die imposante Zahl dann seinen Ehrengästen verkünden. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist extra in die niedersächsische Provinz, auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich angekündigt. Nach einem Gottesdienst geht es ins Rathaus in Duderstadt. Anschließend eröffnet Näder eine Ausstellung in der Kunsthalle seiner Heimat.

Der 57-Jährige freut sich auf den Auftritt auf der großen Bühne. Er ist stolz darauf, was seine Familie in 100 Jahren geschaffen hat. Sein Großvater gründete die Firma 1919, um Kriegsversehrte des Ersten Weltkriegs mit Prothesen zu versorgen. Später übernahm sein Vater. Und schon mit 28 Jahren wurde Hans Georg Näder Chef der Firma.

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    Heute ist Ottobock ein weltumspannendes Unternehmen mit rund 7.000 Mitarbeitern. In diesem Jahr soll der Umsatz erstmals bei einer Milliarde Euro liegen. Näders Erklärung für das stetige Wachstum klingt simpel: Wo der Wohlstand steigt, da steigt eben auch der Wunsch nach mehr Lebensqualität.

    Doch mit der Erkenntnis ist er längst nicht alleine. Es gibt starke Konkurrenten, Großkonzerne wie auch Start-ups. Diese nutzen die Digitalisierung, die Erkenntnisse aus Robotik, Bionik und die Künstliche Intelligenz für sich. Der Markt ist riesig, denn noch immer gibt es in Schwellenländern unzählige Menschen, die sich bislang keine Prothesen leisten konnten.

    Und auch hierzulande schreitet die Entwicklung voran. Der isländische Konzern Össur hat einen elektronischen Prothesenfuß inklusive Stolperschutz hergestellt. Start-ups wie Vincent Systems bringen Hightech-Handprothesen auf den Markt. Und Google und Apple arbeiten gar an der Entwicklung von Cyborgs. Näder weiß, dass Ottobock nicht den Anschluss verlieren darf. „Schon heute verschmelzen Mensch und Computer miteinander“, sagt Näder. „Das alles ist ja keine Science-Fiction, sondern Realität.“

    Ottobock erleichtert Autobauern das Arbeiten

    Näder konzentriert sich derzeit auf die Industrie. Ottobock hat ein sogenanntes Exoskelett entwickelt, das die Arbeit über Kopf einfacher machen soll. Volkswagen testete in seinem Werk in Bratislava, wie praktisch die Modelle sind, die Arbeiter sich wie einen Rucksack aufsetzen. Mit einer Seilzugtechnik wird das Gewicht der Arme auf die Hüfte abgeleitet. Das soll dem körperlichen Verschleiß bei der Arbeit am Fließband vorbeugen.

    Näder kann sich das Modell „Paexo“ in Zukunft nicht nur bei VW, sondern auch in Flugzeug- und Schiffswerften vorstellen. „Die Arbeitswelt der Zukunft wird eine ganze andere sein, als wir es gewohnt sind“, sagt Patrick Schwarzkopf vom VDMA-Fachverband Robotik und Automation. „Mensch und Maschine kommen sich immer näher. Körpernahe Technologie macht Arbeitsplätze künftig attraktiv.“ Und Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, haben großes Potenzial.

    Der Erfolg von Ottobock hat viel mit der Person Hans Georg Näder zu tun. Er ist es, der Visionen, Mut und Ideen hat. Der mit seinem hohen Tempo aber auch Mitarbeiter überfordern kann. Näder ist ein extrovertierter Mensch. Mit seinem Lockenkopf, der immer irgendwie ungekämmt aussieht, und seinem bunten Schal um den Hals fällt er auf. Er ist jemand, dem es nicht peinlich ist, die Gründe seiner abgesagten Hochzeit mit einem deutlich jüngeren Model öffentlich bekanntzugeben. Auch wenn Näder sagt, dass er nicht polarisieren will: Er tut es.

    Der Mann zählt nach Angaben des US-Magazins „Forbes“ heute zu den 1000 reichsten Menschen der Welt. Ihm gehört ein Museum, eine Galerie, eine Brauerei und die Firma Baltic Yachts, ein finnischer Hersteller von Hightech-Segeljachten. Vor ein paar Jahren ist Näder aus der CDU ausgetreten und der FDP beigetreten. Er unterstützt die Partei finanziell – „weil das ja auch irgendwer tun müsse“, wie er sagt.

    Auf dem Areal einer denkmalgeschützten Industrieruine in Berlin lässt er gerade für 40 Millionen Euro ein „Zukunftslabor für Medizintechnik“ entstehen. Die Kreativen zieht es nicht nach Duderstadt, sie wollen in Berlin bleiben. „Ich schätze Näder wegen seiner hohen sozialen Kompetenz, er hat immer auch einen Blick für die, die nicht so auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, sagt Joachim Löw dem Handelsblatt. Der Fußball-Bundestrainer kennt den Unternehmer seit vielen Jahren.

    Näder hat sich immer mehr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist Vorsitzender des Verwaltungsrats – der Kopf des Konzerns. 80 Prozent des Unternehmens gehören ihm, der Rest dem Finanzinvestor EQT. „Ab 2020 ist Ottobock börsenfähig, dann warten wir den richtigen Moment ab“, sagt Näder.

    Familienfremder CEO eingestellt

    Um sein Familienunternehmen börsenreif zu machen, hat er sich vor gut einem Jahr dazu entschieden, einen familienfremden CEO einzustellen. Zunächst nur mit mäßigem Erfolg. Oliver Scheel, der von der Unternehmensberatung AT Kearney kam, blieb nicht lange. Es habe kulturell nicht gepasst, heißt es aus dem Unternehmen.

    Für ihn übernahm kürzlich der bisherige Finanzvorstand Philipp Schulte-Noelle, der Sohn des langjährigen Allianz-Vorstandschefs Henning Schulte-Noelle. Und das klappt diesmal so gut, dass Näder gerade überlegt, wie er seine Führungsmannschaft am Unternehmen beteiligen kann. Der Bindung wegen. Und auch, um die Kontinuität zu wahren.

    Denn seine beiden Töchter, die vierte Generation, hat andere Pläne. „Julia und Georgia werden nicht dieselbe operative Verantwortung übernehmen wie ich“, sagt Näder ganz deutlich. Auch zum Schutz der beiden. Das Unternehmen habe mittlerweile eine Größe erreicht, die sich nicht mehr so einfach handeln lasse, sagt er. Georgia, 21 Jahre alt, sitzt heute im Aufsichtsrat, Julia, 28, engagiert sich in der Stiftungsarbeit der Familie.

    Streit darüber gab es in der Familie nicht. Obwohl Näder auch das nicht fremd ist. Einmal, da habe er sich mit seinem Vater gestritten, als es um die Qualität von Schrauben ging. Da flogen zu Hause richtig die Fetzen, erinnert sich Näder. Seine Mutter habe erst eine Kaffeetasse zerschlagen, später dann ein Nudelholz über seinen Kopf und über den Rücken des Vaters gezogen. Und schließlich ist sie in den „Mittagessen-Streik“ getreten.

    Zum Glück sei er nicht nachtragend, sagt Näder rückblickend. Sein Vater und er hätten sich immer schnell wieder versöhnt.

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