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Hans Jürgen Kalmbach Dieser Schwarzwälder leitet die Expansion von Hansgrohe

Hans Jürgen Kalmbach führt den Armaturenhersteller seit dem Sommer des vergangenen Jahres. Auf einer Welttournee präsentiert er nun die neue Premium-Linie fürs Bad.
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Mit Wasserhähnen auf Welttournee. Quelle: Hansgrohe SE
Hans Jürgen Kalmbach

Mit Wasserhähnen auf Welttournee.

(Foto: Hansgrohe SE)

London Frankfurt, Schanghai, London, Las Vegas – Hans Jürgen Kalmbach ist gerade auf Welttournee. Im Londoner Institute of Contemporary Arts stellt der Vorstandsvorsitzende des deutschen Armaturenherstellers Hansgrohe am Mittwochmorgen die neue Premium-Linie fürs Bad vor.

Der Blick aus den hohen Sprossenfenstern geht auf die Mall, wo sich sonst die Royals bejubeln lassen. Drinnen sind die Wasserhähne der Kollektion Axor Edge ausgestellt. Modern, kantig, minimalistisch sehen sie aus. Doch sie wirken auch in der klassizistischen Umgebung nicht fehl am Platz. Bei der Formgebung habe er sich von zwei Design-Klassikern, der Chanel-Parfümflasche und dem Dupont-Feuerzeug, inspirieren lassen, erzählt Star-Designer Jean-Marie Massaud beim Frühstück mit Avocado-Toast.

Der Franzose entwirft seit 15 Jahren die Armaturen für Hansgrohes Luxusmarke Axor. Die Entwicklung der neuen Kollektion hat fünf Jahre gedauert, für die Fabrik am Firmensitz im schwäbischen Schiltach wurden extra neue Maschinen angeschafft. Die Präzisionstechnik stamme aus der Raumfahrtbranche, schwärmt Kalmbach.

Der 45-Jährige führt den Mittelständler seit August 2018. Er ist ein Eigengewächs, fing gleich nach dem BWL-Studium an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen in dem Familienunternehmen an. Der zweifache Vater ist bodenständig geblieben, bis heute lebt er an seinem Geburtsort Freudenstadt.

Die Familie Grohe ist nicht mehr ins operative Geschäft eingebunden, sie hält aber noch 32 Prozent an der Firma und ist im Aufsichtsrat vertreten. Die anderen 68 Prozent gehören der US-Holding Masco im Bundesstaat Michigan. Man habe das Glück, zwei stabile Anteilseigner zu haben, sagt Kalmbach. Das stelle sicher, dass die Firma langfristig wie ein Familienunternehmen agiere.
Der Familienpatriarch Klaus Grohe, Sohn des Gründers Hans Grohe, wohnt immer noch in der Nähe der Zentrale und lässt sich ab und zu in den Gängen blicken – nicht zuletzt, weil der begeisterte Radfahrer an den neuesten Tour-de-France-Trikots interessiert ist. Hansgrohe sponsert ein eigenes Team und schaltet Dusch-Werbespots mit Radprofi Peter Sagan. Auch zwei der vier Grohe-Söhne, Richard und Philippe, besuchen die Firma noch regelmäßig. Richard führt inzwischen die familieneigene Beteiligungsgesellschaft in Frankfurt.

Kalmbach hat ein wachsendes Unternehmen übernommen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf 1,1 Milliarden Euro und der Gewinn auf 136 Millionen Euro. Der wichtigste Markt ist immer noch Deutschland, dort erwirtschaftet die Firma ein Fünftel des Umsatzes. Danach folgen China und die USA. China hole schnell auf, in wenigen Jahren werde das Land der größte Absatzmarkt sein, sagt Kalmbach.

Gaggenau-Küche und Axor-Bad – das ist eine gängige Kombination in Besserverdiener-Haushalten rund um die Welt. Mit der neuen Produktlinie will Kalmbach vor allem im Ausland die Nachfrage ankurbeln. „Designernamen wie Massaud sind wichtig im Luxusmarkt“, sagt er. „Made in Europe“ bleibe ein entscheidendes Verkaufsargument in Asien und Amerika. Hansgrohe arbeitet regelmäßig mit fünf großen Namen aus Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zusammen.

Um keine Entwicklung zu verpassen und mit Nachwuchstalenten im Gespräch zu bleiben, hat die Firma Anlaufstellen für Designer in Schanghai, Amsterdam, Istanbul und London eingerichtet. Allein im Londoner Hipster-Stadtteil Clerkenwell sind zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Die Premiummarke Axor steuert rund ein Fünftel des Umsatzes bei, der große Rest wird mit der Hauptmarke Hansgrohe erzielt. In Bezug auf die Exklusivität könne man die beiden Marken mit Mercedes und Porsche vergleichen, sagt Kalmbach. Manche Hotels wählten Hansgrohe für die Zimmer und Axor für die Suiten.

Marke für Entwicklungsländer vorstellbar

Der teuerste Wasserhahn kostet 1 200 Euro. Gegen Aufpreis sind auch Maßanfertigungen möglich, etwa eingravierte Initialen oder Hotel-Logos. Hansgrohe stattet weltweit Hotelketten wie Marriott und Hilton aus, auch in Luxusresidenzen sind die Armaturen gefragt. Für die Zukunft kann Kalmbach sich eine neue, preiswertere Marke für Entwicklungsländer vorstellen. In vielen Ländern könne man nicht 50 Euro für einen Wasserhahn verlangen, sagt er.

Einer der stärksten Wettbewerber kommt ausgerechnet aus der eigenen Familie. Die Grohe AG aus dem sauerländischen Hemer wurde einst von Klaus Grohes Bruder Friedrich begründet. Er wollte der Enge am Familiensitz im Schwarzwald entkommen.

Heute sind beide Firmen weltweit im gleichen Markt aktiv. „Die Verwechslungsgefahr ist groß“, räumt Kalmbach ein. Das sei von Vor- und Nachteil zugleich. Man profitiere gegenseitig von der Bekanntheit des Namens, werde aber auch in Mitleidenschaft gezogen, wenn es beim anderen nicht gut laufe. Die Rivalität erinnert an die eines anderen deutschen Familienduells: und zwar zwischen den Sportartikelherstellern Adidas und Puma, die von den Brüdern Adolf und Rudolf Dassler gegründet wurden.

Mit Prognosen für 2019 bleibt Kalmbach vorsichtig. Wegen der Abkühlung der Weltkonjunktur erwartet er nur moderates Wachstum. Bodenständig eben.

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