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Hans-Jürgen Mundinger Dieser Mittelständler macht Hochgeschwindigkeitszüge erst möglich

Goldschmidt gehört mit seiner vor 125 Jahren patentierten Technik zur Weltspitze. Selbst Chinas Hochgeschwindigkeitszüge fahren damit.
13.03.2020 - 14:13 Uhr Kommentieren
Die Bahnen fahren auch dank Technik von Goldschmidt Thermit. Quelle: AFP
Hochgeschwindigkeitszug in China

Die Bahnen fahren auch dank Technik von Goldschmidt Thermit.

(Foto: AFP)

Leipzig Hans-Jürgen Mundinger ist gerade aus Indien zurück. Besuch beim Joint-Venture-Partner. „Solche Traditionen müssen gepflegt werden“, sagt er. Immerhin sei es eines der ältesten deutsch-indischen Gemeinschaftsunternehmen. Mundinger ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Goldschmidt in Leipzig.

Das Familienunternehmen ist weltweit beim Schweißen von Bahnschienen aktiv. Nach Mundingers Worten geht es dabei nicht immer nur ums Geschäft. „Führen mit Herz, nicht nur mit Management“ definiert er den Firmengeist.

„Smarte Lösungen für die Schiene“ lautet der neue Claim der Gruppe mit 24 Werken und Niederlassungen in aller Welt. 1300 Mitarbeiter erwirtschaften rund 195 Millionen Euro Umsatz. Goldschmidt schmilzt seit 125 Jahren Schienenstöße zusammen.

Die von Karl Goldschmidt am 13. März 1895 patentierte Thermit-Technologie wird weltweit angewandt. Goldschmidts Technik beendete das Rattern der Räder, die früher alle 15 Meter über eine Nahtstelle zwischen zwei Schienen rumpelten.

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    Die Thermit-Schweißtechnik steigerte den Fahrkomfort erheblich. Ohne nahtlos verbundene Schienen wären heute keine Hochgeschwindigkeitszüge denkbar, die mit mehr als 300 Stundenkilometern perfekt verlegte Gleise brauchen. So hat die deutsche Firma Goldschmidt auch Tausende Kilometer Highspeed-Strecken in China zusammengefügt.

    Natürlich haben Pekings Staatsbahner nicht in Leipzig angerufen. Eine „glückliche Fügung“ sei sehr hilfreich gewesen. Ein junger Ingenieur aus China studierte in Karlsruhe, arbeitete bei Goldschmidt und machte sich dann in seiner Heimat selbstständig. Für Goldschmidt der Türöffner zu einem großen Geschäft.

    Das Patent für das Thermit-Verfahren ist längst abgelaufen. Trotzdem gibt es laut Mundinger weltweit kaum Konkurrenz, nur ein Unternehmen in Frankreich. Andere, auch in China, versuchten es mit Nachahmung. Aber das Thermit-Verfahren sei eben „ein Prozess, den man nicht so einfach kopieren kann“.

    Bewegte Geschichte

    Deshalb investiert Goldschmidt weltweit in Niederlassungen mit eigenen Mitarbeitern. Zuletzt in Russland, wo die Leipziger nach langem Ringen um den Großauftrag 80.000 Schadstellen an der „Eisernen Seidenstraße“ reparierten. „Vorher fuhren die Güterzüge im Schnitt mit zehn Kilometer pro Stunde, heute mit Tempo 60“, erzählt er.

    Die Spezialfirma hat eine bewegte Geschichte. Sie gehörte zum Reich der Chemischen Fabrik Th. Goldschmidt, die Ende der 1990er-Jahre vom Viag-Konzern (heute Eon) übernommen wurde. Familie Goldschmidt kaufte die Schienentechnik aus diesem Paket zurück und ergänzte das Beteiligungsportfolio der Vermögensverwaltung Goldschmidt aus Essen 2011 um Automobilzulieferer Powder Metal Group PMG aus Füssen.

    „Der Bahnverkehr spielt eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaziele.“
    Hans-Jürgen Mundinger

    „Der Bahnverkehr spielt eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaziele.“

    Die Leipziger Goldschmidt-Gruppe selbst ist allerdings auch nicht beim Schweißen stehen geblieben. Vor gut einem Jahrzehnt wurde das Geschäft ausgeweitet zum Prüfen und Messen. So profitiert die Firma von der weltweiten Renaissance der Eisenbahn. „Der Bahnverkehr spielt eine Schlüsselrolle beim Erreichen der Klimaziele. Moderne Schienensysteme müssen reibungslos funktionieren und benötigen eine maßgeschneiderte vorausschauende Wartung und Pflege“, sagt Mundinger.

    Das Unternehmen kaufte unter anderem einen schwedischen Hersteller von sogenannten Zweiwegefahrzeugen. Das sind spezielle Lkws, die auch auf Gleisen verkehren können und die für Reparaturen gebraucht werden. Neueste Entwicklung ist ein Fahrzeug zur Brückeninspektion für die italienische Staatseisenbahn.

    Das, wirbt der Goldschmidt-Chef, wäre eigentlich auch ein ideales Fahrzeug für die Deutsche Bahn. Der Staatskonzern muss nämlich 25.000 Brücken ständig unter Kontrolle halten und Hunderte davon jährlich sanieren. Geld dafür gibt es jetzt genug: Ein 86-Milliarden-Euro-Paket steht bis 2030 zur Sanierung des Eisenbahnnetzes in Deutschland zur Verfügung.

    Mehr: Thailands Hähnchen-Milliardär baut jetzt auch High-Speed-Züge – mit Siemens

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