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Hartmut Falter und Michael Busch Brüder im Geiste – Chefs von Mayersche und Thalia vereinen sich im Kampf gegen Amazon

Die Gesellschafter von Thalia und Mayerscher wollen den Kampf gegen Amazon künftig gemeinsam bestreiten. Deshalb verschmelzen sie ihre Buchhandelsketten.
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Aus Liebe zum Buch. Quelle: John M. John / www.johnmjohn.de / Thalia / Mayersche
Hartmut Falter (links) und Michael Busch

Aus Liebe zum Buch.

(Foto: John M. John / www.johnmjohn.de / Thalia / Mayersche)

Düsseldorf Es war ein langer Anlauf. „Seit 20 Jahren haben wir uns immer wieder unterhalten“, sagt Thalia-Chef Michael Busch, „aber wir haben auch immer wieder gute Gründe dafür gefunden, selbstständig zu bleiben.“ Doch vor wenigen Monaten wurde es ernst: Hartmut Falter, Eigentümer und Chef der Mayerschen Buchhandlung, fragte beim Konkurrenten nach, ob es nicht doch sinnvoller sei, enger zusammenzuarbeiten.

Und da die beiden sich duzen und sehr schätzen, machten die Gespräche rasch Fortschritte. Herausgekommen ist nicht nur eine Kooperation, sondern ein rechtlicher Zusammenschluss der beiden Buchhandelsunternehmen. „Es ist ein Zusammengehen auf Augenhöhe“, betont Manuel Herder, Eigentümer des Herder-Verlags und Mehrheitsgesellschafter von Thalia.

Wenn das Kartellamt zustimmt, wird der Gesellschafterkreis von Thalia, bestehend aus den Familien Herder, Kreke, Busch und Göritz, um die Familie Falter erweitert. Hartmut Falter soll als Mitglied der Geschäftsleitung von Thalia weiterhin die Mayersche KG führen.

Das bedeutet allerdings: Die Mayersche Buchhandlung verliert 200 Jahre nach ihrer Gründung ihre Selbstständigkeit. Um diesen Kulturschock auch für die Mitarbeiter abzufedern, soll die Marke Mayersche erhalten bleiben – zunächst jedenfalls.Ob das auf Dauer so bleibt, ist unklar.

„Die Diskussion darüber haben wir zurückgestellt“, sagt Falter. „Die Marke ist ein sehr sensibles Thema“, weiß auch Busch, dessen Unternehmen Thalia in diesem Jahr immerhin auch schon das 100. Jubiläum feiert.

Die Chancen stehen gut, dass die Kooperation funktioniert. Arbeiten die Unternehmen doch schon erfolgreich zusammen in der E-Book-Allianz Tolino. Die hatte Thalia 2013 mitgegründet, die Mayersche war 2015 beigetreten. Gemeinsam bieten sie dort mit einer deutschen Branchenlösung dem US-Pionier Kindle Paroli.

Bekenntnis zum Buchladen vor Ort

Auch am Verhältnis der beiden operativen Chefs dürfte es nicht scheitern, sind sie doch so etwas wie Brüder im Geiste. Beide sind promovierte Wirtschaftswissenschaftler, die wissen, wie man ein Unternehmen führt. Beide sind 54 Jahre alt. Aber was sie noch mehr eint, ist ihre Liebe zum Buch – und ihr Bekenntnis zum stationären Buchhandel.

„Es wird durch den Zusammenschluss keine Buchhandlung geschlossen“, erklärt Busch kategorisch. Und Falter ergänzt: „Für den Kunden zählt die Qualität in der Buchhandlung vor Ort, und da entscheidet sich der Erfolg.“

Selbstverständlich ist dieses Festhalten an der Filiale nicht – auch wenn Falter seine Dissertation über den „Wettbewerbsvorteil von Filialbetrieben“ geschrieben hat. Denn die Branche entwickelt sich alles andere als dynamisch. So ist der Umsatz im stationären Buchhandelsgeschäft 2018 von 5,3 Milliarden Euro um 0,6 Prozent geschrumpft, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag bekannt gab.

Es wird keine Buchhandlung geschlossen. Michael Busch, Chef von Thalia

Das ist zwar ein etwas sanfterer Rückgang als im mageren Jahr 2017, als der Markt um drei Prozent schrumpfte. Doch selbst wenn man den E-Commerce inklusive des großen Konkurrenten Amazon dazurechnet, kam der deutsche Buchmarkt 2018 nur auf ein hauchdünnes Plus von 0,1 Prozent.

Und so ist der Zusammenschluss von Thalia und Mayerscher weniger eine Liebesheirat als letztlich ein Abwehrbündnis gegen den US-Riesen, der die deutschen Buchhändler das Fürchten gelehrt hat. Von einem „asymmetrischen Wettbewerb“ spricht Busch angesichts der Finanzkraft von Amazon, ohne den US-Konzern beim Namen zu nennen. „Wir sind als Mittelständler nur wettbewerbsfähig, wenn wir starke Allianzen bilden.“

Thalia bringt 300 Filialen in Deutschland und Österreich und einen 50-Prozent-Anteil an den mehr als 30 Buchhandlungen unter der Marke Orell Füssli in der Schweiz ein. Die Mayersche hat eher einen Schwerpunkt mit 55 Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz. Daneben betreibt sie aber auch die Shop-Lösung „Best of Books“, die Buchregale in Supermärkten und Drogerien betreibt und Handelsketten wie Rossmann, dm, Real und Edeka zu ihren Kunden zählt.

Buchhandlungen müssen um jeden Leser kämpfen

Falter und Busch sehen den Vorteil ihres Zusammenschlusses darin, dass beide Unternehmen sehr komplementär aufgestellt seien. Es sei ein „Aufbruch in neue Dimensionen“.

Anja Bergmann, Regionaldirektorin NRW des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hatte den Erfolg der Mayerschen noch vor Kurzem so erklärt: Sie könne im Gegensatz zu großen Filialisten als Familienunternehmen flexibel und schneller agieren. Nun müssen Falter und Busch beweisen, dass dies auch im großen Maßstab mit fast 400 Geschäften und dann zusammen fünf Unternehmenszentralen in fünf verschiedenen Städten noch gelingt.

„Wir setzen ein Signal für die Zusammenarbeit in der Branche“, sagt Verleger Manuel Herder, dessen Familie auch nach der Transaktion die Mehrheit halten wird. „Es ist der richtige Schritt von Unternehmerfamilien, ein Zeichen des Aufbruchs gegen die Marktmacht globaler Onlinehändler und für die innerstädtische Lesekultur zu setzen.“

Die Buchhandlungen müssen in der Tat um jeden Leser kämpfen, droht das Lesen in Deutschland doch immer mehr aus der Mode zu kommen. Allein in den vergangenen fünf Jahren verlor die Branche nach Daten des Börsenvereins des Buchhandels rund 6,4 Millionen Kunden. Die Zahl der verkauften Bücher ging in den vergangenen zehn Jahren um 37 Millionen auf 367 Millionen zurück.

Thalia wirbt seit dem vergangenen Jahr mit einer Kampagne unter dem Slogan „Welt, bleib wach!“ für die Lust am Lesen. Die Kette hat das Bezahlen per Tablet-PC in den Filialen eingeführt, will große Buchhandlungen mit Cafés ausstatten und Abholstationen anbieten, die rund um die Uhr geöffnet sind.

Die Mayersche hat Buchautomaten aufgestellt, um die Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten zu erreichen. Solche Innovationen sollen künftig gemeinsam vorangetrieben werden.

Doch trotz aller Kooperationsbereitschaft war eins von Anfang an klar: Die Familie Falter wollte ihr Stammhaus in Aachen unbedingt behalten und selber führen. Deswegen wird diese Buchhandlung rechtlich ausgegliedert. Falter will in ihr auch künftig neue Ideen ausprobieren und sie so zum „Versuchslabor für die gesamte Gruppe machen.“ Damit das Lesen nicht ganz aus der Mode kommt.

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