Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Haushaltswarenproduzent Tüftler am Werk: Warum Wenko jedes Jahr Hunderte neue Produkte auf den Markt bringt

Die Wenko-Geschäftsführer suchen immer nach neuen Ideen. Und die liefert nicht nur das Entwicklungsteam – Anstöße kommen aus der gesamten Belegschaft.
09.08.2021 - 12:05 Uhr Kommentieren
Rund drei Millionen Euro investiert Wenko jährlich in die Entwicklung von Produktinnovationen, die ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Foto: Wenko
Wenko-Produkte

Rund drei Millionen Euro investiert Wenko jährlich in die Entwicklung von Produktinnovationen, die ein Drittel des Umsatzes ausmachen.

Foto: Wenko

Düsseldorf Als die Flut über Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hereinbricht, ist man auch beim Hildener Haushaltswarenproduzenten Wenko in Sorge: Der Stammsitz ist zwar nicht betroffen. „Aber direkt am ersten Tag nach den extremen Wetterkapriolen fehlten zwölf Prozent der Mitarbeiter in unserem Logistikzentrum in Hückelhoven“, sagt Geschäftsführer Niklas Köllner. Auch Spediteure aus Erftstadt fallen aus.

Bad-Accessoires, Küchenhelfer, Hauswirtschafts-, Wohn- und Heimwerkerartikel bleiben im Lager, Handelspartner müssen informiert werden über „unabsehbare Verzögerungen bei einem Teil der Lieferungen“.

Wovon das Unternehmen in dieser Lage profitiert: Es existiert ein Notfallplan – und der hatte bereits zu Anfang der Coronakrise gut funktioniert. Denn Hückelhoven liegt direkt neben Heinsberg, dem ersten Corona-Hotspot in Deutschland. Notfallmeetings wurden – damals wie auch jetzt – auf die Schnelle anberaumt, Einsatzpläne und Schichten der Mitarbeiter spontan angepasst, um den Schaden gering zu halten.

Die eigenen Produkte wurden zum Helfer in der Not: Aus Bügelbrettbezügen entstanden Masken für die Belegschaft. Und Wandseifenspender plus Halterungen für Desinfektionsmittel kamen pünktlich zur zweiten Welle auf den Markt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Flexibel auf aktuelle Situationen zu reagieren, darauf hat sich Wenko schon länger eingestellt: „Vorausschau war uns immer wichtig“, sagt Niklas Köllner, der mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Philip das Unternehmen seit acht Jahren in dritter Generation leitet.

    Start mit Bügelbrettbezug

    1959 hatte seine Großmutter Maria Köllner mit ihrem ersten Ehemann Wietze Wenselaar Wenko gegründet – auf Basis eines einzigen Produkts: des ersten metallisierten Bügelbrettbezugs, den die beiden entwickelt hatten, um die Hausarbeit zu erleichtern. Erst knapp zehn Jahre später wurde das Sortiment auf allgemeine Haushaltswaren ausgeweitet. Mittlerweile umfasst es rund 6000 Produkte. So wuchs mit den Jahren auch die Anzahl der Mitarbeiter.

    Als der heute 44-jährige Niklas Köllner nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und dem BWL-Studium an der European Business School (EBS) vor 19 Jahren ins Familienunternehmen eintrat, kannte er noch jeden Angestellten persönlich. Bei aktuell 550 Mitarbeitern sei das aber nicht mehr möglich, sagt er.

    Die beiden Brüder leiten das Unternehmen seit acht Jahren in dritter Generation. Foto: Wenko
    Philip und Niklas Köllner (rechts)

    Die beiden Brüder leiten das Unternehmen seit acht Jahren in dritter Generation.

    Foto: Wenko

    Doch wie bei den Wenko-Produkten zählt auch hier der Pragmatismus: Also setzt sich der Firmenchef bei so manchem Vorstellungsgespräch mit in die Runde. Und nicht nur das: Erst kürzlich trat Niklas Köllner bei RTL als „Undercover Boss“ auf. „Das war spannend, auch um Verbesserungen im Unternehmen anzugehen und Prozesse zu optimieren.“ Aber er gibt auch zu, dass es ein willkommenes Marketinggeschenk gewesen sei.

    Als eingefleischter Vertriebler wünscht sich Niklas Köllner Mitarbeiter, die Trends für neue Produktideen aufgreifen und die Internationalisierung vorantreiben. „In zwei bis drei Sprachen sollten Bewerber schon firm sein“, findet er. Denn der Export ist ein wichtiges Standbein neben dem stationären Handel und dem immer stärker wachsenden Versandhandel und E-Commerce.

    Haushaltsaufrüstung im Lockdown

    Mittlerweile hat der Distanzhandel bei Wenko einen Umsatzanteil von 40 Prozent. Der Gesamtumsatz hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Gerade in der Coronakrise hat Wenko profitiert. Zwar ist der Gesamtmarkt für Glas, Porzellan, Keramik (GPK) und Hausrat 2020 um 2,3 Prozent auf 61,5 Milliarden Euro geschrumpft, ermittelte das Kölner Institut für Handelsforschung IFH. Dies sei aber vor allem der niedrigeren Nachfrage von Hotels und Gastronomie geschuldet.

    Die privaten Verbraucher hingegen, Zielgruppe von Wenko, haben im Lockdown ihren Haushalt verstärkt ausgestattet. Allein der Distanzhandel wuchs fast doppelt so stark wie der stationäre Handel um knapp zehn Prozent.

    „Stationär haben wir auch sehr gute Umsätze gemacht“, sagt Niklas Köllner. „Und die zeitweisen Ausfälle dort konnten wir im Onlineverkauf zum Teil wieder wettmachen.“ Er rechnet daher für 2020/21 mit deutlichem Wachstum gegenüber dem vergangenen Geschäftsjahr. Da lag der Umsatz bei 145 Millionen Euro. Die Umsätze seien seit 2019 „regelmäßig im zweistelligen prozentualen Bereich“ gestiegen.

    Die Freude über die positive Entwicklung des Haushaltswarenmarkts dämpft Sebastian Deppe, Mitglied der Geschäftsleitung der BBE-Handelsberatung. Einiges sei auch als Vorzieh-Effekt auf die Zukunft zu werten: „Viele Konsumenten haben die Zeit genutzt und ihre Haushaltswaren erneuert und erweitert. Und sie hatten mehr Geld zur Verfügung, weil Restaurantbesuche oder Urlaube ausfielen.“ Nachkaufbedarfe werde es daher nicht überall geben. „Da ist mit einer gewissen Stillstandsphase zu rechnen.“

    E-Commerce gewinnt an Bedeutung

    Den Vorteil von Wenko gegenüber Wettbewerbern sieht Köllner in der „langen Verbundenheit mit dem Versandhandel“. Schon früh habe sein Vater Hanns-Joachim Köllner dort investiert. Der 76-Jährige, der die Expansion des Unternehmens seit Ende der 1960er-Jahre vorangetrieben hatte, ist heute noch mit seinen Söhnen in der Geschäftsführung, allerdings nicht mehr operativ tätig.

    „Die Transformation Richtung E-Commerce war bereits im Gange – und Corona hat einen Schub gegeben“, sagt Niklas Köllner. Und so wuchs im vergangenen Jahr nicht nur die E-Commerce-Abteilung von 40 auf 60 Mitarbeiter. „Wir schreiben erfreulicherweise schwarze Zahlen, die es uns ermöglichen, weiterhin in die Zukunft zu investieren“, sagt der Wenko-Chef, allerdings ohne sie zu konkretisieren.

    Wenko hat den Nutzen der Digitalisierung früh erkannt. Besonders stolz ist Niklas Köllner heute auf die Business-Warehouse-Software, mit der er die Warenwirtschaft genau prüfen kann. „Das System haben wir ordentlich mit Stammdaten befüllt“, sagt der Firmenchef. „Wir können auf Knopfdruck alles Wesentliche abfragen: Trends bei Farben, Badaccessoires, WC-Sitze, sofort verfügbare Produkte. Das ist nicht nur ein Vorteil gegenüber den Wettbewerbern, es fließt auch in unsere Innovationsarbeit ein.“

    Rund drei Millionen Euro investiert Wenko jährlich in die Entwicklung von Produktinnovationen, die ein Drittel des Umsatzes ausmachen. „Mit 1500 aktiven Schutzrechten sind wir im Bereich Haushaltswaren führend“, betont Köllner. „Wir versuchen, Lösungen für Probleme zu finden, derer sich der Verbraucher gar nicht bewusst ist.“ Eine beleuchtete Duschstange ist so ein Beispiel: Das Angebot richtet sich an 35 Prozent aller Deutschen, bei denen zu wenig Licht in die Dusche fällt. Die Zahl hat das Marktforschungsinstitut OmniQuest im Auftrag von Wenko ermittelt.

    Recycelte Kartonagen statt Plastikverpackungen

    Der Einklang von Nutzen und Design steht bei Wenko im Vordergrund – auch wenn er manchmal im Verborgenen liegt, wie etwa bei Befestigungssystemen fürs Bad, die ohne Bohren auskommen und die Wenko auf dem deutschen Markt etabliert hat.

    Ein eigenes Entwicklungsteam und eigene Designer machen sich Gedanken darüber, was alles verbessert werden kann. Zusätzlich können auch Wenko-Mitarbeiter aus den anderen Abteilungen Anstöße geben: „Wir machen ja keine Rocket-Science.“ Die Tüftelei zahlt sich aus: Jährlich bringt das Unternehmen 450 bis 500 neue Produkte heraus. Im Coronajahr seien es zwar „nur“ 423 Artikel gewesen, sagt Köllner, aber über 200 mit Schutzrechten.

    Da das Unternehmen keine eigene Produktion hat, achtet es nach eigenen Angaben schon lange bei den Lieferanten aus Asien und Europa auf die Erfüllung von Sozialstandards und Nachhaltigkeitsansprüchen. Auch seinen ökologischen Fußabdruck will Wenko verringern: „Schon jetzt haben 95 Prozent der Verpackungen kein Plastik“, erklärt der Firmenchef stolz. Dies sei durch kontinuierliche Verbesserungen in den letzten Jahren erreicht worden. Aktuell kämen insbesondere recycelte Kartonagen zum Einsatz.

    Auch Produkte wie Badteppiche aus recycelten PET-Flaschen und der Einsatz von nachwachsendem Bambus zeugen von den eigenen Bemühungen. „Allerdings ist die Masse der Endverbraucher noch nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen.“

    Weitaus schwieriger sei die Internationalisierung über die großen Handelsplattformen wie Amazon und Ebay, aber auch Spezialanbieter wie Manomano im E-Commerce. Das Problem: „Marktplätze wachsen geografisch, und wir müssen den Endkunden dort auch beliefern können – zum Beispiel irgendwo in Norwegen – zu einem akzeptablen Preis trotz hoher Frachtkosten.“

    Bei der Beschaffung von Materialien und Produkten spürt Wenko zudem die Container-Knappheit. Das führt nicht nur zu Störungen der Lieferketten. Köllner: „Wir haben hier mit Kosten zu kämpfen, die so noch nie da gewesen sind. Die sind seit Mitte November explodiert.“ Aktuell hätten sich die Preise für Container aus Asien verzehnfacht. Um hohe Verluste zu vermeiden, sieht sich Wenko daher erstmalig gezwungen, seine unverbindlichen Preisempfehlungen nach oben anzupassen.

    Mehr: Teure Rohstoffe, hohe Frachtkosten: Experten erwarten deutlich höhere Preise im Supermarkt.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Haushaltswarenproduzent: Tüftler am Werk: Warum Wenko jedes Jahr Hunderte neue Produkte auf den Markt bringt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%