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Hero-Glas-Geschäftsführer

Heinz-Hermann Ross mit seiner Schwester Silvia Vescio, die für die Tochterfirma Yachtglass zuständig ist.

(Foto: HERO-GLAS / Stefan Schöning)

Hero-Glas Dieser Glasveredler aus dem Emsland spezialisiert sich nicht nur auf Architektur

Die Technologie von Hero-Glas steckt auch im Brandschutz, in Sicherheitsglas – und in Luxusyachten. Einige der reichsten Männer der Welt nutzen sie.
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Düsseldorf Heinz-Hermann Ross kommt ins Schwitzen, als er die Industriekletterer auf dem Glasdach der Frankfurter Einkaufsgalerie MyZeil beobachtet. Es ist 2009, Ross verantwortet dort den Ausbau des Glasdachs, Bergsteiger müssen die 3.500 dreieckigen Einzelscheiben über acht Stockwerke hinweg anbringen. „Das war meine Feuertaufe“, sagt der 39-Jährige. Heute gehört das Bauwerk aufgrund der einzigartigen Glasfassade zu den Touristenmagneten der Stadt.

Ob gläserne Swimmingpools auf Luxusjachten, Brandschutzverglasungen in der Münchener Allianz Arena oder gebogene Vitrinen im Londoner Victoria & Albert Museum: Dahinter steht Arbeit aus Deutschland, Glas veredelt von Ross’ Unternehmen Hero-Glas. Seit einem Jahr leitet Ross die Firma mit Sitz in Dersum im Emsland und ist sich sicher: „Unsere Stärke ist unsere Vielseitigkeit. In Europa gibt es keinen weiteren Wettbewerber, der Glas in der Vielfältigkeit veredelt, wie wir es können.“ Zu den prestigeträchtigsten Projekten gehören neben Frankfurt auch die Markthalle in Rotterdam, das Sony-Center in Berlin, aber auch Fassaden in Amsterdam, Den Haag und Hamburg.

Rund 400 Betriebe mit jeweils mehr als 20 Mitarbeitern teilen den deutschen Glasmarkt untereinander auf. Im Bundesverband Flachglas organisieren sich etwa 110 Unternehmen, zu denen auch Glasveredler wie Hero-Glas ohne eigene Glasschmelze gehören. Die Firma stellt das Glas, das sie verarbeitet, also nicht selbst her.

Dennoch verfügt das Unternehmen laut Ross über die größte Bandbreite an angebotenen Gläsern aller Form und Farbe. Insgesamt arbeiten knapp 56.000 Beschäftigte in der deutschen Glasindustrie, 2018 betrug der Gesamtumsatz rund zehn Milliarden Euro.

Heute verantwortet Ross mit seinen 300 Mitarbeitern vorrangig Projekte in Deutschland und den Beneluxstaaten. Doch auch in Dubai, Israel und Südkorea veredeln Partnerunternehmen mit der von ihm lizenzierten Technologie Glas. Gerade kommt er von Verhandlungen in China. Denn „besonders bei sicherheitsrelevanten Produkten wächst der Markt eigentlich im Ausland. Dort gibt es sehr große Wachstumsraten“, erklärt Ross.

Prozentual gesehen sei das die gewinnbringendste Sparte. Heute hat das Unternehmen mit Hero-Fire für den Brandschutz und Yachtglass zwei Tochterfirmen. Insgesamt macht die Gruppe Hero-Glas heute einen Umsatz von 40 Millionen Euro.

Sturmsichere flexible Glasfassaden

„Im Kindergarten wollte ich Chef von Mercedes werden“, erinnert sich Ross. „Aber Spaß beiseite: Dass ich im elterlichen Unternehmen arbeiten würde, war schon sehr früh klar.“ Ross empfand das nicht als Belastung. So absolvierte er dort auch die Ausbildung zum Flachglasmechaniker. Später studiert er Wirtschaftsingenieurwesen, konzentriert sich auf Produktion und Logistik.

Die Übernahme des Betriebs von Vater und Onkel verläuft über viele Jahre hinweg, „einen ‚Tag eins‘ als Geschäftsführer gab es in dem Sinne nicht“, erinnert sich Ross. 1970 gründet der Vater Hero-Glas als Einmannbetrieb, kurz darauf holt er seinen eigenen Bruder ins Geschäft. Das Kerngeschäft unterteilen die beiden in die Sparten Innen- und Außenarchitektur und Schiffbau.

Große Passagierschiffe sind heute noch Abnehmer, genauso Megajachten, einige der reichsten Männer der Welt besitzen sie. Weil Vater und Onkel Ross schon früh einbinden, seien kaum Konflikte aufgekommen, meint Ross heute.

So erlebte Ross 2014 auch die Fertigstellung der Rotterdamer Markthalle durch das renommierte niederländische Architektenbüro MVRDV. Das Besondere an dem gewölbeförmigen Bau: Auf der Innenseite erstreckt sich ein 11.000 Quadratmeter großes Gemälde über den gesamten Bogen, geschützt durch Hero-Glas.

Jan Knikker, Partner bei MVRDV, erklärt die materiellen Anforderungen: „Das Kunstwerk sollte man auch durch das Glas hindurch gut sehen, nur wenig gespiegelt und nicht farblich getönt.“ Auch Sicherheitsaspekte überzeugten das Team: „Die flexible Glasfassade kann im Falle eines Sturms einen Meter in das Gebäude gedrückt werden“, so Knikker.

Aber die Unternehmensgeschichte bleibt nicht ohne Tiefen: 2010 verunglückt ein Auszubildender tödlich an einer Glasschleifmaschine, Ross’ Vater und Onkel werden zu jeweils sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – wegen fahrlässiger Tötung. Um die Produktivität zu erhöhen, sollen sie die Sicherheitsschranke an der Maschine absichtlich ausgebaut haben. Als der 19-jährige Mitarbeiter eingeklemmt wird, stoppt die Maschine nicht. Er stirbt. „Die Familien und insbesondere meinen Vater und meinen Onkel hat das sehr schwer getroffen“, erinnert sich Ross.

Heute ist ihm Sicherheit daher besonders wichtig: „Alles, was mit der Sicherheit zu tun hat, haben wir komplett auf den Prüfstand gestellt, haben den Kontakt zu öffentlichen Einrichtungen, Berufsgenossenschaften, der Gewerbeaufsicht intensiviert.“ Direkt nach dem Unfall stellt die Firma einen Sicherheitsingenieur ein, „obwohl wir das eigentlich nicht müssen“, wie Ross hinzufügt. Die Stelle sei auch heute noch besetzt, betont er: „Wir wollen zeigen, dass wir sehr viel verändert und verbessert haben.“

Fachkräftemangel trifft die Branche

„Wirtschaftlich gesehen gab es natürlich auch viele Höhen und Tiefen“, fügt Ross hinzu. Niederlassungen im In- und Ausland mussten im Laufe der Zeit aufgegeben werden, ein Produktionsunternehmen in Polen wurde geschlossen, eine Tochtergesellschaft in Karlsruhe ebenso. „Die regionale Verwurzelung hat uns immer wieder gezeigt, dass wir hier am Standort immer am erfolgreichsten waren.“

Doch genau dort sieht Ross eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen. So würden seinem Unternehmen neben dem Fachkräftemangel auch steigende Energiepreise und Umlagen wie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz zu schaffen machen – und die Bürokratie: „Mir fehlt die Diskussion um die Entbürokratisierung in Deutschland“, meint er.

Um dieselben Anforderungen wie Großunternehmen zu erfüllen, nehme er als Mittelständler eine „überproportionale Belastung“ in Kauf. Um das zu ändern, ist Ross auch politisch aktiv, sitzt für die CDU im Gemeinderat, bemüht sich um die Kooperation mit Schulen.

Ross ist ein Familienmensch, auch seine Frau und seine Geschwister arbeiten im Betrieb. Seine Schwester Silvia Vescio ist neben dem Marketing auch für das Tochterunternehmen Yachtglass verantwortlich. Zum Entspannen verbringt Ross Zeit mit der Familie, seinen Kindern und Freunden. „Das ist am Ende das Wichtigste.“ Die Grenze verschwimme dabei aber, schmunzelt er: „Auch die Firma ist meine Identität“.

Mehr: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema in der Baubranche. Wie Recycling die Baukosten drücken kann, lesen Sie hier.

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