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Hu Huazhi Der Gründer der Flugtaxi-Firma EHang forciert seine Pläne für Europa

Hu Huazhi ist überzeugt, dass sich Flugtaxis als Verkehrsmittel durchsetzen werden. Doch der Weg zu Alltagsflügen dürfte noch weit sein.
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Der Gründer aus China stellt in Düsseldorf sein Flugtaxi vor. Quelle: Thomas Berger für Handelsblatt
Hu Huazhi

Der Gründer aus China stellt in Düsseldorf sein Flugtaxi vor.

(Foto: Thomas Berger für Handelsblatt)

Düsseldorf Am Ende muss sich die Zukunft noch ein bisschen gedulden. Es gab keine Starterlaubnis der Behörden, um das Flugtaxi aus China im Stadion in Düsseldorf zu testen. Nun kann der Gründer der Flugtaxi-Firma EHang, Hu Huazhi, seinen Prototypen zwar präsentieren, aber nicht abheben lassen. „Macht nichts“, sagt er und lehnt sich gegen das Fluggerät.
Das Flugtaxi besteht aus einer Kabine mit zwei Sitzen. Daran sind acht Arme mit jeweils zwei Propellern befestigt. Die ermöglichen es dem Gerät, wie ein Helikopter senkrecht in die Luft zu starten. Steuerinstrumente gibt es in der Minikabine kaum. „Bei uns wird alles autonom gesteuert“, sagt Hu. Ob bemannte Flüge oder Lieferungen von Gegenständen – ein Computersystem übernimmt Start, Flug und Landung.

Damit das funktioniert, brauchen die Drohnen jedoch eine gute Netzanbindung. Um diese in Europa zu sichern, ist Hu nach Düsseldorf gereist. In einem Konferenzraum in der Deutschlandzentrale von Vodafone hat Hu das Flugtaxi aufstellen lassen. Die Geste besiegelt eine Partnerschaft, die beide Firmen schließen.

Vodafone will alle EHang-Drohnen in Europa mit SIM-Karten ausstatten, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. „Dank des 5G-Mobilfunks können die Drohnen zentimetergenau gesteuert werden“, sagt Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter.

Flugtaxis sind zu einem Symbol für eine ambitionierte Wette auf die Zukunft geworden. Weltweit tüfteln mehr als 150 Firmen an Konzepten für die besten Fluggeräte. Dabei ist noch völlig unklar, ob sie wirklich den Verkehr verbessern werden. Sowohl der hohe Energieverbrauch als auch die große Lautstärke sind ein Problem. Zudem ist unklar, ob sie sich wirtschaftlich betreiben lassen.

Hu sieht sein Unternehmen bestens aufgestellt und ist überzeugt, dass sich Flugtaxis durchsetzen werden. „Es geht nicht um das Ob, es geht nur um das Wann“, meint er. Der Mittvierziger hat an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking Informatik studiert. Über Jahre entwickelte er Lösungen für Cloud-Dienste, Videosteuerung und intelligente Stadtplanung. Das Fliegen war lange Zeit sein Hobby.

Doch dann wollte er seine private Begeisterung mit technologischem Fachwissen verknüpfen. 2014 gründete er zusammen mit Freunden EHang. Heute ist er CEO und Präsident des Unternehmens.

Serienproduktion bis Jahresende geplant

In Österreich hat sich Hu mit Robert Machtlinger zusammengetan. Der CEO des Flugzeugzulieferers FACC will die Geräte von EHang massentauglich machen. Er kündigte an, bis zum Jahresende in die Serienproduktion zu gehen. Derzeit laufen laut FACC-Angaben die Flugtests. Sollten sie erfolgreich abgeschlossen werden, beginne die Produktion bis Ende des Jahres. Anderenfalls werde sie für Anfang 2020 angepeilt.

Der Markt für Flugtaxis ist umkämpft. Der prominenteste Rivale aus Deutschland ist Volocopter. Die Firma will ähnlich wie EHang einen Multicopter produzieren. Dem gegenüber steht das Start-up Lilium, das auf einen Kippantrieb setzt. Hu hält sein Produkt jedoch für überlegen. „Wir haben schon viel Erfahrung gesammelt. Unsere Flugtaxis haben schon viele Flugstunden absolviert“, sagt der Gründer. „Die anderen haben noch einen langen Weg vor sich“, sagt Hu.

EHang könnte schon bald an die Börse streben. Die US-Finanzagentur Bloomberg berichtete, EHang habe bereits Unterlagen für ein Aktiendebüt beim Nasdaq eingereicht. Demnach würde die Firma mit rund 200 Millionen US-Dollar bewertet und strebe an, Anteile im Wert von zehn bis 15 Prozent an die Börse zu bringen. „Dazu möchte ich nichts sagen“, sagte Hu.

Noch ist in Fachkreisen umstritten, ob Flugtaxis wie von EHang überhaupt ein großer Durchbruch bevorsteht. „Ein Flug mit uns wird ungefähr so viel pro Kilometer kosten wie eine Taxifahrt“, sagt Hu. Zudem werde die Technik Staus in Städten lösen können. Ähnliche Versprechen geben auch andere Flugtaxi-Start-ups ab.

Aber in Fachkreisen ist umstritten, ob diese Aussagen stimmen können. Die Stadt München beschäftigte sich in einer Analyse mit dem Potenzial von Flugtaxis und kam zu dem Schluss, dass Flugtaxis nicht als Massentransportmittel taugen und bestenfalls in geringem Ausmaß das Verkehrssystem entlasten könnten.

Und das auch nur, wenn Städte bereit sind, ihre Infrastruktur aufwendig umzubauen, um Start- und Landeplätze für die Fluggeräte zu schaffen. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt Flugtaxis auch allenfalls als sehr teures Spielzug für sehr wohlhabende Menschen ein.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) stellte im Juli Regularien für Flugtaxis vor. Bis zu einer Freigabe der neuartigen Fluggeräte könnten aber noch Jahre vergehen. „Am Ende wird es schnell gehen. Bei E-Scootern waren anfangs auch alle skeptisch“, sagt Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter. „Dann waren sie plötzlich überall.“ Stephan Scheuer

Mehr: Lilium präsentiert seinen neues Flugtaxi mit fünf Sitzen, das spätestens 2024 in Serienfertigung gehen soll. Das heizt den Wettbewerb um die Mobilität der Zukunft kräftig an.

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