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Hubert Burda Medien Burda-Vorstand Philipp Welte: der Medien-Anwalt

Der Medienmanager kämpft gegen Online-Riesen wie Facebook. Nun soll eine neue Kampagne für den klassischen Journalismus werben.
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„Wir stehen mitten in einem epischen Kampf, in dem es um die Wahrheit geht.“ Quelle: Marcus Vogel/laif
Burda-Vorstand Philipp Welte

„Wir stehen mitten in einem epischen Kampf, in dem es um die Wahrheit geht.“

(Foto: Marcus Vogel/laif)

Düsseldorf Philipp Welte ist eigentlich kein Mann, der sich versteckt. Im Vorstand der Hubert Burda Media ist der alerte 57-Jährige fürs nationale Verlagsgeschäft zuständig. Das kriselt einerseits, liefert aber andererseits noch immer den größten Glamour des Offenburger Unternehmens, weil es für „Focus“ steht und „Elle“ und den von der firmeneigenen „Bunten“ ausgelobten Medienpreis „Bambi“, der Ende des Monats in Baden-Baden wieder verliehen wird – womit wir mitten in Weltes wichtigstem Thema sind: der Zukunft des Journalismus an sich.

Und weil er sich da wirklich ernste Sorgen macht, hat Welte am Montag in mehreren deutschen Zeitungen eine geheimnisvolle Anzeigenserie lanciert, die unter dem Motto „Print macht stark“ nicht unbedingt für bedrucktes Papier, aber für den Qualitätsjournalismus dahinter kämpfen möchte.

Und da ist zunächst mal gar nicht von Leuten wie ihm oder seinem eigenen Verlag die Rede. Welte hält sich im Hintergrund. Stattdessen kommen Promis zu Wort, die die Bedeutung einer freien Mediendemokratie pointiert in kurze Statements packen. Ohne Schnickschnack, dafür mit viel Weißraum und knappen Botschaften.

Der Schauspieler Florian David Fitz etwa sagt: „Die Welt ist kein Tweet.“ Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mahnt: „Einordnung von Informationen und fundierte Recherche werden immer wichtiger – die Demokratie braucht verantwortlichen Journalismus!“

Die Kampagne soll nach ihrem Start (am Montag war sie auch im Handelsblatt zu sehen) zunächst in allen wichtigen Burda-Blättern weitergeführt werden. „Aber natürlich hätten wir auch nichts dagegen, wenn sich uns andere Verlage anschließen“, sagt Welte, der auch Vizepräsident im Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) ist.

Einst hatte der Verband es mit ähnlicher Kampagne, aber anderer Zielgruppe versucht: „Print wirkt“ sollte vor Jahren vor allem die Werbeentscheider gewogen machen fürs damals schon kriselnde Magazingeschäft.

Seither hat sich auf beiden Seiten des Schreibtisches eigentlich alles verändert an Strukturen und Rahmenbedingungen: Google, Facebook und neuerdings Amazon dominieren das globale Werbegeschäft nach Belieben, Social Media haben zudem neue Echokammern geschaffen, in denen weitgehend unkontrolliert manipuliert, desinformiert und gehasst werden kann.

Mehr noch: „Es gibt einen unmittelbaren Wirkungszusammenhang zwischen der Verbreitung von Fake News und dem Geschäftserfolg von Facebook“, sagt Welte.

Welte: Medien sind bedroht

Sein Fazit: So notwendig wie unabhängige Medien aktuell seien, so bedroht sind sie zugleich durch die weggebrochenen Werbemärkte. „Diese Dramatik ist noch immer viel zu wenigen Menschen überhaupt bewusst.“

Das Thema der doppelten Gefahr durch die US-Konzerne befeuert Welte schon länger, der seinen Kampf gegen die „Flut von Lügen und Halbwahrheiten“ als ebenso essenziell wie existenziell versteht. „Wir alle sind Zwerge im Kampf mit den größten Unternehmen, die es auf diesem Planeten je gegeben hat“, wetterte er bereits Mitte Mai als Eröffnungsredner des European Publishing Congress in Wien.

Ende Mai legte er in einem Gastbeitrag fürs Handelsblatt nach: „Das Bedrohliche: Konzerne wie Facebook agieren wie Medienunternehmen, lehnen aber jede Verantwortung für die von ihnen verbreiteten Inhalte ab. Damit ebnen sie der Manipulation in unserer Demokratie den Weg.“

Und in einem Essay für den „Tagesspiegel“ warnte er, wir alle stünden „in einem epischen Kampf, in dem es um die Wahrheit geht, um die wirklich freie Meinungsbildung und damit auch um den freien Journalismus, der ein Kraftzentrum jeder wahren Demokratie ist“. Da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Doch Weltes Wortwahl zeigt vor allem seine Passion.

Er fühlt sich dem Journalismus persönlich verpflichtet. Geboren 1962 in Hechingen im Schatten der Schwäbischen Alb, arbeitete er schon als 16-Jähriger für seine Lokalzeitung und startete früh ein Volontariat bei der „Südwest Presse“ in Ulm, bevor er in Tübingen Politik und Kulturwissenschaften studierte. Ein paar berufliche Intermezzi später landete er bei Burda, wo er auf wechselnden Positionen bis heute als Verlagsmanager wirkt.

„Guter Journalismus hat eine essenzielle Bedeutung für die Stabilität unserer Gesellschaft“, sagt der Medien-Anwalt ohne Jura-Examen. „Die Kraft unserer Demokratie, in der wir in Deutschland heute leben dürfen, ist eng verwoben mit dem Journalismus der Verlage.“

„Wider die Verzagtheit der Branche“

Da will er mit seiner Print-macht-stark-Kampagne „ein Zeichen setzen – für diesen Journalismus, aber auch wider die Verzagtheit unserer Branche“. Deren Umwälzungen kann man bei Burda geradezu exemplarisch ablesen: Die Hälfte des Umsatzes von rund 2,7 Milliarden Euro verdankt das Unternehmen mittlerweile digitalen Geschäftsfeldern, zu denen auch Portale wie Xing oder Holidaycheck gehören, die mit dem klassischen Mediengeschäft nicht mehr viel zu tun haben.

Andererseits hält der nunmehr 79-jährige Verleger Hubert Burda weiter tapfer am Journalismus fest, mit dem sein Haus einst groß geworden ist. Trotz aller Herausforderungen, die auch Welte als zuständiger Vorstand täglich erlebt.

Bei „Freundin“ und „In Style“ werden gerade Stellen abgebaut. Der Burda-Verlag dürfte im vergangenen Jahrzehnt 350 Millionen Euro an jährlichem Werbeumsatz verloren haben. Allein Amazon werde dagegen dieses Jahr quasi aus dem Stand in Deutschland auf einen Werbeumsatz von 1,9 Milliarden Euro kommen – mehr als doppelt so viel wie alle rund 2 000 hiesigen Publikumszeitschriften, rechnet Welte vor. „Das zeigt vor allem eines: Schieres Überleben ist für einen Verlag heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Da werde es „immer schwieriger, den Journalismus, den eine funktionierende pluralistische Gesellschaft braucht, mit den Mitteln der Marktwirtschaft zu finanzieren“.

Also sagt er den überwiegend amerikanischen Online-Riesen den Kampf an – nicht nur in seinen Statements, sondern mit den technologischen Mitteln der Jetztzeit: breitflächige Kampagne, Promi-Unterstützung, Homepage und sogar ein eigener Print-macht-stark-Account auf Instagram, auf dem künftig nur junge Journalisten unter 30 zu Wort kommen sollen.

Instagram? Gehört das nicht zum Reich des Bösen, zu Facebook? Die US-Kontrahenten sind für die klassischen Medien in vielerlei Hinsicht Freund und Feind gleichermaßen. Dieses Dilemma wird auch Welte so schnell nicht lösen.

Mehr: Der TV-Profi Fred Kogel spricht im Interview mit dem Handelsblatt erstmals über den neuen Medienkonzern Leonine, den er mit dem Finanzinvestor KKR aufbaut – und die Zukunft der Produzenten-Branche.

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