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Inneneinrichter Wohnwelten zum Wohlfühlen – Wie Rivièra Maison die Möbelbranche aufmischt

Henk Teunissen schuf aus dem elterlichen Blumenladen den Inneneinrichter Rivièria Maison. Nun will das Unternehmen in Deutschland expandieren.
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Der Gründer von Rivièra Maison und mit der aktuellen Chefin im Showroom der Amsterdamer Zentrale. Quelle: Rivièra Maison
Henk Teunissen und Annemarie Uleman

Der Gründer von Rivièra Maison und mit der aktuellen Chefin im Showroom der Amsterdamer Zentrale.

(Foto: Rivièra Maison)

Amsterdam Der grüne Salon im Safari-Look verbreitet exotisches Flair. Gleich daneben liegt das Zimmer „Stromboli“ mit Möbeln aus verwaschenem Holz und Kissen in Naturtönen, Rotweingläser, rustikales Geschirr. „Wir verkaufen keine Möbel, sondern ein Lebensgefühl“, betont Henk Teunissen, Gründer von Rivièra Maison, während er durch den weitläufigen Showroom in der Amsterdamer Zentrale führt. „Die kleinen spielerischen Details machen den Unterschied“, sagt der schlaksige, unaufdringliche 62-Jährige, und deutet auf eine Weinflasche, die flach geschmolzen als Snackbrett dient.

Rivièra Maison ist ein Trendsetter auf dem deutschen Markt, urteilt Sascha Tapken, Chefredakteur des Branchenmagazins „Möbelkultur. „Das ganzheitliche Konzept von Wohnwelten mit Schränken über Sofas bis zu Lampen und Kerzen ist selten.“ Niederländer seien in Sachen Interior Design ohnehin einige Jahre voraus. Gründer Teunissen, der inzwischen mit seinem Unternehmen 55 Millionen Euro erwirtschaftet, will sich nun aufs Kreative konzentrieren und hat Handelsexpertin Annemarie Uleman als Geschäftsführerin ins Unternehmen geholt. Die 51-Jährige soll die internationale Expansion vorantreiben.

Für die nächste Weihnachtssaison hat er Schmuck aus Rattan entworfen – Surfbretter und Scooter. Die Inspiration für viele der 1 400 Produkte im Sortiment kommt von ihm persönlich. „Mit Rivièra Maison kann sich Otto Normalbürger luxuriös einrichten, ohne einen luxuriösen Preis zu zahlen“, meint Tapken. Rivièra Maison hat laut Tapken einen sehr femininen Stil. Und rund 80 Prozent der Kaufentscheidungen bei Möbeln treffen Frauen.

Zum Landhausstil ist inzwischen ein eleganter urbaner Stil hinzugekommen. Schließlich verkaufen die Niederländer ihre Wohnwelten heute um den halben Erdball. Die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften mehr als 600 Möbeleinzelhändler von Seoul bis Dubai, die Rivièra Maison-Möbel im Sortiment haben. Seinen ersten Flagshipstore im Ausland eröffnete Teunissen 2009 am noblen Hamburger Neuen Wall. Heute gibt es 19 eigene Stores in drei Ländern. Weltweit gibt es 450 Mitarbeiter.

Rivièra Maison hat seine Wurzeln in der Blumenbranche. Henk Teunissens Großvater war einer der ersten Blumenexporteure nach Deutschland. Seine Eltern eröffneten 1948 den exklusiven Blumenladen „Rivièra Bloemsierkunst“ – der Name war inspiriert durch die italienische Blumenrivièra um San Remo. Sohn Henk wusste eins genau: Nie wollte er in den Einzelhandel gehen. „Sechs Tage schuften und am Sonntag Büroarbeit. Nein danke.“ Doch mit 18 Jahren sollte er die urlaubenden Eltern eine Woche im Laden vertreten. Mit Blumenschmuck verdoppelte er den Umsatz und fand doch Gefallen am Einzelhandel. Er fing im Laden an, den er 1985 übernahm.

Neben Blumen verkaufte er immer mehr Dekoartikel, eine selbst entworfene Etagere war ein Verkaufsschlager. Im Malaysia-Urlaub orderte er spontan eine Containerladung Blumentöpfe, er hatte die Manufakturen in kleinen Dörfern ausgemacht. „Die wurden mir aus den Händen gerissen. Und anders als Blumen verwelkten sie nicht.“ Bald verkaufte der Gründer selbst entworfene Dekoartikel an andere Händler. „Alles im Dutzend, damit die gleich mehrere Produkte im Laden aufstellen mussten.“

1992 designte der Selfmademan sein erstes Sofa. Inspiriert hat ihn der klassische Casual Look von Ralph Lauren. „Home is where you can be you“, lautet Teunissens Motto. „Ein Heim darf kein gestylter Showroom sein, man muss sich sofort entspannen und wohlfühlen.“

Gefertigt wird alles in Manufakturen in Asien, Polen und der Türkei. „Perfectly imperfect“, lautet die Maxime von Rivièra Maison. 90 Prozent der Möbel sind handgefertigt etwa aus altem Holz aus recycelten Türen. „Die Menschen lieben Möbel mit Geschichte – bei uns gibt es keine Massenfertigung wie von Ikea“, sagt Teunissen. In 30 Jahren ist Rivièra Maison kräftig gewachsen, Verlustjahre gab es laut Teunissen nie.

Manufaktur statt Massenfertigung

In Deutschland sieht Teunissen derzeit das größte Potenzial. Vier eigene Läden gibt es in Hamburg, Stuttgart und in Düsseldorf auf der Kö. Derzeit werden gute Adressen in München und Frankfurt gesucht, weitere sollen folgen. Denn der deutsche Möbelmarkt auf der Großfläche schwächelt. Riesige Möbelhäuser auf der grünen Wiese sind out, selbst Ikea zieht es in die Innenstädte.

Hinzu kommt: „Der Kunde ist überfordert, seine Inneneinrichtung selbst zusammenzustellen“, sagt Branchenexperte Tapken. In diese Lücke stießen Rivièra Maison wie auch Maisons du Monde oder Boconcept. „Unsere Einrichtungsberater können für Kunden das ganze Haus einrichten – bis zu Tapeten und Geschirr,“ sagt Geschäftsführerin Uleman. Diverse Restaurants und Hotels sind ganz im Rivièra Maison-Stil eingerichtet.

Im Januar hat der Gründer die Geschäftsleitung an Uleman übergeben. „Ich wollte eine Frau, die den Einkauf und den Markt kennt. Dabei geht es um viel mehr als Preise oder schnelle Lieferung, Annemarie bringt das nötige Markengespür mit“, glaubt Teunissen. Der Einkäufer ist für ihn wie ein Koch in einem guten Restaurant. „Wenn das Restaurant schön aussieht, aber das Essen lausig schmeckt, kommen keine Gäste.“ Uleman hat 25 Jahre Erfahrung im Einzel- und Großhandel etwa bei Tommy Hilfiger und war zuletzt Sanierungschefin der Modemarke Men at Work.

„Ich bin besser im Kreativen, ich mag Meetings und Zahlen nicht so sehr“, gibt Teunissen zu. Uleman will die klare Handschrift des Gründers bewahren und das Geschäft zukunftsfit machen. Etwa durch eine 3D-Einrichtungsapp, um einen Rundumblick von Möbeln und Accessoires zu bekommen oder einen verbesserten Webshop. Die größte Herausforderung: Das Sofa pünktlich und ohne Schaden zum Kunden zu transportieren.

Rivièra Maison bleibt ein Familienunternehmen. Der 26-jährige Sohn des Gründers arbeitet bereits in der Firma, erst im Bereich E-Commerce jetzt als Innovationsmanager. Auch die geistig behinderte Tochter, 24, hilft regelmäßig in der Cafeteria der Zentrale. Die jüngste Tochter, 21, macht bald ein Praktikum in der Designabteilung.

„Henk ist ein menschlicher Unternehmer“, urteilt Nachfolgerin Uleman. „Er ist mit Herzblut dabei, detailversessen, aber kein Besserwisser.“ Mit Ulemann als Geschäftsführerin hat der Gründer nun mehr Zeit durch die Welt zu reisen – oder in der Familienfinca auf Ibiza zu entspannen – wenn dort nicht gerade Fotoshootings für Rivièra Maison stattfinden.

Mehr: Wo für Möbel siebenstellige Summen bezahlt werden – Wenn Kreative keine Rücksicht auf Kosten nehmen müssen: Die Messe Design Miami Basel zeigt Möbel, die oft nur als Einzelstück zu haben sind.

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