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Insolventer Radbauer Familie Puello springt bei Mifa ab

Das Bangen um Mifa geht weiter. Die Radbauer-Familie Puello hat sich überraschend zurückgezogen. Einziger Interessent ist derzeit Alt-Eigner von Nathusius. Gibt es keine Einigung, droht Ende Juni die Zerschlagung.
31.05.2017 - 17:26 Uhr Kommentieren
Findet sich bald kein Investor, muss der insolvente Radbauer Ende Juni den Betrieb einstellen. Quelle: dpa
Fahrradhersteller Mifa

Findet sich bald kein Investor, muss der insolvente Radbauer Ende Juni den Betrieb einstellen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Poker um Mifa geht in die nächste Runde. Die Schweinfurter Unternehmerfamilie Puello ist am Mittwoch aus dem Bieterprozess um den insolventen Radbauer ausgestiegen. „Nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller kaufmännischen Aspekte, zieht sich die Unternehmerfamilie Puello zum jetzigen Zeitpunkt aus dem Vorhaben zurück“, so die offizielle Stellungnahme der Familie.

Diese war an der Rettung des insolventen Fahrradbauers und der verbleibenden 130 Arbeitsplätze in Sangerhausen interessiert, wollte unter neuem Namen und mit völlig neuem Konzept noch in dieser Saison durchstarten. Eine Erlebnisfabrik war geplant, heißt es aus informierten Kreisen. Statt Massenware für Discounter sollten künftig Markenräder und E-Bikes gefertigt werden.

Die Pläne scheiterten nach Angaben der Puellos jedoch an Alt-Eigentümer Heinrich von Nathusius. Dessen Familie gehört die neue Mifa-Halle. Er verlangt für die Halle die Baukosten von rund 17 Millionen Euro. Der Vorschlag der Puellos, die Halle erst zu mieten und später zu kaufen, sei abgelehnt worden, heißt es in Verhandlungskreisen. Die Option, in die alte Mifa-Halle zurückzukehren, wie es die Stadt Sangerhausen und der Landkreis angeboten hatten, war den Puellos zu teuer und zeitlich aufwendig.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
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Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

(Foto: dpa)
Air Berlin (2017)
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Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

(Foto: dpa)
Solarworld (2017)
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Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

(Foto: dpa)
Alno (2017)
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Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

(Foto: dpa)
Deutsche Touring (2017)
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Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

(Foto: Eurolines)
Mifa (2014 und 2017)
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Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

(Foto: dpa)
Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

(Foto: ap)

Die Puellos kommen aus einer traditionsreichen Radbauer-Dynastie in Schweinfurt. Susanne Puello leitete seit 1997 den erfolgreichen Radhersteller Winora mit rund 350 Mitarbeitern. „Felix und Susanne Puello haben den Markt für E-Mobilität nachhaltig verändert“, heißt es anerkennend in der Branche.

Die Firma, die seit 2001 zur niederländischen Accell Gruppe gehört, hatte ihr Urgroßvater 1921 gegründet. Auch ihr Mann Felix und Tochter Christina waren dort im Management aktiv. Im März zog sich die Familie überraschend wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ bei Winora zurück. Mifa hätte ein guter Neuanfang für die erfahrenen Fahrrad-Manager sein können.

Nun verbleibt Heinrich von Nathusius, dessen Familie Mifa 2015 aus der Insolvenz übernommen hatte, als einziger Interessent. Die Gläubiger lehnten am Mittwoch jedoch sein bereits nachgebessertes Angebot ab. Er kann jetzt erneut nachbessern. Denkbar wäre auch ein neuer Interessent oder von Nathusius unterbreitet Familie Puello doch noch ein akzeptables Angebot. „Es besteht weiterhin Hoffnung, die Zukunft von Mifa über eine Investorenlösung zu sichern“, sagt Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Findet sich im Juni kein Investor, der den Gläubigern mehr bietet als sie durch eine Stilllegung und Verkauf der Maschinen und Marken bekämen, droht die Schließung. Dann sieht sich Flöther aus insolvenzrechtlichen Gründen gezwungen, den Geschäftsbetrieb zum 1. Juli 2017 stillzulegen. Das Zittern in Sangerhausen geht weiter.

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