Insurchtech Wefox: Hollywood-Star Kutcher investiert in Versicherungs-Start-up
Viel Geld mit Investments verdient.
Foto: picture alliance/Willy Sanjuan/Invision/APSeine erste große Hauptrolle hatte Ashton Kutcher in der Kiffer-Komödie „Ey Mann, wo ist mein Auto?“. Der damals 22-Jährige spielte darin einen begriffsstutzigen Dauer-Druffi, der im Marihuana-Rausch vergisst, wo er sein Auto abgestellt hat und es nun einen Film lang suchen muss. Kaum ein Kinogänger hätte sich damals wohl vorstellen können, dass dieser Klamauk-Schauspieler mal ein smarter Technologieinvestor werden würde.
Doch seit einigen Jahren macht der inzwischen 39-jährige Kutcher nicht nur in Hollywood, sondern vor allem im Silicon Valley Furore. Mit seinen Fonds „A-Grade Investments“ und „Sound Ventures“ investierte er unter anderem in die Milliardenunternehmen Spotify, Uber und Airbnb. Als Apple kürzlich die Musikerkennungs-App Shazam für 400 Millionen Dollar kaufte, verdiente Kutcher als früher Investor mit. Auch deutsche Start-ups unterstützte Kutcher schon häufiger, bislang aber fast immer coole Lifestyle-Unternehmen wie die Musik-Plattform Soundcloud oder den später eingestellten, digitalen Assistenten GoButler.
Nun schlägt der einst bestbezahlte Serienstar Hollywoods („Two and a half man“) nach Handelsblatt-Informationen bei einem scheinbar ziemlich langweiligen Züricher Start-up zu. Er beteiligt sich mit „Sound Ventures“ an Wefox, mit dessen Apps Kunden bislang bestehende Versicherungsverträge verwalten und bei Drittanbietern abschließen können. Nun will Wefox die Multimilliardenbranche, mit der es bislang kooperiert, jedoch direkt angreifen.
Denn das Interesse Kutchers weckten die Wefox-Gründer im Berliner Soho House vor allem mit einem neuen Projekt: der rein digitalen Sachversicherung One, die eben ihre Lizenz von der liechtensteinischen Versicherungsaufsicht erhalten hat und nun in Deutschland um Kunden wirbt. Der Star und die Assekuranzgründer – ist das nicht ein recht seltsames Paar?
Die Vorbilder sind Spotify und Amazon
Findet Kutcher nicht: „Die Art und Weise, wie Menschen über Versicherungen denken, hat sich gewandelt, und One steht an der Spitze dieser Veränderung“, schreibt der Investor dem Handelsblatt dazu. Auch One-Mitgründer Alexander Huber hat keine Scheu vor der großen Ankündigung.
Wenn er von One spricht, jongliert er mit den Namen der weltgrößten Digitalunternehmen, deren Angebot für ihn Vorbild ist. „Wie von Spotify und Netflix gewohnt erwarten junge Erwachsene heute, ihre Versicherung jederzeit kündigen zu können“, sagt er. „Und wie man bei Amazon oder Zalando jederzeit den Aufenthaltsort seines Pakets nachverfolgen kann, könne ein One-Kunde jederzeit den Status seines Schadenfalls überprüfen.“
Einen solchen „Claimtracker“ etwa will Huber seinen Kunden nun auch bieten. Seine kombinierte Hausrat- und Haftpflichtversicherung soll dank digitaler Prozesse 60 Prozent aller Schadensfälle noch am selben Tag regulieren. Manche Pläne von Huber und seinen Mitgründern klingen noch hochtrabender: So sollen die One-Kunden mit Artikeln um das Thema Versicherung und darüber hinaus immer wieder in die App geholt werden. „Wir verkaufen kein Produkt, sondern die Zugehörigkeit zu einer Gruppe“, sagt Huber.
Dass sich Mittzwanziger aus der „Generation Maybe“ einmal als zugehörig zu ihrer Versicherung fühlen, wird – gelinde gesagt – eine Herausforderung. Dass Wefox mit One gegen die großen Versicherungskonzerne bestehen kann, auch.
So will etwa die Ergo 140 Millionen Euro in Software investieren, um bis 2020 zum größten Digitalversicherer zu werden, und hat eine voll-digitale Kfz-Versicherung gestartet. Gleichzeitig aber adelt die Ergo-Mutter Munich Re One, indem sie dem Start-up als Rückversicherungspartner dient. In diesem Markt will One alleine im ersten Jahr eine fünfstellige Zahl von Kunden gewinnen.
In Wefox investieren neben Kutcher und anderen Stars – die Popsänger Lena Meyer-Landrut, Sasha und Sarah Connor – auch der japanische Fonds SBI Investments, eine ehemalige Softbank-Tochter. Die Höhe der aktuellen Finanzierungsrunde wurde zwar nicht bekanntgegeben, insgesamt flossen aber inzwischen gut 55 Millionen Euro in Wefox.
Auch ist Kutcher keineswegs so fachfremd, wie man zunächst vermuten würde. Mitte 2017 investierte er bereits in Lemonade, das ein ähnliches Versicherungsprodukt wie One in den USA anbietet und mit bislang 60 Millionen Dollar Risikokapital große Hoffnungen geweckt hat. Als Kutcher bei dem Gespräch im Soho House hörte, dass One nun etwas Ähnliches in Europa plant, sei er sofort interessiert gewesen, erzählt Huber.
Und dreht sich „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ bei näherer Betrachtung nicht auch eineinhalb Stunden lang um einen schlichten Versicherungsfall? Hätte Kutchers Rolle, der geistig eher schwerfällige Autobesitzer, seinen Wagen einfach kurz per Smartphone als gestohlen gemeldet, wäre die Geschichte wohl ziemlich schnell auserzählt gewesen.