Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interimschefin Vanessa Hall könnte mehr als eine Notlösung für Vapiano sein

Nach dem Abgang des Vapiano-Chefs springt die Aufsichtsratschefin ein. Sie hat bereits gezeigt, dass sie in der Lage ist, Unternehmen umzustrukturieren.
Kommentieren
Ihre Führungsstärke hat Vanessa Hall als Chefin der Kette Yo! Sushi unter Beweis gestellt. Quelle: Vapiano
Vanessa Hall

Ihre Führungsstärke hat Vanessa Hall als Chefin der Kette Yo! Sushi unter Beweis gestellt.

(Foto: Vapiano)

Düsseldorf Der Rücktritt des Vapiano-Chefs Cornelius Everke kam für das Unternehmen offenbar so überraschend, dass es dazu gleich zwei Ad-hoc-Meldungen herausgab. Die erste nannte lediglich knapp die Fakten. Da ein Dank an den scheidenden Chef fehlte, schien es, als sei er im Streit geschieden. In der zweiten Mitteilung folgte dann doch noch die ausführliche Würdigung seiner Sanierungsarbeit für den angeschlagenen Restaurantkettenbetreiber.

Die zweite Mitteilung enthielt aber noch ein weiteres interessantes Detail. Denn dort stand nicht nur, dass die Aufsichtsratschefin Vanessa Hall vorübergehend das Amt an der Spitze des Vorstands übernehmen soll. Der Aufsichtsrat, so heißt es in dem Schreiben, ziehe Hall auch als „langfristige Nachfolgekandidatin“ in Betracht. Wird aus der Notlösung eine Dauerlösung? Was auf den ersten Blick erstaunt, könnte bei näherer Betrachtung durchaus Sinn machen.

Denn die 52-jährige Britin hat langjährige Erfahrung in der Gastronomiebranche. Außerdem ist sie studierte Wirtschaftsprüferin, was bei einem finanziell so angeschlagenen Unternehmen wie Vapiano durchaus von Vorteil sein dürfte. Bei der Restaurantkette erwartet Hall eine Sanierungsaufgabe. Das Unternehmen hat sich bei der Expansion im Ausland übernommen. Im vergangenen Jahr fiel bei einem Umsatz von 372 Millionen Euro ein Verlust von 101 Millionen Euro an.

Der eigentlich schon beschlossene Verkauf des US-Geschäfts wackelt, weil der vorgesehene Käufer Probleme mit der Finanzierung hat. Unrentable Restaurants sollen geschlossen werden, das Expansionstempo wird drastisch gedrosselt. Die Interimschefin soll am 1. September ihre Aufgabe von Cornelius Everke übernehmen, der das Unternehmen aus „persönlichen Gründen“ verlässt, wie es heißt.

Zwischen den Zeilen kann man aus der Mitteilung herauslesen, dass er seine Stärken eher in der internationalen Expansion sah und weniger in der Sanierung – oder der Aufsichtsrat ihm diese Erkenntnis nahegelegt hat. Der ehemalige Starbucks-Manager war im Mai 2018 explizit für die Betreuung des internationalen Geschäfts geholt worden – und musste dann spontan die Leitung übernehmen, als sein Vorgänger Jochen Halfmann zum Jahreswechsel das Unternehmen verließ.

Hall genießt das Vertrauen

Mit dem Ausscheiden von Everke wird gleichzeitig der Vertrag von Finanzchef Lutz Scharpe um weitere drei Jahre bis Juni 2023 verlängert. Hall hat sich bereit erklärt, das Unternehmen bis mindestens Ende April 2020 zu führen. Der Aufsichtsrat will parallel „einen strukturierten Prozess zur langfristigen Neubesetzung der Position des Vorstandsvorsitzenden“ einleiten. Hall wird dabei ausdrücklich als Kandidatin genannt.

„Wir haben großes Vertrauen in Vanessa Hall, dass sie als CEO den unmittelbar vor uns liegenden Weg gemeinsam mit Lutz Scharpe und Johann Stohner, der seit dem 1. Juli 2019 als Chief Transformation Officer mit an Bord ist, erfolgreich gestalten wird“, lässt sich der stellvertretende Aufsichtsratschef Hinrich Stahl zitieren.

Ihre Führungsstärke hat sie als Chefin der Kette Yo! Sushi unter Beweis gestellt. Sie habe „einen unschätzbaren Beitrag zum Aufbau der Marke geleistet“, lobte Yo!-Sushi-Chairman Robin Rowland, als sie das Unternehmen 2015 im Rahmen eines Eigentümerwechsels verließ. Zuvor hatte sie als Operations Director bei den britischen Restaurantketten Mitchells & Butlers und All Bar One gearbeitet.

Dass sie auch restrukturieren kann, hatte sie beim Softdrinkhersteller Britvic gezeigt. Dort musste sie als Finanzdirektorin ein Kostensenkungsprogramm vorantreiben – Stellenabbau inbegriffen. Doch bevor sie bei Vapiano richtig loslegen kann, muss zunächst noch eine Formalie erledigt werden. Da Halls Bestellung zur Aufsichtsrätin am 21. August endet, muss sie am Mittwoch auf der Hauptversammlung erst wieder in das Kontrollgremium gewählt werden, bevor der Aufsichtsrat sie in den Vorstand entsenden kann.

Doch das dürfte nur eine Formsache sein. Bei Vapiano haben drei Großaktionäre das Sagen: die Familie Herz, die über ihren Mayfair-Beteiligungsfonds 47,4 Prozent hält, der Vapiano-Mitgründer Gregor Gerlach mit 17,75 Prozent und die Wella-Erben Hans Joachim und Gisa Sander mit 15,5 Prozent. Und deren Segen hat Hall – zumindest zurzeit.

Mehr: Die angeschlagene Restaurantkette bekommt Kredit von ihrem Gründer, den Wella- und den Tchibo-Erben. Der Jahresabschluss wurde aber erneut verschoben.

Startseite

Mehr zu: Interimschefin - Vanessa Hall könnte mehr als eine Notlösung für Vapiano sein

0 Kommentare zu "Interimschefin: Vanessa Hall könnte mehr als eine Notlösung für Vapiano sein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote