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Intralogistik Wie der Jungheinrich-Chef sein Unternehmen krisenfest gemacht hat

Anfangs wurde Lars Brzoska für seinen Krisenmanagement heftig kritisiert. Nach einem Jahr im Amt zieht er ein positives Resümee – und liefert Dividende.
27.08.2020 - 17:12 Uhr Kommentieren
So macht der Jungheinreich-Chef den Staplerhersteller krisenfest Quelle: Jungheinrich AG
Lars Brzoska

Zunächst fanden ihn die Analysten zu konservativ für eine Börsenstory.

(Foto: Jungheinrich AG)

Düsseldorf Virtuelle Hauptversammlungen, wie sie in der Coronakrise zur Regel geworden sind, haben keinen besonders guten Ruf. Es fehlt an Lebendigkeit und der Chance, Rückfragen zu stellen. Beim Hamburger Intralogistikspezialisten und Staplerhersteller Jungheinrich war am Donnerstag der Unterschied zur Präsenzveranstaltung allerdings gar nicht so groß. Denn: Alle Stimmrechte liegen bei den Unternehmerfamilien Wolf und Lange, den Vorzugsaktionären hingegen fehlt es an Einfluss.

Für Vorstandschef Lars Brzoska ist das ein Segen. Es bestehe ein „großes Vertrauensverhältnis zu beiden Gesellschafterfamilien“, die gerade auch in der Krise klar zum Unternehmen stünden. „Dafür sind wir sehr dankbar.“
Ein bisschen hatte Brzoska eine Krise selbst ausgelöst, als er mit seinem Amtsantritt am 1. September 2019 gleich in den Krisenmodus geschaltet hat. Seit Mai hätten sich die Anzeichen für eine globale Rezession gemehrt, erinnert er sich.

Der Manager, der schon seit sechs Jahren im Vorstand des 1953 gegründeten Unternehmens wirkte, fuhr Material- und Sachkosten zurück, stoppte Neueinstellungen und strich Budgets. Das kam nicht immer gut an, weder intern noch extern. Die Führung intensivierte das Cash-Management und senkte die Nettoverschuldung. „Kurzum, wir haben uns Liquidität verschafft“, sagt der 47-Jährige.

Spätestens am 18. Dezember aber schockierten Brzoska und Jungheinrich die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die Aktie sackte um rund sechs Euro auf 20 Euro ab. Bei Analysten und Aktionären war die Kritik groß. Brzoska nahm die Schelte an. „Es wurde gesagt, wir seien viel zu konservativ für eine Börsenstory.“ Im März folgte der nächste Kurseinbruch, die Aktie verlor noch einmal deutlich mehr und näherte sich der 10-Euro-Marke.

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    So tief war die Aktie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren nicht mehr gefallen. Mit den Erfahrungen der Covid-19-Pandemie zieht er dennoch eine positive Bilanz: „Persönlich beziehe ich lieber am Anfang einer Krise von den Analysten für vermeintlich zu große Vorsicht Prügel als am Ende.“ Wenn man überzeugt sei, das Richtige zu tun, dann schlucke er gern negative Kommentare.

    Jedenfalls hielt sich die Kurzarbeit bei Jungheinrich in engen Grenzen, Geld vom Staat brauchte das Unternehmen mit 18.000 Mitarbeitern nicht. Die Lehren daraus: Wer sich rechtzeitig gegen schlechte Zeiten wappnet, kommt auch mit externen Schocks wie einer Pandemie besser zurecht.

    So sieht es auch Steffen Kraus von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Jungheinrich sei bislang so gut durch die Corona-Pandemie gekommen, weil Brzoska die Krise so früh ausgerufen habe. Doch all das steht natürlich unter der Prämisse, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird. Denn, so sieht es auch Brzoska: Krisen sind nicht miteinander vergleichbar, und die aktuelle ist noch nicht ausgestanden.

    Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zeigte sich nach der Hauptversammlung am Donnerstag grundsätzlich zufrieden. Die Besitzer von Vorzugsaktien, die beim Aktionärstreffen nicht stimmberechtigt sind, bekommen 0,48 Euro Dividende, die Stammaktionäre zwei Cent weniger. Neumann fehlt aber eine mittelfristige Ergebnisprognose, die abzugeben während der Pandemie nicht einfach ist, vor allem was die Margen betrifft.

    Die vom jetzigen Aufsichtsrats- und früheren Vorstandschef Hans-Georg Frey avisierte Marge von acht Prozent sei bislang nicht revidiert worden. Brzoska und sein Vorstandsteam, zu dem seit Jahresbeginn auch die ehemalige Kion-Managerin Sabine Neuss gehört, verweisen auf das vierte Quartal, dann erst soll die neue Strategie vorgestellt werden.

    Mitarbeiter vor Ort gebraucht

    Brzoska sieht sich ganz in der Tradition von Helmut Schmidt, der sagte: „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Auch bei seinem Vorgänger, dem heutigen Aufsichtsratschef Frey, stand eine Krise ganz zu Beginn seiner Amtszeit. Schon während der Wirtschafts- und Finanzkrise sackte die Aktie auf rund zehn Euro hinab. Frey musste 1000 Mitarbeiter entlassen, seine schwerste Entscheidung, wie er immer wieder betonte. Dass er seitdem 8000 neue Mitarbeiter einstellen konnte, ist Frey wichtig.

    Brzoska hat es da besser. Er muss sich nicht um Restrukturierungen kümmern, keine Sozialpläne ausarbeiten lassen und keine betriebsbedingten Kündigungen veranlassen. Und das, obwohl die aktuelle Krise die Realwirtschaft heftiger trifft.

    Brzoskas schwierigste Entscheidung des ersten Amtsjahres war eine andere. Mit dem Beginn der Coronakrise hatte Jungheinrich umgehend alle Innendienstmitarbeiter weltweit ins Homeoffice geschickt. Die Mitarbeiter in den Werken und im Kundendienst aber wurden vor Ort gebraucht.

    „Das war eine schwere Abwägung, die Mitarbeiter so differenziert behandeln zu müssen“, findet der Familienvater. Doch so weit wie der Hochdruckreinigerspezialist Kärcher ging Jungheinrich dennoch nicht. Dieser hatte eine Antrittsprämie ausgegeben, bei Jungheinrich gab es eine groß angelegte Dankesaktion. Denn der Vorstandschef stellt auch ganz nüchtern fest: „Wenn alle daheimbleiben und etwa keine Stapler mehr gebaut oder durch den Kundendienst betreut werden und dann das Unternehmen pleitegeht, ist auch keinem geholfen.“

    Aktuell sind gerade einmal 20 Prozent der Innendienstmitarbeiter in der Zentrale in Wandsbek, der Rest arbeitet weiter von zu Hause aus. Brzoska will auch nicht wieder in den alten Modus verfallen. Maximal 30 Prozent sollen es erst einmal sein. Gerade arbeitet das Management an einem Konzept zur Zukunft der Arbeit beim Hamburger Unternehmen. Brzoska war wie sein Vorgänger zunächst skeptisch, heute ist er begeistert, wie Homeoffice funktioniert.

    Mehr: Jungheinrich-Chef erhält Vertrauensvorschuss von den Aktionären

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