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Investment bei Neodigital Carsten Maschmeyer drängt in die Versicherungsbranche zurück

Der einstige Vertriebsprofi beteiligt sich an einer Insurtech-Firma. Die etablierten Versicherungskonzerne müssten sich „ganz warm anziehen“, warnt er.
08.01.2020 - 12:24 Uhr 2 Kommentare
Über die von ihm gegründete Risikokapitalfirma Alstin Capital steigt der Unternehmer jetzt nach Jahren der Branchen-Abstinenz mit mehreren Millionen Euro bei dem saarländischen Insurtech-Start-up Neodigital ein. Quelle: www.franksiemers.com
Carsten Maschmeyer

Über die von ihm gegründete Risikokapitalfirma Alstin Capital steigt der Unternehmer jetzt nach Jahren der Branchen-Abstinenz mit mehreren Millionen Euro bei dem saarländischen Insurtech-Start-up Neodigital ein.

(Foto: www.franksiemers.com)

Düsseldorf Auf den ersten Blick ist es nur irgendeine Finanzierungsrunde irgendeiner Tech-Butze. Auf den zweiten will die Risikokapitalfirma Alstin Capital bei der kleinen saarländischen Neodigital AG einsteigen.

Auf den dritten ist es dann aber noch weit mehr: Denn Alstin-Gründer und -Partner ist Carsten Maschmeyer, und der kehrt mit dem Deal ins Versicherungsbusiness zurück, was der 60-Jährige selbst durchaus amüsant findet: „Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet ich noch mal die Versicherungsbranche aufrollen würde?“, fragt der Unternehmer und gibt sich die Antwort gleich selbst: er. Seit eineinhalb Jahren schon suchte er nach einem passenden Insurtech-Start-up für den Neueinstieg in das Gewerbe, das ihm nur allzu vertraut ist aus einer nicht nur strahlenden Vergangenheit.

Wer es gut mit Maschmeyer meint, sagt, dass der ja einst seinen Strukturvertrieb AWD höchst erfolgreich auf- und ausgebaut und damit das Finanz- und Versicherungsgeschäft neu definiert hat. Andere wettern bis heute gegen den „Drückerkönig“, der damals zum Hassobjekt etlicher Kleinanleger wurde, die bei allzu riskanten Geschäften ihr Geld verloren.

Maschmeyer selbst ficht das nicht mehr an. Seit dem Verkauf seines Unternehmens an Swiss Life im Jahr 2008 werkelt er mit großem Enthusiasmus an der Korrektur des eigenen Images: Er schrieb Bestseller („Die Millionärsformel“), spendete viel Geld für wohltätige Zwecke, hielt Vorträge, stellte sich in Talkshows, rasierte sich sogar den Achtzigerjahre-Schnauzer ab und stieg schließlich in der Start-up-Castingshow „Die Höhle der Löwen“ bei Vox zu einer Art TV-Pate deutscher Jungunternehmer auf.

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    So wird man Millionär

    Die nachwachsenden Generationen wollen von „Maschi“, der er für seine Fans ist, nichts mehr über den AWD wissen oder die Schattenseiten geschlossener Immobilienfonds, aber alles übers Unternehmertum und Reichwerden. „Wie wird man Millionär?“, fragte einst Virgin-Gründer Richard Branson und gab sich spöttisch selbst die Antwort: „Man ist Milliardär und kauft sich eine Airline.“

    Bei Maschmeyer scheint es besser gelaufen zu sein, sicher nicht nur, weil er von der Luftfahrt die Finger gelassen hat. Rund 80 Beteiligungen zählt er mittlerweile in seinem weitverzweigten Beteiligungsreich. Ein Viertel der Deals hat er in den vergangenen drei Jahren allein in den USA abgeschlossen.

    Darin gibt es größere Firmen als Neodigital, aber wohl keine, die Maschmeyer mit so viel Nostalgie an seine Sturm-und-Drang-Zeiten erinnert. Neodigital wurde 2016 gegründet – von jungen Fachleuten, die einst bei der Baden-Badener Versicherung angefangen haben und nun Tech- und Versicherungsverstand gleichermaßen mitbringen.

    Das kleine Unternehmen aus Neunkirchen agiert als eigenständige Versicherung. Es bietet vor allem Hausrat-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen an und kooperiert unter anderem mit dem Vermittler Check 24. Es will seine Prozesslösungen aber auch anderen Assekuranzen zur Verfügung stellen. Dank eines „modularen Baukastensystems“ versteht man sich als echter „Prozessbeschleuniger“. Maschmeyer findet dieses Zwei-Säulen-Geschäftsmodell prima: „Es gibt ja auch in der gesamten Natur kein Lebewesen, das auf einem Bein unterwegs ist.“

    Als er vor 40 Jahren in der Branche startete, hätte er sich „gewünscht, dass es solche reinen Digitalversicherer schon gegeben hätte. Denn wenn alle Prozesse digital sind, können sich die Vertriebspartner heute auf die wirklich komplexen und beratungsintensiven Fälle konzentrieren“, so Maschmeyer. „Das standardisierte Geschäft kann man der Software überlassen. Außerdem können etablierte Versicherer mithilfe von Neodigital heute sehr schnell rein digitale Versicherungsprodukte an den Markt bringen und diese in kürzester Zeit auf die Kundenwünsche anpassen.“ Für ihn sei die Firma „daher ein Highlight. So hatte ich mir meinen Einstieg in die Insurtech-Szene vorgestellt“, sagt Maschmeyer.

    Seine schöne neue Versicherungswelt: Wenn mal was schiefgeht, ist der Algorithmus schuld und nicht ein provisionsgetriebener Haustürverkäufer wie früher. Er selbst hätte sich wahrscheinlich einige Prozesse und miese Schlagzeilen erspart.

    „Aus dem einstigen Kunden-Maschmeyer wird nun der Online-Carsten“, lacht er und wird nur einsilbig, wenn es um die Höhe seines neuen Investments geht. Intern wird geraunt, dass Alstin (die Kurzform für „Alternative Strategic Investments“), wo Maschmeyer als Managing Partner fungiert, nun mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag eingestiegen ist.

    Gemeinsam mit der Deutschen Rückversicherung, wo man die Euphorie teilt: „Von der Stabilität und Solidität der neuen Rückversicherungspartnerschaft zwischen Neodigital und der Deutschen Rück als einem der führenden Rückversicherer in Deutschland werden beide Unternehmen gleichermaßen profitieren“, versichert Achim Bosch, Vorstandsmitglied des Unternehmens. Eigenem Bekunden nach ist Neodigital „die erste komplett digitale Versicherung mit Bafin-Lizenz im deutschen Markt“.

    Die Platzhirsche sterben

    Maschmeyers Alstin versteht sich indes klar als Lead-Investor und dürfte bei Neodigital künftig einen zweistelligen Prozentanteil kontrollieren. Die Firma kommt unterm Strich auf eine hohe zweistellige Millionenbewertung – und hat mit ihren aktuell rund 30 Mitarbeitern noch viel vor. Co-Gründer Stephen Voss, der das Unternehmen gemeinsam mit Dirk Wittling führt, verspricht, die Palette der Produkte und Services schon jetzt, gerade einmal eineinhalb Jahre nach Markteintritt, „deutlich zu erweitern“. Die Rede ist von den Versicherungsbereichen Kfz, Rechtsschutz und Wohngebäude.

    Überhaupt müssten sich die etablierten Versicherungskonzerne gerade beim Thema Sachversicherungen in den nächsten Jahren „ganz warm anziehen“, orakelt Investor Maschmeyer. Künstliche Intelligenz, Data Analytics und andere Revolutionen sieht er als „die größte Umwälzung in der Geschichte der ganzen Branche. Das werden nicht alle der alten Platzhirsche überleben.“ Und weiter: „Wir sind mit Alstin Capital dabei, wenn Neodigital der Versicherungsbranche einen Digitalisierungsschub verpasst.“

    Die markigen Ansagen klingen schon fast wie früher, auch wenn Neodigital wohl nichts für die Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ wäre: zu nerdig, zu zahlenlastig, zu kompliziert für eine Show, in der eher Smoothie-Produzenten oder Erfinder von veganem Tierfutter reüssieren.

    Maschmeyer, der sich gerade bei der Tech-Messe CES in Las Vegas nach neuen Anlagemöglichkeiten umschaut, verspricht für die nächste Staffel des Castingformats aber auch: „Es wird hoffentlich mehr Tech-Firmen als Food- und Regalprodukte geben.“

    Mehr: Die Rendite von Renten- und Kapitallebensversicherungen ist im Niedrigzinsumfeld oft gering. Neuabschlüsse ergeben nur noch selten Sinn. Welche Policen sich lohnen – und welche nicht.

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    2 Kommentare zu "Investment bei Neodigital: Carsten Maschmeyer drängt in die Versicherungsbranche zurück"

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    • Hat er nicht schon genug unbedarfte Leute übern Tisch gezogen?

    • ...er sollte lieber wieder einige Bücher für Politiker finanzieren, das kann er offensichtlich gut!

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