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Investmentfonds Softbank-Gründer Masayoshi Son gibt sich unbeirrbar

Softbank muss nach dem Kollaps von WeWork Milliarden abschreiben. Doch trotz des Verlusts zieht der Milliardär eine positive Bilanz.
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Der Milliardär hält an WeWork fest. Quelle: Bloomberg
Masayoshi Son

Der Milliardär hält an WeWork fest.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Ernster Blick, violette Krawatte – Softbank-Gründer Masayoshi Son hatte bei der Vorstellung der Quartalsbilanz einen guten Grund für einen förmlichen Auftritt. Japans Investorenlegende musste um Vertrauen werben. Denn der Wert der höchsten Wette des weltgrößten Technikinvestors, des Büroanbieters WeWork, ist dieses Jahr kollabiert.

Softbank musste seine Investition mit einem fast zehn Milliarden Dollar teuren Hilfspaket retten. Zudem befindet sich der Aktienkurs des Mitfahrdiensts Uber seit dem Börsengang im Rückwärtsgang – mit schweren Folgen für Investor Softbank.

„Dieses Mal ist die Bilanz überhaupt nicht gut“, gestand Son ein. Denn die Wertberichtigungen für Sons gefallene Sterne drückten Softbanks Betriebsergebnis im zweiten Quartal des seit April laufenden Bilanzjahres 704 Milliarden Yen (5,8 Milliarden Euro) in die Verlustzone. Das sei der höchste Verlust der Firmengeschichte, so Son. Aber wer deshalb einen Büßer auf der Bühne erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Sicher bereue er einiges an seinem WeWork-Engagement. Vor allem habe er bei den negativen Seiten des gerade geschassten extravaganten Gründers Adam Neumann oft die Augen zugedrückt, gestand Son ein. Neumann hatte seinen Aktien höhere Stimmrechte und Familienmitgliedern Geschäfte gesichert. Doch ansonsten verteilte Son Erfolgsbotschaften.

Medien und Märkte würden Sons 100 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Fund und Softbank selbst in schwerem Seegang wähnen und sich sogar eine Pleite von WeWork und Softbank ausmalen, so Son. „Aber aus meiner Sicht fahren wir durch glatte See.“

Angesichts der Wertberichtigungen hört sich diese Behauptung unglaublich an. Tatsächlich jedoch verblasst die gegenwärtige Krise im Vergleich zu Sons finanzieller Nahtoderfahrung zur Jahrtausendwende. Damals lösten sich nach dem Platzen der „Dot-com-Blase“ 97 Prozent des Vermögens des damals reichsten Japaners innerhalb weniger Monate in Luft auf.

Davon kann derzeit nicht die Rede sein. „In der Zeit unseres größten Verlusts stieg der Netto-Aktionärswert von Softbank auf einen neuen Rekord“, betonte Son. Von 173 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 185 Milliarden Euro heute, um genau zu sein.

Nach Sons Ansicht übersehen seine Kritiker die guten Seiten seiner Vision, die der heute 62-Jährige seit seinem Studium der Computerwissenschaften in Kalifornien verfolgt. Nach dem Studium kehrte der Sohn koreanischer Einwanderer nach Japan zurück, weil er sich daheim als Querkopf größere Karrierechancen ausrechnete als im an Querdenkern reichen Amerika.

1981 gründete er Softbank als Softwarevertrieb. Doch schon damals sah er sich nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Investor auf Mission.

Mit dem Geld seiner Geschäfte und noch mehr geliehenem Kapital kaufte er immer größere Unternehmen auf und wettete auf Start-ups. Er wollte Softbank zu einem der größten Konzerne im Computerzeitalter und heute zur Krone Künstlicher Intelligenz aufbauen. „Softbanks Kerngeschäft ist die Informationsrevolution“, lautet sein Credo.

Das große Portfolio an Beteiligungen hilft nun Softbank mit Kursgewinnen und Dividenden über die Schwäche einiger Mega-Start-ups hinweg. Besonders die jüngsten Kursgewinne von Chinas Online-Handelsplattform Alibaba, sein bisher größter Coup.

Mit dem Softbank Vision Fund setzte Son noch mehr auf das Gesetz der großen Zahl. 2016 überzeugte er den saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman, mit ihm gemeinsam auf Einhorn-Jagd zu gehen.

„Einhörner“ sind so etwas wie das Großwild der Start-up-Welt: Unternehmen mit einem Wert von mindestens einer Milliarde Dollar. Inzwischen hat der Fonds bereits sein gesamtes für Investitionen vorgesehenes Kapital in rund 90 Unternehmen investiert, darunter auch deutsche Firmen wie Wirecard.

Und auf jedes Unternehmen, dessen Wert gesunken sei, kämen drei mit Wertsteigerungen, erklärte Son. Mehr noch: Der interne Zinsfuß, ein Maß für die Rendite von Investmentfonds, ist zwar wegen des WeWork-Debakels von über 40 auf unter 30 Prozent gefallen. Aber der Wert läge noch immer doppelt so hoch wie die 13 Prozent, die die Risikokapitalgeber im Schnitt für ihre Kunden erzielten, trumpfte Son auf.

Doch selbst den Büroanbieter WeWork will Son nicht aufgeben. Er und sein Team hätten schon viele Konzerne saniert. In 18 Monaten werde auch WeWork „hochprofitabel“ sein, versprach Son.

Der neue Mehrheitseigner hat schon WeWorks rasante und teure Expansion gestoppt, werde Personal entlassen und unprofitable Seitengeschäfte verkaufen oder einstellen. Erst wenn die Gewinne fließen, wird der Büroanbieter wieder expandieren dürfen.

Der Investor gibt sich lernwillig

Sons Problem bleibt allerdings, die Investoren von seiner Erfolgsgeschichte zu überzeugen. Generell werde die Aktie wie die vieler Holdinggesellschaften mit großem Abschlag auf den Buchwert gehandelt, sagt ein Analyst eines ausländischen Fonds, der nicht genannt werden will. „Denn bei diesen Holdings kann man kaum nachprüfen, wie viel die einzelnen Teile wirklich wert sind.“

Viele Anleger glauben, dass Softbank zu viel Geld investiert und damit eine Start-up-Blase erzeugt habe. Die Stürze von WeWork und Uber bestraften die Anleger daher hart. Seit dem Frühjahr verlor Softbank etwa ein Drittel an Marktwert und wird laut Son 60 Prozent unter Buchwert gehandelt.

Doch solange die WeWork-Episode nicht verarbeitet sei, Softbank seine Lage nicht transparenter veröffentliche und seine Investitionsstrategie besonders in fallenden Märkten erkläre, „gibt es keinen soliden Anker“ für Softbanks Bewertungen, warnte Atul Goyal, Analyst von Jefferies.

Dass Son auf die Bedenken einging, verriet ein wenig, wie sehr ihn das WeWork-Desaster wurmt. Er habe ein Monster gezeugt, soll er intern eingestanden haben. So weit ging er am Mittwoch nicht. Aber er erklärte, dass Softbanks Investitionskriterien noch strikter angewendet werden sollten.

Und er gab sich lernwillig. „Ich beginne zu denken, dass wir beim Zeitpunkt von Börsengängen vorsichtiger sein sollten“, räumte er ein. Außerdem versprach er, die Machtfülle einiger Gründer nicht mehr zu akzeptieren und mehr auf Gewinne zu achten.

Letztlich gab er sich allerdings unbeirrbar: „Ich habe die Lehren gezogen, aber unsere Strategie wird sich nicht ändern.“

Ein zweiter Softbank Vision Fund sei in Arbeit, versicherte Son. Schließlich glaubt der Roboterfan daran, dass mit Künstlicher Intelligenz der Datenverkehr exponentiell wachsen wird. Und niemand sollte bei ihm auf Altersmilde hoffen. „Egal, wie alt ich bin, meine Richtung ändert sich nie“, schwor Son.

Mehr: WeWork will nach dem geplatzten Börsengang auch in Europa Jobs streichen. Standortschließungen soll es aber Insidern zufolge nicht geben.

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