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Italienischer Modekonzern Börsengang als Zeichen der Stärke: Ermenegildo Zegna wagt den Schritt an die Wall Street

Über einen Spac geht die Modefamilie Zegna an die New Yorker Börse. Das italienische Traditionsunternehmen soll dadurch mindestens 3,2 Milliarden Dollar wert sein.
19.07.2021 - 18:50 Uhr Kommentieren
Er will das Digitalgeschäft massiv vorantreiben und weiter wachsen. Quelle: Dirk Bruniecki für Handelsblatt
Firmenchef Ermenegildo Zegna

Er will das Digitalgeschäft massiv vorantreiben und weiter wachsen.

(Foto: Dirk Bruniecki für Handelsblatt)

Rom Seine Firma in Amerika groß machen – davon träumte Ermenegildo Zegna schon in den 1980er-Jahren. Damals kam er frisch von der Harvard Business School, stieg in die Familienfirma ein, die sein Großvater 1910 gegründet hatte. Gut 40 Jahre später wird der Traum nun Wirklichkeit: Der Modekonzern aus Mailand wagt den Schritt an die Wall Street. Im Lauf des vierten Quartals soll der Börsengang abgeschlossen sein, das Unternehmen wird dann mindestens 3,2 Milliarden Dollar wert sein.

„Nichts wird sich ändern“, betont Zegna bei der Verkündung des Deals via Videokonferenz. Die Kontrolle bleibe auch künftig bei der Familie. Ermenegildo „Gildo“ Zegna selbst, Jahrgang 1955, wird die Firma weiterhin als Chairman und CEO führen – ein Amt, das er schon 1997 übernahm. Seine Schwester Anna und Cousin Paolo werden im Board sitzen.

„Das Projekt hat die volle Unterstützung der Familie, nicht nur von meiner Generation, auch von meinen Kindern“, erklärt Zegna, der im Sakko an seinem Schreibtisch sitzt, dicke Bücher vor sich, hinter ihm Regalreihen mit Schwarz-Weiß-Fotos.

Rund 62 Prozent halten die Zegnas künftig noch an der Firma, elf Prozent bekommt Investindustrial Acquisition Corp (IIAC) – ein Spac, über dessen Hilfe Zegna an die Börse geht.

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    Das Finanzvehikel gehört zur britischen Private-Equity-Gesellschaft Investindustrial, die Sergio Ermotti leitet, bis vergangenes Jahr noch Chef der Schweizer Großbank UBS. „Es ist eine Langzeitpartnerschaft“, betonte Ermotti. „Unser Ziel ist es, Zegna weiter beim Wachstum zu unterstützen.“ Für ihn sei die Firma eine „der ikonischsten Luxusmarken der Welt“.

    Zegna betreibt sogar eigene Schaffarmen

    Vor mehr als 111 Jahren gründete Zegnas Großvater Ermenegildo die Firma als reinen Stoffhersteller in Trivero, ein kleines Örtchen im Nordwesten Italiens. Angefangen hat das Unternehmen mit vier Webstühlen und wuchs schon in den 30ern auf 1000 Mitarbeiter an.

    Ende der 1960er-Jahre begannen die Zegnas mit eigenen Anzugkollektionen für Männer, ab 1972 auch mit Maßanfertigung. Noch heute gehört das Geschäft „a misura“ zum Kern von Zegna: Rund 10 Prozent machen maßgeschneiderte Textilien immer noch aus.

    2018 investierte Zegna das erste Mal stark in seine US-Präsenz: Damals übernahmen die Italiener 85 Prozent der Modemarke Thom Browne, den Rest hält der gleichnamige Designer. Ein Deal, der rund eine halbe Milliarde Dollar gekostet hat und ein überfälliger Schritt war, um Zegna zu verjüngen und neuen Käuferschichten zu öffnen: Anders als Zegna produziert das Label auch Damenmode.

    Doch auch die Italiener haben sich in den Jahren breiter aufgestellt: Neben Kleidung und Schuhen vertreibt Zegna heute per Lizenzgeschäft auch Brillen und Parfüms. Der Ursprung ist aber weiterhin der Stoff. Noch immer wird ein Großteil in Trivero hergestellt, obwohl die Gruppe längst in Mailand sitzt. Zegna kontrolliert fast die gesamte Wertschöpfungskette, hat viele italienische Spezialfirmen unter seinem Dach, betreibt sogar eigene Schaffarmen für die Wolle.

    Warum geht Zegna ausgerechnet an die New Yorker Börse, warum nicht nach London oder Mailand? „Es gab kein Rennen zwischen anderen Börsenorten und New York“, erklärt Zegna. Sie seien von Ermotti angesprochen worden, er hatte die Idee des Spacs. „Das Timing ist perfekt, das Luxus-Business ist sehr herausfordernd geworden“, erklärt Zegna. Sie seien da sehr froh, so einen Partner zu haben.

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    In der Pandemie brach der Zegna-Umsatz um 20 Prozent ein

    Wie die gesamte Branche hat auch Zegna stark unter der Pandemie gelitten. 2020 brach der Umsatz um 20 Prozent auf gut eine Milliarde Euro ein. Für CEO Zegna war die Pandemie die herausforderndste Zeit seines Lebens, wie er zugibt. Aber er versuchte die negativen Erlebnisse, die Traurigkeit und Einsamkeit ins Positive zu drehen. Zegna stellte in der Coronakrise Schutzmasken her, spendete medizinisches Equipment.

    Seiner Firma verordnete er gleichzeitig eine „Diät“, wie er es nennt: In der Verwaltung konnte er so die Kosten um 20 Prozent verringern. Durch das Sparprogramm will er schon bald wieder die Zahlen von 2019 erreichen. Schulden habe die Firma keine.

    Mit dem frischen Geld will Zegna vor allem organisch wachsen. „Im Digitalen können wir noch sehr viel besser werden“, findet der Patriarch. Das Omnichannel-Geschäft will er massiv ausbauen. Rund 6000 Mitarbeiter hat die Gruppe derzeit, betreibt 296 Boutiquen in mehr als 80 Ländern. Die USA sind einer der Schlüsselmärkte für Zegna. Neben China, wo die Gruppe schon seit 1991 aktiv ist und das zuletzt rund 35 Prozent des Textilgeschäfts ausmachte.

    Aber auch die Vereinigen Arabischen Emirate würden stark wachsen. Die Boutique mit den größten Umsätzen weltweit: das Geschäft in der Dubai Mall, für Zegna wegen der Kunden aus aller Welt mittlerweile eine Art „Test-Plattform“.

    Gefüllte Kasse: Ermenegildo Zegna ist offen für Zukäufe

    Der Börsengang ist indes ein Zeichen der Stärke, ein klarer Gegensatz zu den vielen italienischen Modehäusern, die sich in den vergangenen Jahren unter das Dach ausländischer Investoren geflüchtet haben. Arabische Fonds kauften etwa Valentino, Michael Kors aus den USA griff bei Versace zu. Die meisten Unternehmen des „Made in Italy“ gehören heute zu einem der großen französischen Luxuskonglomerate: Gucci und Brioni sind Teil von Kering, Fendi und die Schmucksparte von Bulgari gehören zu LVMH.

    Zuletzt gab es aber zunehmend ermutigende Nachrichten für den Standort Italien: Ende vergangenen Jahres übernahm die für ihre Luxus-Daunenjacken bekannte Marke Moncler den italienischen Konkurrenten Stone Island. Im März kaufte die Holding von Diesel-Gründer Renzo Rosso die einst deutsche Modemarke Jil Sander.

    „Wenn man global denkt, ist New York der logische Anlaufpunkt“, meint der Würzburger Markenexperte Karsten Kilian. Der Börsengang erhöhe vor allem die Sichtbarkeit in den USA. Verglichen mit Marken wie etwa Gucci sieht Kilian noch ein großes Wachstumspotenzial, allein was die Filialen angeht: „Der Börsengang ist ein Indikator dafür, dass Zegna sich sein eigenes kleines Konglomerat schaffen will.“

    Zegna selbst redet nicht von einem Konglomerat, das Projekt sei ein industrielles – und kein finanzielles. Trotzdem: Zukäufe schließt auch er nicht aus. Selbst wenn aktuell „nichts Konkretes“ auf dem Tisch liege, nach potenziellen Übernahmekandidaten schauen sie immer. Die Kasse ist dafür nach dem Börsengang bestens gefüllt: 880 Millionen Dollar soll der Deal der Zegna-Familie bringen.

    Mehr: Wie eine Familie aus Norditalien gegen den Rivalen Birkenstock kämpft

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