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Jahresbilanz Wie der Familienkonzern Werhahn die Krisen-Folgen abfedert

Das Baustoffgeschäft stagniert, die Messer-Marke Zwilling lahmt weiter. Doch der Neusser Werhahn-Clan findet einen Ausgleich im eigenen Portfolio.
02.07.2020 - 15:02 Uhr Kommentieren
Seit Kurzem baut Zwilling mit seinem Digitalcampus in Solingen den Internetvertrieb und das Social-Media-Marketing massiv aus. Quelle: Wilh. Werhahn KG, 2021
Zwilling-Messer

Seit Kurzem baut Zwilling mit seinem Digitalcampus in Solingen den Internetvertrieb und das Social-Media-Marketing massiv aus.

(Foto: Wilh. Werhahn KG, 2021)

Düsseldorf Nicht alle Eier in einen Korb legen – unter diesem Leitspruch besteht die Neusser Familienfirma Wilh. Werhahn KG seit beachtlichen 179 Jahren. Steinbrüche, Friseurbedarf, Leasing- und Factoringbanken, aber auch den Solinger Messerhersteller Zwilling vereint der 420-köpfige Clan unter dem Dach des Unternehmens.

Das Modell des Mischkonzerns, von Analysten wegen der fehlenden Synergien traditionell gescholten, erweist sich nun in der Coronakrise für Werhahn als Segen. „Die Strategie der Diversifikation“, übersetzte Vorstandschef Paolo Dell’ Antonio am Donnerstag die Eierkorb-Philosophie in Management-Sprech, „sorgt für anhaltende Stabilität.“

Eine detaillierte Prognose für 2020 wagt der familienfremde Vorstandssprecher, der seinen langjährigen Vorgänger Anton Werhahn 2018 ablöste, derzeit zwar nicht. Bis auf den kleinen Bereich Friseurbedarf, dem unter dem Lockdown die Umsätze wegbrachen, blieben die Auswirkungen der Pandemie auf die übrigen Sparten aber überschaubar.

„Die Baustellen sind weiter offen“, erhofft sich Dell’ Antonio ein weitgehend störungsfreies Geschäft mit Natursteinen und Schiefer, das mit 1,4 Milliarden Euro im zurückliegenden Jahr der Hauptumsatzträger blieb. Allein der vorübergehende Teilausfall der Baubehörden habe für Verzögerungen gesorgt.

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    Auch beim Markenprodukt Zwilling zeigt sich der Vorstandssprecher nach einem kurzen Einbruch optimistischer. „In China läuft das Geschäft wieder weitgehend normal“, berichtet er. In anderen Märkten, in denen wie in Deutschland die Läden schließen mussten, habe man mit dem Onlinehandel gegensteuern können.

    Seit Kurzem baut Zwilling mit seinem Digitalcampus in Solingen den Internetvertrieb und das Social-Media-Marketing massiv aus. „Die Coronakrise hat den Transfer vom Verkauf in den Läden hin zum Onlinehandel nun deutlich beschleunigt“, stellt Dell’ Antonio fest.

    Finanzprodukte als neue Triebfeder

    Die eigentlichen Hoffnungsträger in Neuss sind allerdings nicht das Baustoff- und das Messergeschäft, zumal beide bereits im Vorjahr zwei Prozent an Umsatz verloren. Die neue Triebfeder des Werhahn-Konzerns, der seinen Vorsteuergewinn 2019 von 52 auf 116 Millionen Euro verbessern konnte, ist das Geschäft mit ausgeklügelten Finanzprodukten.

    So schaffte die auf Leasing und Factoring spezialisierte ABC-Finance 2019 einen Umsatzsprung von acht Prozent, während die Schwesterfirma Bank11 ihr Kreditvolumen in der Kfz-Branche um 26 Prozent steigerte.

    Alexander Boldyreff, der seit Mai 2019 für die Finanzdienstleistungssparte verantwortlich zeichnet, zeigt sich dabei zudem experimentierfreudig. In 60 Autohäusern bietet er und das Team der Bank11 unter der Marke „Smive“ Automobil-Abos an.
    Deren Monatsraten decken sämtliche Fixkosten des Fahrzeugs ab, allein tanken muss der Abonnent von seinem eigenen Geld.

    Nach sechs Monaten kann der Fahrzeughalter, wenn er will, das Abo wieder kündigen. Nach Angaben von Werhahn ist die Bank11 damit der erste Autofinanzierer, der sich auf das Gebiet der Abo-Dienste wagt.

    Konzipiert hatte Boldyreff das Angebot schon vor der Coronakrise. Nun aber dürfte es zahlreichen Autokäufern entgegenkommen, die angesichts drohender Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit das wirtschaftliche Risiko meiden.

    Die Resonanz sei gut, berichtet Boldyreff, auch wenn der große Durchbruch noch auf sich warten lasse. Dabei sei es keinesfalls nur die Coronakrise, die das Abo-Modell stütze. „Unter den Kunden herrscht große Unsicherheit, welche Antriebsart sich am Markt durchsetzt“, beobachtet der Werhahn-Vorstand. Das Auto-Abo erspare ihnen, sich langfristig festzulegen.

    Doch auch das Geschäft mit der Autofinanzierung springt offenbar wieder an, nachdem die Neuzulassungen und Ummeldungen im April und Mai um 60 Prozent zurückgegangen sind. „Der zeitweilige Einbruch hat uns längst nicht so stark getroffen wie vermutet“, berichtet Boldyreff. „Wir sehen auch in diesem Jahr eine Chance auf Wachstum.“

    Mehr: Werhahn-Gruppe steigt mit Bank11 in den Auto-Abo-Markt ein

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