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Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck Zwei Brüder aus Bielefeld bauen die Tesla-Fabrik in Brandenburg

Der Baukonzern Goldbeck hat sich einen der prestigeträchtigsten Aufträge der Branche gesichert. Die Trümpfe: System, Geschwindigkeit, beste Referenzen.
02.07.2020 - 21:10 Uhr Kommentieren
Die geschäftsführenden Gesellschafter des Bauunternehmens Goldbeck konnten sich den Auftrag für die Gigafactory Teslas sichern – ein Coup. Quelle: Goldbeck
Jan-Hendrik (l.) und Jörg-Uwe Goldbeck

Die geschäftsführenden Gesellschafter des Bauunternehmens Goldbeck konnten sich den Auftrag für die Gigafactory Teslas sichern – ein Coup.

(Foto: Goldbeck)

Düsseldorf Es ist ein Auftrag, auf den selbst der Senior stolz ist und für den er sowohl seinem ältesten als auch dem jüngsten Sohn auf die Schultern haut. Ortwin Goldbeck, heute 82 Jahre alt und seit mehr als zehn Jahren raus aus dem operativen Baugeschäft, weiß schließlich, wie wichtig solch prestigeträchtige Aufträge sind.

Jenseits dieses privaten Schulterklopfens bleiben die Goldbecks aber, wie immer, ostwestfälisch gelassen und wortkarg. Keine Feier, keine Pressekonferenz, auch wenn es um ein internationales Großprojekt geht. „Wir sind stolz, Teil des Teams zu sein, das die neue ‚Gigafactory‘ von Tesla in Brandenburg baut“, erklärt Jan-Hendrik Goldbeck auf Nachfrage des Handelsblatts. Und dann sagt er noch: „Es ist für uns ein Leuchtturmprojekt.“

Mehr darf und möchte der 44-Jährige, der das Familienunternehmen Goldbeck seit 2007 gemeinsam mit seinem älteren Bruder Jörg-Uwe (52) als geschäftsführender Gesellschafter leitet, auf Wunsch des Bauherrn nicht sagen. Insidern zufolge bauen die Goldbecks den größeren Teil der Produktions- und Lagerhallen für den Autobauer aus Kalifornien. Das Auftragsvolumen: geschätzte 200 Millionen Euro.

Für die Goldbecks ist das ein stattlicher Auftrag, bei dem sie zwar voll in ihrem Element – Systematik und Geschwindigkeit – sein werden, aber keiner, der sie vom Volumen her besonders fordert. Ihr Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stets zweistellig gewachsen. 2019 erreichten die Goldbecks einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. 7500 Menschen arbeiten inzwischen in 70 Niederlassungen in Deutschland und Europa für die Bielefelder.

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    550 Bauprojekte wickeln die Goldbecks pro Jahr in Deutschland und Europa ab. Sie bauen Parkhäuser, Logistik- und Produktionshallen sowie Büroimmobilien für Dax-Konzerne wie BMW, Siemens und Vonovia und für Mittelständler wie Haribo und Schüco. Zudem bauen sie Schulen und Kindertagesstätten.

    Zuversicht, aber keine Abenteuerlust

    Jüngste Großaufträge neben Tesla sind der Bau des Parkhauses am Terminal drei des Flughafens Frankfurt sowie die Elektroauto-Batteriezellenfabrik des chinesischen CATL-Konzerns in Erfurt. Bauherren wie Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender des im Dax gelisteten Immobilienkonzerns Vonovia, sagt: „Wir haben unsere neue Unternehmenszentrale in Bochum in nur 18 Monaten in modularer Bauweise fertiggestellt. Bei diesem sehr ambitionierten Zeitplan konnten wir uns 100-prozentig auf Goldbeck verlassen, die unternehmerisch denken und handeln. Wir waren mit Bauausführung und Bauqualität sehr zufrieden.“

    Und die Zuversicht, dass das Geschäft so gut weiterläuft, ist groß. Abenteuerlustig werden die Ostwestfalen aber nicht. Jörg-Uwe Goldbeck: „Die 20er-Jahre werden unsere europäische Dekade. Europa ist unser Markt – hier werden wir weiter mit unseren deutschen und internationalen Kunden wachsen. Bis auf unsere Dependance in Schanghai planen wir keine Ausflüge in die weite Welt.“

    In Grünheide entsteht das Großprojekt des kalifornischen E-Autoherstellers. Quelle: dpa
    Baugelände der Tesla Giga-Factory

    In Grünheide entsteht das Großprojekt des kalifornischen E-Autoherstellers.

    (Foto: dpa)

    Die Wurzeln der Goldbecks liegen in Ummeln, einem Ortsteil von Brackwede, Stadtteil von Bielefeld. Hier gründete Ortwin Goldbeck 1969 einen Stahlbaubetrieb. Er ist die Grundlage für den schnellen Systembau, der Goldbeck heute auszeichnet, nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Wir brauchten keine Revolution. Wir konnten das Geschäft unseres Vaters evolutionär entwickeln. Wir mussten den von ihm eingeschlagenen Weg nur konsequent und beherzt weitergehen“, erklärt Jan-Hendrik Goldbeck.

    Und wie es Familienart ist, stapelt er damit tief. Er und sein Bruder waren es, die aus dem Stahlbaubetrieb einen voll integrierten Baukonzern machten. „Sie haben eine gewaltige unternehmerische Leistung erbracht. Sie haben sich und ihr Baugeschäft systematisch und mit einem unglaublichen Erfolgswillen weiterentwickelt. Mich wundert es von daher nicht, dass sie nun die Gigafabrik von Tesla bauen“, erklärt Unternehmensberater Peter May, der die Familie bereits 2019 mit der Intes-Akademie als „Familienunternehmen des Jahres“ ausgezeichnet hat. „Sie sind extrem hungrig“, sagt May weiter, „sie agieren dabei aber spielerisch-sportlich, nicht verbissen. Die beiden Brüder ergänzen sich dramatisch gut in ihren Fähigkeiten und ihrer Art. Jan-Hendrik ist der hitzige Vorwärtsstürmer, Jörg-Uwe der besonnene Stratege.“

    Branche in der Krise

    Die Bielefelder ragen damit aus einer Branche heraus, in der es in den vergangenen Jahren turbulent zuging. Der Baukonzern Holzmann aus Frankfurt übernahm sich vor vielen Jahren ebenso wie Walter Bau in Augsburg. Beide gingen in die Insolvenz. Der bis dato größte deutsche und börsennotierte Baukonzern Hochtief in Essen gehört seit einigen Jahren mehrheitlich dem spanischen Baukonzern ACS. Die Essener bauen zudem fast nur noch im Ausland.

    Ebenso erging es Züblin aus Stuttgart. Die Schwaben wurden vom österreichischen Konkurrenten Strabag übernommen. Immerhin: Der krisen- und skandalgeschüttelte Bilfinger-Konzern aus Mannheim trat die Flucht nach vorn an. Aus dem Bauunternehmen soll ein Industriedienstleister werden. Ob die Transformation gelingt, ist noch offen.

    Immer weiter, immer besser: Das ist derweil die Devise der Goldbecks. Im Schatten der Großen finden sie ihren eigenen Weg. Sie begreifen Bauen als Produkt. Sie entwickeln und entwerfen Gebäude, fertigen wesentliche Teile selbst und errichten die Gebäude auch. Jörg-Uwe Goldbeck erklärt es so: „Wir bauen nichts, was wir nicht selbst geplant haben, und wir planen nichts, was wir nicht selbst bauen. Wir sind ein Generalübernehmer und machen nur das volle, integrierte Programm.“

    Die Goldbecks verstehen ihren Konzern deshalb inzwischen selbst als Technologieunternehmen, das in der Baubranche sein Geld verdient. Ihr Vorbild ist die Automobilindustrie und deren Produktion verschiedener Modelle auf einer Plattform.

    „Die Goldbecks bringen kaufmännisches Verständnis und Ingenieurskunst zusammen. Sie bauen nicht einfach Häuser oder Hallen. Sie liefern ein Produkt ab, und das digitalisiert und sehr systematisch – und vor allem auch sehr schnell“, erklärt Martin Fischer, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Stanford.

    Bisher keine Frauen in der Führung

    Dass sie nun den Auftrag für die Gigafabrik von Tesla in Brandenburg erhalten haben, wundert Beobachter auch aus einem weiteren Grund nicht. Die Goldbecks sind seit vergangenem Sommer mit einer kleinen Forschungs- und Entwicklungseinheit im Silicon Valley vertreten. Drei Mitarbeiter prüfen vor Ort exklusive Kooperationsmöglichkeiten mit Start-ups, die Digitalisierung und Bauen verbinden. Der Standort San Francisco ist zudem noch aus zwei weiteren Gründen klug gewählt.

    Die Goldbecks sitzen dort in unmittelbarer Nähe zum Unternehmenssitz des Bausoftware-Konzerns Autodesk. Zudem pflegen die Brüder den Kontakt zur Universität Stanford, wo es einen Lehrstuhl mit dem Forschungsschwerpunkt digitalisiertes Bauen gibt. „Das Engagement der Goldbecks ist einzigartig. Sie sind Pioniere. Sie sind als erstes deutsches Bauunternehmen hier im Silicon Valley vertreten und konnten sich auch schon einen Namen machen“, sagt Martin Fischer von der Universität Stanford.

    Wenig innovativ sind die Goldbecks jedoch in puncto Personal. Da sind sie ganz traditionell. Die Geschäftsführung besteht neben ihnen beiden aus fünf weiteren Herren. Und im Beirat sieht es mit vier älteren Herren nicht viel besser aus. Von Vielfalt ist wie in vielen anderen deutschen Familienunternehmen, wie jüngst eine Erhebung der Allbright-Stiftung ergab, wenig zu sehen.

    Das soll spätestens in der dritten Generation an der Unternehmensspitze anders werden. Jeweils vier Kinder haben Jan-Hendrik und Jörg-Uwe Goldbeck. Hinzu kommen noch die drei Kinder ihres mittleren Bruders Joachim (50), der seit 2001 mit Goldbeck Solar zwar seine eigene Firma führt, aber dem Stammgeschäft noch verbunden ist. Jan-Hendrik Goldbeck erläutert: „Wir haben das klare Ziel, vor allem auch die Führungsetagen in den kommenden Jahren stärker mit Frauen zu besetzen. Die Förderung von Diversität haben wir deshalb zu einem Schwerpunkt unserer Nachhaltigkeitsstrategie erklärt.“

    Mehr: In der Bauindustrie geht die Angst vor dem Crash um.

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