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Jason Carlson Wie ein Amerikaner das Deggendorfer Familienunternehmen Congatec umkrempelt

Der Silicon-Valley-Veteran soll das Familienunternehmen Congatec an die Börse bringen. Wegen der Turbulenzen an Kapitalmärkten ist das schwieriger als gedacht.
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Der Silicon-Valley-Veteran soll das Familienunternehmen Congatec an die Börse bringen. Quelle: Congatec/Christian Eder
Jason Carlson

Der Silicon-Valley-Veteran soll das Familienunternehmen Congatec an die Börse bringen.

(Foto: Congatec/Christian Eder)

München Für Jason Carlson entsprach der Standort Niederbayern genau dem Abenteuer, das er nach einem Vierteljahrhundert als Manager in Amerika noch einmal gesucht hatte. „Zuerst hab ich gedacht: Die wollen, dass ich umziehe“, erinnert sich der in Minnesota geborene IT-Experte an seine anfänglichen Gespräche mit Congatec aus Deggendorf. Er hätte es womöglich sogar getan.

Letztlich bestanden die Eigentümer des Technologieunternehmers aber gar nicht darauf. Sie heuerten den 57-Jährigen im Wissen an, dass er einen Großteil seiner Zeit ohnehin unterwegs sein würde. So blieb Carlsons Familie daheim an der amerikanischen Ostküste.

Seit vier Jahren steht Carlson nun an der Spitze von Congatec. Sein Auftrag war von Anfang an, den Mittelständler an die Börse zu bringen. Denn nur mit den Millionen vom Kapitalmarkt, so das Kalkül der Besitzer, könne der Hersteller von Industriecomputern richtig groß werden.

Ursprünglich hatten die Eigentümerfamilien die Technologiebörse Nasdaq in New York im Visier. Nun steht die Emission kurz bevor, allerdings in Frankfurt. Mitte September kündigte Congatec den Gang aufs Parkett bis zum Jahresende an. 100 Millionen Euro soll Carlson bei Investoren einsammeln. 80 Millionen werden dem Unternehmen zufließen – wenn der Plan aufgeht. Der Rest geht an die Gesellschafter.

Die drei Familien Neiser, Mühlbauer und Iglhaut halten rund 70 Prozent der Anteile, einem Partner aus Taiwan gehören knapp zwölf Prozent. Zudem sind die Mitarbeiter, das Management und der Aufsichtsrat beteiligt.

Seit zehn Jahren profitabel

Seit Wochen schon tourt Vorstandschef Carlson durch die Welt, um den Anlegern sein Geschäftsmodell zu erklären. London, Frankfurt, Paris und New York. Der Amerikaner mit den schwedisch-deutschen Wurzeln weiß, wie das geht. Gleich nach dem Studium baute er ein Start-up im Silicon Valley auf und stieß es gewinnbringend ab. Hinterher führte er eine ganze Reihe börsennotierter amerikanischer Unternehmen, vor allem in der Chipindustrie.

Congatec liefert Computer für die Industrie. Carlson zählt dabei viele namhafte Kunden auf: Google und Amazon bauen die Rechner in ihre Drohnen ein, Siemens und General Electric in ihre Industrieanlagen und die Medizintechnik, bei Tomra stecken sie in Pfandautomaten, wie sie allenthalben in den Supermärkten zu finden sind; Mittelständler wie der Spielautomatenhersteller Gauselmann gehören ebenso zu den Abnehmern wie riesige Konzerne, zum Beispiel der koreanische Elektronikhersteller Samsung.

Carlson sieht gute Chancen für die Emission. „Die Firma hat keinerlei Schulden und ist seit zehn Jahren profitabel“, betont der Manager. Seit seinem Amtsantritt sei der Umsatz im Schnitt jedes Jahr um ein Fünftel gestiegen. Vergangenes Jahr verbuchte der Mann mit dem auffälligen Schnauzbart Erlöse von 133 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,2 Millionen Euro.

Ob es mit dem Börsengang klappt, bleibt trotzdem offen. Der amerikanische Büroflächenvermieter Wework hat den Sprung an den Kapitalmarkt zuletzt erst einmal verschoben. Das schwäbische Softwarehaus Teamviewer hat es zwar vergangene Woche an die Börse geschafft. Allerdings fiel der Kurs anschließend unter den Ausgabepreis. Das dürfte die Investoren nicht gerade ermutigen, bei Congatec einzusteigen. „Natürlich beobachten wir die Turbulenzen am Kapitalmarkt genau“, meint Carlson. „Trotzdem sind wir überzeugt, dass für uns jetzt die richtige Zeit ist, an die Börse zu gehen.“

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