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Jens Hilgers Wagniskapitalgeber Bitkraft sammelt 165 Millionen Dollar für Gaming und E-Sports ein

Der Berliner Wagniskapitalgeber Bitkraft übertrifft die eigenen Erwartungen und schließt den ersten Fonds. Der Gründer ist selbst Urgestein der Szene.
07.09.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
Der Unternehmer ist Gamer und Gründer. Quelle: Thomas Berger für Handelsblatt
Jens Hilgers

Der Unternehmer ist Gamer und Gründer.

(Foto: Thomas Berger für Handelsblatt)

Düsseldorf Jens Hilgers weiß, wie Gamer ticken, denn er ist einer. Ein leidenschaftlicher, wie er von sich sogar sagt. Games sind für den Unternehmer, Jahrgang 1975, seit 1997 auch sein Beruf – immer wieder als Gründer. Sein erstes Projekt war das digitale Fachmagazin Gamer.de, 2000 war er Mitgründer von Turtle Entertainment, spätere Muttergesellschaft des Computerspiel-Turnierorganisators Electronic Sports League (ESL). Dort war Hilgers zehn Jahre lang CEO. 2017 entschloss sich der Unternehmer schließlich, Wagniskapitalgeber zu werden.

Der in Berlin ansässige Venture-Capital-Fonds Bitkraft finanziert über Beteiligungen Start-ups, vor allem im Umfeld von E-Sports, also dem professionellen Wettkampf in Computer- und Videospielen. Nun hat der Bitkraft Venture Fund I bei einem eingesammelten Investitionsvolumen von 165 Millionen Dollar (rund 139,5 Millionen Euro) sein ursprüngliches Finanzierungsziel von 125 Millionen Dollar weit übertroffen.

Hilgers arbeitet mit einem internationalen Team aus Partnern und Beratern zusammen, das sich etwa aus ehemaligen hochrangigen Managern und Beratern der schwedischen Modern Times Group, McKinsey und der US-Investmentbank Goldman Sachs zusammensetzt. Zumindest für den Moment ist Hilgers zufrieden. „Mit Bitkraft stehen wir ja noch ganz am Anfang dessen, was wir wirklich erreichen wollen“, sagte der Fonds-Gründer dem Handelsblatt.

„Wir sind dem Ziel, die global führende Investment-Plattform in der Games- und E-Sports-Industrie aufzubauen, zwar ein gutes Stück nähergekommen“, erklärt er weiter, aber es lägen noch „viele großartige Herausforderungen und Möglichkeiten vor uns“.

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    Das ist eine vage Umschreibung dafür, was Bitkraft versucht: den ökonomischen Mikrokosmos der unter dem Begriff E-Sports zusammengefassten Computerspielwettbewerbe, den Hilgers einst miterschaffen hat, wachsen zu lassen. Der Fonds investiert, auch um Interessenkonflikte zu vermeiden, nicht direkt in die im Wettbewerb befindlichen Teams, sondern in Neugründungen im Umfeld.

    Zweiter Fonds in Planung

    2015 verkauften die Anteilseigner der ESL für 86 Millionen Dollar ein Mehrheitsanteilpaket an die schwedische MTG Group. „Etwa zur gleichen Zeit dachte ich: Was mache ich eigentlich mit meinem Leben?“, sagte Hilgers dem Handelsblatt im vergangenen Jahr.

    Seine Antwort: Zeit und Geld in E-Sport-Unternehmen investieren. Wettanbieter, Klamottenmarken, Talentagenturen, Nahrungsergänzungsmittel – alles, was es in traditionellen Sportarten längst gab, dafür müsse es auch ein Pendant im E-Sport geben.

    Der mit Gründung 2017 gesetzte Fokus auf E-Sport hat sich inzwischen geweitet. Der erste Fonds, erläutert Hilgers, war sehr frühphasig unterwegs. Das bedeutet, dass er Gründern erstes Startkapital vermittelt hat. Mit durchschnittlich 200.000 Euro je Start-up habe das auch einige Ideen hervorgebracht. „Anfang 2019 haben wir mit dem Bitkraft Venture Fund I dann den aktuellen, deutlich größeren Fonds gestartet.“

    Thematisch seien immer noch E-Sports der Kern, „allerdings erweitert um Games und Interactive Media, im Speziellen neue Spielkonzepte, neue Technologien und Plattformen“. Der Bitkraft Venture Fund II befindet sich bereits in der Planung und soll „recht ähnlich“ definiert sein. Das Limit für das Erstinvestment soll von zwei Millionen Dollar auf etwa drei erhöht werden.

    Zu den bisher erfolgten Investments zählen etwa das Fachmagazin „The Esport Observer“, bei dem es 2018 auch den ersten erfolgreichen Exit gab, oder „Veritas Entertainment“, das vor wenigen Monaten in Berlin eine Wettbewerbs- und Event-Location zum Thema Gaming eröffnet hat. Zum Portfolio gehören auch der digitale US-Fernsehsender „Venn“ und der New Yorker Finanzdienstleister „Roundhill Investments“. Letzterer berechnet einen eigenen Börsenindex aus Gaming-E-Sports-Titeln und bietet einen Exchange Traded Funds (ETF) darauf an.

    Keine berufliche Veränderung

    Derweil boomt das Geschäft mit Games. Allein in Deutschland wurden mit Video- und Computerspielen 2019 mehr als 3,4 Milliarden Euro umgesetzt, weltweit werden es in diesem Jahr nach Erhebungen des Branchendiensts Newzoo umgerechnet mehr als 134 Milliarden Euro sein. Mit Wachstumsraten von jährlich fast zehn Prozent generiert die Branche inzwischen höhere Umsätze als die Filmindustrie.

    Die Coronakrise hat Spielestudios und Entwicklern zusätzliche Schübe bei Nutzerzahlen und Einnahmen gebracht. „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um zu investieren“, wirbt Hilgers offen. Allerdings gilt der Markt für E-Sports, der laut dem Beratungsunternehmen PwC 2019 knapp eine Milliarde Euro weltweit umgesetzt hat, zumindest in den USA inzwischen auch als anfällig für eine Überhitzung. Insider sprechen von der Angst, eine Investmentchance zu verpassen – und dabei nicht mehr auf die Preise zu achten.

    Bitkraft will das mit sorgfältiger Auswahl der Beteiligungen möglichst vermeiden. Zu den Investoren zähle das Family Office von David Rubenstein, Mitgründer der Carlyle Group, der zweitgrößten Beteiligungsgesellschaft der Welt, und JS Capital, die Firma von Jonathan Soros, Sohn der Investmentlegende George Soros.

    Für Jens Hilgers könnte es das abschließende Abenteuer seiner Karriere sein – wenn auch nicht in naher Zukunft. „Anders als bei meinen Gründungen vorher ist Bitkraft ein Thema, welches von Anfang an klar auf Jahrzehnte programmiert ist“, sagt er. Insofern bestehe eine „deutlich höhere Wahrscheinlichkeit“, dass er sich die Frage nach beruflicher Veränderung nie mehr stellen werde.

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