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Joachim Kuhn Dieser Tüftler macht den weltweiten Versand von Corona-Tests möglich

Joachim Kuhn sorgt mit va-Q-tec weltweit für die Hälfte aller Transporte von Corona-Test-Kits – und das ohne Energiezufuhr bei minus 20 Grad.
17.06.2020 - 09:04 Uhr Kommentieren
Die Kühlboxen aus Franken funktionieren nach dem schlichten Prinzip der Thermoskanne. Quelle: Va-Q-tec
Joachim Kuhn

Die Kühlboxen aus Franken funktionieren nach dem schlichten Prinzip der Thermoskanne.

(Foto: Va-Q-tec)

Düsseldorf Mit bitterer Kälte meldet sich in Deutschland ein weiterer Tüftler zu Wort, um sich im Kampf gegen das Coronavirus weltweit einen Namen zu machen – wenn auch einen, der sich Pandemie-Beteiligten erst beim lauten Vorlesen wirklich erschließt: va-Q-tec.

Das 500 Mitarbeiter beschäftigende Spin-off der Uni Würzburg sorgt seit Februar dafür, dass Test-Kits und Medikamente gegen Covid-19 unbeschadet auf der ganzen Welt ihre Adressaten erreichen. Und zwar geschützt durch 180 eigene Patente, ohne Energieeinsatz durchgängig gekühlt bei minus 20 Grad.

„Seit Ausbruch der Pandemie transportieren unsere Thermo-Transportbehälter mit Vakuum-Technologie 200 Millionen Tests – zum Teil bis nach Saudi-Arabien oder in die Mongolei“, berichtet Mitgründer und Vorstandschef Joachim Kuhn. Zu den Auftraggebern zählen die koreanischen Test-Entwickler Seegene und Osang ebenso wie Mirxes aus Singapur.

Selbst der Biotech-Gigant Gilead, Hersteller des möglichen Covid-19-Präparats Remdesivir, soll sich beim Transport des ursprünglich gegen Ebola entwickelten Medikaments auf die Würzburger verlassen. Pharmariesen wie Roche, Catalent, Merck oder Sanofi stehen nach Handelsblatt-Informationen ebenso auf der Kundenliste.

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    Das 2001 von dem Physiker Kuhn und seinem einstigen Kommilitonen Roland Caps gegründete Unternehmen reiht sich ein in die Phalanx bundesdeutscher Mittelständler, die in der Corona-Pandemie durch Erfindungsreichtum international überraschend für Furore sorgen. Jedes zweite Test-Kit wird derzeit weltweit durch die Würzburger ausgeliefert.

    Hatten Wirtschaftsexperten noch vor Kurzem mit dem Rückfall Deutschlands im Patentwettlauf gehadert, ist davon in Zeiten der Corona-Pandemie kaum noch die Rede. Heimische Biotechfirmen wie Biontech aus Mainz oder Curevac aus Tübingen gelten inzwischen weltweit als Hoffnungsträger für einen Covid-19-Impfstoff. Im rheinischen Troisdorf sorgen mit Innovatec und Reifenhäuser gleich zwei Familienunternehmen dafür, dass der Globus mit virensicheren Vliesstoffen für Schutzmasken versorgt wird.

    Und nun auch noch va-Q-tec. Dabei datiert das grundlegende Patent, das Kuhns Firma bis zu zehntägige Kühltransporte ohne Energiezufuhr ermöglicht, aus dem Jahr 1903. Die Kühlboxen aus Franken funktionieren nach dem schlichten Prinzip der Thermoskanne.

    Die einst von dem Brandenburger Glastechniker Reinhold Burger ersonnene Idee ist simpel. Dem Raum zwischen der Außen- und der Innenwand eines Containers wird die Luft entzogen. Das entstandene Vakuum innerhalb der Verpackung verhindert anschließend, dass sich die Temperaturen zwischen dem Gefäßinhalt und der Umgebung austauschen.

    Unterdruck sorgt für Kühlung

    Waren es bei der Thermoskanne noch Glas und Edelstahl, die für die Innen- und Außenwände herhalten mussten, haben die Würzburger längst Hochleistungs-Werkstoffe und -Beschichtungen entwickelt, darunter einen speziellen Mikrosand und offenporigen Schaum als Kern der Containerwände. „20 Millimeter unseres Dämmstoffs sind so effizient wie 20 Zentimeter eines üblichen Schaumdämmstoffs“, erklärt Kuhn. Entsprechend geringer ist der Raumbedarf etwa in Transportflugzeugen.

    Und es gibt weitere Vorteile gegenüber konventionellen Kühltechniken. Container mit elektrischen Klimaanlagen stehen vor dem Problem, dass ihre Akkus bei Zwischenlandungen häufig nachgeladen werden müssen. In Frankfurt dürfte dies reibungslos funktionieren, im pakistanischen Islamabad eher nicht.

    Noch schwieriger ist eine Arzneimittel-Kühlung mittels Trockeneis – und das nicht nur, weil es nach spätestens 48 Stunden seine Wirkung verliert. Das gefrorene Kohlendioxid verwandelt sich in den Containern mit der Zeit zu Gas. Weil damit die Gefahr von Überdruck und Erstickung keimt, gilt hier weltweit die Gefahrstoffklasse neun.

    Dass die Test-Kits in den Vakuum-Boxen zuverlässig gekühlt bleiben, selbst wenn sie von Seoul über Frankfurt nach Brasilien auf eine fünftägige Flugreise gehen, verdanken sie dem massiven Unterdruck in den Containerwänden. Das fränkische Unternehmen gibt ihn mit unvorstellbaren zehn Tonnen je Quadratmeter an.

    Um gegen Wettbewerber wie die US-Firmen Pelican, Cold Chain Technologies oder die französische Sofrigam zu punkten, gingen vor vier Jahren 62 Prozent der Anteile an die Börse. Die 41 Millionen Euro, die Kuhn dabei als Kapital einsammelte, flossen nicht nur in Forschung und Entwicklung, sondern auch in ein weltweites Vermietungsnetz für die Kühlboxen.

    An 40 Standorten weltweit ist die Firma heute vertreten, darunter in Singapur, Uruguay, Japan, Korea, den USA und der Schweiz. Wer etwa einen Kühlcontainer mietet, der in Palettengröße etwas mehr als 430 Euro pro Tag kostet, kann ihn anschließend an 400 Rückgabestellen weltweit wieder loswerden.

    Vermietungsgeschäft zieht an

    Die hohen Investitionen lasten allerdings auf dem Ertrag. Zwar blieben im ersten Quartal 2020 gut 14 Prozent vom Umsatz als Betriebsgewinn übrig – jedoch nur ohne die Abschreibungen. Sie drückten das Ergebnis zuletzt um 0,2 Millionen Euro unter die Nullgrenze.

    Die rasant steigende Nachfrage aus der Pharma- und Biotechbranche dürfte das jedoch bald ändern. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stieg in Würzburg der Umsatz mit Thermoboxen um 92 Prozent, das Vermietungsgeschäft zog um 26 Prozent an. Die Investitionen in die Firma, die zu Beginn lediglich Dämmstoffe für Kühlschränke und Heizkessel herstellte, scheinen sich damit auszuzahlen.

    „Der Hersteller von Dämmlösungen und thermischen Verpackungssystemen ist wieder in der Spur“, schrieb Berenberg-Analyst Benjamin Pfannes-Varrow bereits vor einem halben Jahr und hob das Kursziel von neun auf 14 Euro. „Wir haben es nun weiter erhöht auf 15,50 Euro“, sagte der Londoner Experte jetzt dem Handelsblatt.

    Zafer Rüzgar von Pareto Securities sieht sogar noch etwas mehr Luft nach oben. „Das Unternehmen ist zwar kleiner als einige seiner Wettbewerber“, sagt er, „va-Q-tec hat sich jedoch auf extrem hohe Anforderungen in der Kühllogistik spezialisiert.“ Gerade in der Pharmabranche habe man sich damit durchsetzen können. Berenberg und Pareto Securities empfehlen die Aktie zum Kauf.

    In der Firma selbst hat der 56-jährige Kuhn bis heute das letzte Wort – obwohl ihm nach dem Börsengang nur noch 15,1 Prozent der Aktien unterstehen. Das liegt nicht allein daran, dass größere Aktionäre fehlen. Gemeinsam mit dem 64-jährigen Caps verfügen die beiden Firmengründer über 27,5 Prozent der Stimmrechte – und können somit im Ernstfall Hauptversammlungsbeschlüsse mit einem Veto außer Kraft setzen.

    Eine Rebellion braucht Vorstandschef Kuhn ohnehin nicht zu fürchten. Selbst mitten in der Coronakrise versprach er seinen Anteilseignern jetzt für das laufende Jahr ein „moderates bis mittelstarkes Umsatzwachstum bei gleichbleibender Profitabilität“. Die starke Stellung in der Healthcare-Branche werde es richten.

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