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Jörg Bucherer Wie der größte Uhrenhändler der Welt sein Geschäft modernisiert

Der Schweizer Unternehmer Jörg Bucherer will seinen Konzern fit für die Zukunft machen. Dass er bald seinen 83. Geburtstag feiert, hält ihn nicht auf.
05.06.2019 - 16:23 Uhr Kommentieren
Jörg Bucherer: Wie der Uhrenhändler sein Geschäft modernisiert Quelle: Bucherer
Jörg Bucherer bei einer Ladeneröffnung in Zürich

Der Verwaltungsratschef des Uhrenkonzerns Bucherer sieht seine Firma auch für die Zeit nach ihm gut gerüstet.

(Foto: Bucherer)

Zürich Der Wettergott meint es nicht gut mit Jörg Bucherer: Monatelang wurde seine prestigeträchtige Uhrenboutique in der Züricher Bahnhofstraße renoviert, und ausgerechnet am großen Tag der Neueröffnung regnet es so sehr, dass der Teppich klatschnass wird. Bucherer lächelt trotzdem in die Kamera. „Jetzt aber!“, sagt der 82-Jährige – und zerschneidet das Band.

Es gibt Dinge, die auch Jörg Bucherer nicht ändern kann: das Wetter zum Beispiel. Aber wenn es beim größten Uhrenhändler der Welt ans Eingemachte geht, hat der Verwaltungsratschef und alleinige Besitzer noch immer das letzte Wort – auch wenn das operative Geschäft des Schmuckhändlers seit gut zehn Jahren von CEO Guido Zumbühl geführt wird.

Während neue Rivalen die Vormachtstellung der Luzerner bedrohen, wollen Bucherer und Zumbühl die Traditionsfirma fit für die Zukunft machen. Der neue Laden in der Bahnhofstraße, der in der vergangenen Woche eröffnet wurde, gibt auf diese Zukunft einen kleinen Vorgeschmack: Furcht einflößende Türsteher wie bei anderen Luxusläden soll es hier nicht geben, stattdessen viel Licht und eine bequeme Sitzecke wie im Café.

Selbst gebrauchte Uhren werden die perfekt gekleideten Mitarbeiter hier in Zukunft anbieten. Eine kleine Revolution für die Traditionsfirma, deren Geschichte bis ins Jahr 1888 zurückreicht. Damals eröffnete Carl Friedrich Bucherer mit seiner Frau Luise ein Geschäft am Luzerner Falkenplatz. Das Startkapital stammt vom Vater, einem Spielwarenhändler.

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    Einer von Carl Friedrichs Söhnen wird Uhrmacher, der andere Goldschmied – der Grundstein für das Erfolgsrezept der Firma. Bis heute verkauft Bucherer nicht nur Produkte anderer Hersteller, sondern fertigt auch selbst. Zur Gruppe gehören der renommierte Uhrmacher Carl F. Bucherer und die Schmuckmarke Bucherer Fine Jewellery.

    Was mit einem kleinen Laden in Luzern begann, gilt heute als der größte Uhren- und Schmuckeinzelhändler der Welt. Das Unternehmen beschäftigt rund 2400 Mitarbeiter. „Bucherer ist beim Retailverkauf von Uhren die weltweite Nummer eins“, sagt Vontobel-Analyst René Weber.

    Er schätzt den Umsatz allein durch die Uhrenverkäufe von Bucherer auf rund 1,7 Milliarden Franken im Jahr. Das Unternehmen selbst publiziert weder Umsatz noch Gewinn. Nur so viel sei verraten: „Es läuft sehr gut“, sagt Patron Bucherer, der das Unternehmen schon seit dem Jahr 1977 führt.

    Skepsis gegenüber Banken

    Der Enkel des Firmengründers wurde 1936 in Luzern geboren. Nach der Schule besuchte er das Technikum im Uhrenmekka Le Locle in der französischen Schweiz – und machte ein Praktikum beim Uhrenhersteller Rolex. An Rolex-Gründer Hans Wilsdorf erinnert er sich bis heute.

    „Von ihm habe ich gelernt, was konservatives Unternehmertum bedeutet.“ Beide Firmen sind bis heute eng verbunden. Bucherer ist der wichtigste Verkäufer für die Luxusmarke. Nicht mehr ausgeben, als man hat – an diese Maxime hält sich Jörg Bucherer auch heute noch.

    Banken begegnet der Patron mit Skepsis, seit er dort nach der Bitte um einen Kredit einmal „durch die Hintertür rausmusste“, wie er sagt. Heute dürfte es an Kleingeld nicht mangeln: Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ schätzt sein Vermögen auf zwei bis 2,5 Milliarden Franken.

    Das sind die Uhren- und Schmucktrends für den Sommer
    Uhren für den Sommer
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    Von links: Hublot Classic Fusion Chronograph Titanium Blue 42 mm, um 10.200 Euro; Lange & Söhne Lange 1 „25th Anniversary", um 43.700; Vacheron Constantin Overseas Perpetual Calendar ultra-thin, um 76.000 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Die Sommeruhr von Rolex
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    Rolex Oyster Perpetual Datejust 36, etwa 12.500 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Schmuck von Wellendorff, Chopard und Cartier
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    Von links: Wellendorff, Ring Zwei Herzen. Eine Liebe, um 16.200 Euro; Wellendorff, Ring Vorfreude, um 19.800 Euro; Chopard, Ring aus der Haute Joaillerie-Kollektion, Preis auf Anfrage; Cartier, „Cactus de Cartier-Ring", etwa 4.200 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Schmuck und Uhren von Stephen Webster, Glashütte Original und Patek Philippe
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    Von links: Ring von Stephen Webster, gesehen bei Wempe, Jitterbug Cuckoo Bee Ring, um 5.300 Euro; Ring von Stephen Webster, gesehen bei Wempe, Jitterbug Tourquoise Ring, um 7.300 Euro; Glashütte Original Sixties Panoramadatum Jahresedition, um 7.800 Euro; Patek Philippe Grandes Complications Ref. 5707P, um 168.340 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Tutima, Wempe, Cartier, Jaeger-Lecoultre
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    Von oben: Tutima Saxon One M Automatic, etwa 1.950 Euro; Wempe Glashütte i/SA Zeitmeister Sport Tiden Automatik, etwa 2.575 Euro; Cartier Santos de Cartier, um 6.550 Euro; Jaeger-Lecoultre Reverso One Duetto, um 10.500 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Montblanc, Omega und Porsche
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    Von oben: Montblanc TimeWalker Automatic Chronograph, um 3.990 Euro; Omega Seamaster Diver 300M Titan-Ceramic, um 7.400 Euro; Porsche Design 911 Chrontimer Timeless Machine Limited Edition, um 4.911 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)
    Luxus-Uhr
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    Richard Mille RM07-01, um 161.000 Euro.

    (Foto: Ulrich Hartmann/Ollanski/Studio.Stadelmann für Handelsblatt Magazin)

    Auch im hohen Alter will Jörg Bucherer sein Reich weiter ausbauen. „Als Mensch hat man natürlich immer Lust auf mehr“, sagt er. Es gehöre zum Unternehmertum, sich nie mit dem Status quo zufriedenzugeben. Doch die dominante Stellung der Luzerner wird bedroht: Luxuskonzerne versuchen, die Margen der Händler zu drücken, zugleich verkaufen sie Uhren zunehmend in eigenen Boutiquen. Und im Internet entsteht neue Konkurrenz: Selbst erlesene Luxusuhren kann man mit wenigen Klicks bestellen.

    Braucht es da noch Läden wie Bucherer? Ja, ist der Patron überzeugt. Sein Ziel: so wichtig zu bleiben, dass die großen Marken auch in Zukunft nicht an seiner Firma vorbeikommen. Dazu wird kräftig investiert – in Zukäufe, aber auch in die Läden. Und das nicht nur in Zürich: In Hamburg soll im Spätherbst ein neuer Flagship-Store eröffnen.

    Expansion im Netz

    Noch spielen Einzelhändler auf dem Uhrenmarkt die Hauptrolle: Einer Studie von Morgan Stanley zufolge werden 88 Prozent der Schweizer Uhren im Einzelhandel verkauft, die herstellereigenen Läden tragen nur acht Prozent zum Umsatz bei. Im Internet werden nur wenige Luxusuhren verkauft – doch das könnte sich ändern. „Einzelhändler sind für Uhrenhersteller der wichtigste Absatzkanal, doch der Verkauf über das Internet gewinnt an Bedeutung“, sagt Vontobel-Analyst Weber.

    Das hat auch Bucherer erkannt: Längst verkaufen die Luzerner ihre Luxuswaren auch im Netz. Und expandieren kräftig. Im vergangenen Jahr tätigte Bucherer den größten Zukauf in der Firmengeschichte – und sicherte sich den amerikanischen Luxusuhrenhändler Tourneau. Die Amerikaner betreiben nicht nur Läden in zehn Bundesstaaten, sondern auch eine Onlineplattform für Neu- und Gebrauchtuhren.

    Die „Certified Pre-Owned“-Uhren gelten als der Hoffnungswert der Branche. Jörg Bucherer treibt das Geschäft höchstpersönlich voran. „Nicht Franzli oder Peterli stellen das Zertifikat für die gebrauchten Uhren aus, sondern Bucherer“, sagt der Unternehmer – ein Seitenhieb gegen weniger bekannte Konkurrenten im Markt. Im September soll das Angebot in Genf starten, später auch im neuen Laden in Zürich.

    Bloß nicht träge werden, sondern am Kunden dranbleiben, lautet die Devise. „Wir haben Größe erreicht, aber Größe allein ist nicht alles“, sagt CEO Zumbühl. „Wir müssen die Weichen für die Zukunft stellen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Patron sei „sehr gut“. „Wir genießen viele Freiheiten, solange wir keinen Blödsinn machen“, sagt Zumbühl. Er sieht seinen Job bei dem Familienunternehmen als Privileg: Investitionen müssten nicht sofort profitabel sein, stattdessen verfolge man eine langfristige Perspektive.

    Doch wie sieht die langfristige Perspektive aus? Am Freitag feiert Jörg Bucherer seinen 83. Geburtstag. Er hat keine Kinder, ist der letzte Patron. Die Zeit aber lässt sich auch bei einer Uhrenfirma nicht aufhalten. „Das Unternehmen ist für die Zukunft gewappnet, auch nach meiner Person“, sagt er auf Nachfrage.

    Mehr will er nicht verraten. „Wenn die Mitarbeiter mir das nicht glauben würden, hätten sie längst den Hut genommen.“ Vielleicht orientiert sich Jörg Bucherer ja an dem Mann, bei dem er einst sein Praktikum absolviert hat: Rolex-Gründer Wilsdorf hat seine Firma an eine Stiftung übertragen. Dem Erfolg der Luxusuhrenmarke tat das keinen Abbruch.

    Mehr: Die Zahl der Aussteller auf der Uhrenmesse Baselworld geht zurück. Dabei geht es der feinen Branche besser. Lesen Sie, welche Frage die Zukunft der ganzen Branche dennoch entscheiden wird.

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