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Jørn (links) und Jannik Jørgensen

Die Gründer der Klinikgruppe Euroeyes sind Vater und Sohn.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Jørn und Jannik Jørgensen Augen-Laser-Kette Euroeyes will in China wachsen

Jørn Jørgensen und sein Sohn Jannik haben Augen-Eingriffe zum erfolgreichen Geschäft gemacht. Euroeyes wächst stetig – ein Börsengang ist nicht ausgeschlossen.
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HamburgDie Prominentenfotos hängen dicht an dicht. Thomas Gottschalk strahlt da trotz eines verbundenen Auges, Udo Waltz blickt etwas zurückhaltender, Siegfried Lenz sieht gar etwas bedrückt aus. Dazwischen immer wieder zu sehen: ein selbstbewusst dreinschauender Mann von Mitte 60, mit aschblondem Haar: Jørn Jørgensen.

Die Prominenz ist für sein Geschäft nicht ganz unwichtig. Jørgensen ist eine Art Promi-Arzt, aber einer, der prinzipiell für jeden zugänglich ist, der etwas Geld mitbringt. Er ist darin nicht ganz unähnlich dem bekannten Schönheitschirurgen Werner Mang vom Bodensee, auch wenn Jørgensens Metier weder Brüste noch Nasen sind.

Jørgensen ist Augenarzt, seine Spezialität sind zwei Eingriffe: Er bearbeitet die Hornhaut des Auges mit Laser, und er setzt künstliche Linsen gegen Alterssichtigkeit ein. Der Arzt hat aus seiner Profession ein Geschäft mit etlichen Filialen gemacht. Gegen Geld befreit er Menschen von Brille und Kontaktlinse. Daraus hat er eine veritable Kette gemacht.

Jørgensen betreibt seine Euroeyes-Kliniken in Deutschland, in Dänemark und inzwischen auch in China. Gestartet ist er 1993 mit einer Praxis in Hamburg. Heute sind es 28. Auch dank seiner prominenten Kunden positioniert sich Jørgensen als Premiumanbieter in einem Markt, in dem die Konkurrenz stetig wächst. Inzwischen steigt auch sein Sohn Jannik Jørgensen ein.

Er hat, noch während er seine Medizinerausbildung beendet, bereits Erfahrungen im Marketing in Hamburg und China gesammelt. „Ich wollte mein ganzes Leben schon Chirurg werden, weil ich praktische Dinge mag. Und seit ich erwachsen bin, arbeiten wir beide zusammen“, sagt der 27-Jährige Jannik Jørgensen, der eben seine Praxisphase als Magen-Darm-Chirurg in Dänemark im Rahmen der Ausbildung abgeschlossen hat. „Das ist schon eine Form der Indoktrinierung“, scherzt der Vater.

Gerade haben beide ihre jüngste Filiale in der Hamburger Innenstadt eröffnet, die das Stammhaus, eine Villa im Elbvorort Blankenese, ersetzt. Nun berichten sie von ihren Zukunftsplänen. Der chinesische Markt spielt dabei eine wichtige Rolle, ein wichtiges Wachstumsfeld für das Unternehmen.

In Deutschland ist die Marke bereits sehr bekannt. Und ganz offensichtlich ist es ein lohnendes Geschäft, das sich der Augenarzt und passionierte Radfahrer ausgesucht hat. In Hamburg etwa hat Jørgensen das Sponsoring des großen Radrennens Cyclassics vom Energieversorger Vattenfall übernommen – ein Zeichen für den großen Anspruch des Unternehmens, aber auch für die Finanzkraft.

Jørgensen nimmt mehr Geld für einen Eingriff als viele andere Anbieter. Dafür verspricht er stets modernste Technik – und wirbt mit der eigenen Erfahrung aus vielen Tausenden Operationen. Besonders vielversprechend fürs Geschäft: der wachsende Markt mit der Alterssichtigkeit. Schließlich steigt der Anteil der älteren Menschen in den Industrienationen stetig an.

Knapp 20 Prozent wachse der Markt mit implantierten Linsen gegen Alterssichtigkeit, sagt Michael Knorz, Mitglied der Kommission Refraktive Chirurgie. Der Chefarzt aus Mannheim beziffert die Umsatzrendite in dem Bereich auf 15 bis 18 Prozent vor Steuern.

Premiumaufschlag für routinierte Operateure

Für die großen Ketten – neben dem Marktführer Euroeyes auch Care Vision, Optical Express und Smile Eyes – spricht aus seiner Sicht die Routine der Operateure, die die Eingriffe dort oft Tausende Male vornehmen. Zehn bis 20 Prozent Premiumaufschlag zahlen die Kunden dafür seiner Beobachtung nach bei Jørgensen.

Auch in China zieht offenbar das Argument mit der großen Erfahrung durch Tausende Eingriffe. Bald eröffnet Jørgensen im Reich der Mitte die sechste Klinik, doch vor Ort wohnen nur drei Ärzte. Die restlichen Operateure fliegen wochenweise aus Europa ein. Das hat seinen Grund: Jørgensen setzt gezielt nur Europäer ein.

Das soll den chinesischen Kunden Sicherheit suggerieren und die Brieftaschen öffnen. Vor allem aber ist es ein Alleinstellungsmerkmal gegen große lokale Konkurrenten wie die börsennotierte Kette Aier, die ein breites Spektrum an Augenbehandlungen anbietet.

Weil in China nur sehr eingeschränkt für die Eingriffe geworben werden darf, ist es Jørgensen wichtig, dass er bereits lokale Stars mit Millionen von Followern in sozialen Medien unter dem Laser hatte. So positioniert er sich auch in Fernost als Premiumanbieter.

Seine geschäftliche Fantasie reicht dabei weit – schließlich stammt der in Dänemark Geborene aus einer in der Schifffahrt tätigen Unternehmerfamilie, er studierte zunächst Humanmedizin in Odense und ging dann in seine Wahlheimat Hamburg.

„In den USA hätte ich es sicherlich schwerer gehabt, weil die Ärzte dort geschäftstüchtiger sind als in Europa“, sagt er. Jørgensen hat in der Vergangenheit bereits öffentlich über die Möglichkeit spekuliert, in China an die Börse zu gehen, um einen großen Expansionsschritt zu finanzieren. Derzeit winkt er ab: „Das ist noch nicht spruchreif.“

Die Aktien an den chinesischen Börsen sind zuletzt deutlich gefallen, das Marktumfeld für einen Gang aufs Parkett in Schanghai wäre alles andere als günstig. Trotzdem will Jørgensen sich nicht einschränken lassen. „Als Mittelständler mit nur wenigen Kliniken ist es schwer, in China zu wachsen“, meint er. „Man darf nicht immer so viel nachdenken, sonst wird man nur zum Bedenkenträger.“

Nötig ist der Schritt an die Börse wohl nicht unbedingt. Mit rund 300 Mitarbeitern setzte Jørgensen 60 Millionen Euro um. Einige seiner Ärzte beteiligt er an den lokalen Praxen. „Das soll ja keine One-Man-Show sein“, sagt er. Dazu passt der Einstieg seines Sohnes.

Er fällt in eine Zeit, in der Jørgensen die Zuständigkeiten in der Zentrale sowieso stärker ordnen will. Das könnte nötig sein: Auf dem Personalbewertungsportal Kununu finden sich einige Einträge von ehemaligen Mitarbeitern, die schlechte Prozesse und eine hohe Fluktuation beklagen, die wohl auch mit dem hohen Wachstumstempo zusammenhängen. „Ich hatte am Anfang ja keinen Businessplan“, räumt Jørgensen ein. Jetzt aber hat er klare Abteilungen für Controlling, medizinische Fragen und Marketing eingerichtet.

In den Praxen selbst soll Wohlfühlatmosphäre den Kunden Wertigkeit vermitteln. „Am Ende freuen sich die Leute mehr über einen guten Kaffee und ein Croissant als über die gelungene Operation. Denn die nehmen sie als selbstverständlich, das Drumherum nicht“, sagt Jannik Jørgensen. Die beiden Unternehmer setzen auf ausgebildete Hotelfachkräfte, die die Kunden betreuen – und so auch den Prominenten unter ihnen gerecht werden.

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