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John Burke Der Trek-Eigentümer profitiert vom E-Bike-Boom massiv

John Burke lässt seine Trek-Räder in der traditionsreichen Diamant-Fabrik nahe Chemnitz bauen. Doch er macht nicht mit jedem Geschäfte.
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Der Unternehmer hat einen engen Draht zu den Händlern. Quelle: mauritius images / Sara Stathas / Alamy
John Burke

Der Unternehmer hat einen engen Draht zu den Händlern.

(Foto: mauritius images / Sara Stathas / Alamy)

München Am Sonntag wird John Burke sein Team nach der letzten Etappe der Tour de France in Paris persönlich in Empfang nehmen. Für den Chef und Eigentümer des Radherstellers Trek ist es Ehrensache, den Rennfahrern für die Schinderei zu danken. Denn einer der wesentlichen Grundsätze, die er für sein Familienunternehmen aufgestellt hat, lautet: „Wir lieben unsere Angestellten.“

Es sind aber nicht nur die Stars seines Radrennstalls Trek-Segafredo, die der 57-Jährige umsorgt. Diese Woche hat der Amerikaner in Deutschland verbracht, um mit Händlern, Lieferanten und Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Schließlich hängt der Aufschwung, den seine Firma in den vergangenen Jahren genommen hat, ganz maßgeblich an Deutschland.

Anfang des Jahrtausends hat Trek die traditionsreiche ostdeutsche Fahrradschmiede Diamant übernommen – und damit auch ein Werk. Das erwies sich in jüngster Zeit als absoluter Glückfall.

Denn am Stammsitz von Diamant in Hartmannsdorf bei Chemnitz lässt Burke inzwischen seine Elektroräder zusammenbauen. Dieses Segment sorgt momentan für das größte Wachstum – bei Trek und in der ganzen Fahrradbranche. „Unsere Fabrik ist ein Pfund“, betont Burke. Die 550 Mitarbeiter in Sachsen produzieren 1100 Velos am Tag.

Trek ist einer der renommiertesten Radanbieter der Welt – und einer der eigenartigsten. Burkes Vater Dick gründete den Betrieb 1976 mit einem Partner. Was für die Gründer im Silicon Valley die Garage, das war für sie eine rote Scheune im ländlichen Wisconsin. Dort fingen sie an, Räder „made in America“ zusammenzuschweißen. Sie wollten Geld verdienen, ganz klar, und gute Qualität liefern.

Aber das übergeordnete Ziel war und ist es, dass sich Amerikaner ein ordentliches Bike leisten können. Längst schon führt Sohn John die Geschäfte, die sich heute rund um den Globus erstrecken. Burke beschäftigt mehr als 3000 Mitarbeiter, veröffentlicht aber keinerlei Zahlen. Nur so viel: Es gehe aufwärts.

Fokus aufs Arbeitsklima

Die bescheidenen Anfänge hat Burke nicht vergessen – und auch nicht mehrere schwere Krisen, in denen Trek fast zugrunde gegangen wäre. 1986 etwa hätte Vater Dick fast dichtmachen müssen, weil das Arbeitsklima intern nicht stimmte und auch die Beziehung zum Handel zerrüttet war.

Damals beschloss der Patriarch, „ein großartiges Umfeld für Angestellte und Kunden zu schaffen“. Sohn John hält sich daran und tut alles, den damals entstandenen familiären Geist in der Belegschaft zu erhalten. So gibt es im Café der Zentrale in Waterloo jeden Tag um Punkt 14 Uhr Kekse, die Mitarbeiter Mathew Lovely selbst bäckt. Zwei Sorten, immer mit Schokoladenstückchen.

Es sind aber vor allem ein paar unumstößliche Prinzipien, mit denen Burke dem Unternehmen seinen Stempel aufdrückt. Am wichtigsten: Es kommen nur Räder in die Läden, „die wir lieben“, beteuert Burke. Gleichzeitig hat er festgehalten, auf wen er gerne verzichtet. „Mit Arschlöchern arbeiten wir nicht zusammen“, heißt es wortwörtlich in einem neuen Buch, das er über Trek verfasst hat.

Er begründet dies so: „Arschlöcher verschwenden deine Zeit, ziehen positive Menschen nach unten und konzentrieren sich auf die falschen Dinge.“ Burke kam zu diesem Schluss, nachdem seine Vertriebsleute in den USA lange von einem der zehn wichtigsten Händler mit immer neuen Forderungen gequält worden waren. Schließlich ließ er den Umsatz sausen und gab dem Ladenbesitzer den Laufpass.

Mitunter allerdings wurde aus hehren Prinzipien auch Starrsinn. So sponserte Burke viele Jahre lang Lance Armstrong und verteidigte den Radstar rabiat gegen sämtliche Dopingvorwürfe. Erst als der mehrmalige Tour-Sieger amtlich überführt wurde, ließ ihn Burke fallen. Noch heute hält der Konzernlenker große Stücke auf ihn.

Es sei unbestreitbar, dass „Lance unsere Bikes besser machte und er für die Einbindung von Sportlern in die Produktentwicklung Maßstäbe setzte“, heißt es in der Trek-Schrift, an der Burke ein halbes Jahr tüftelte. Wird Burke heute auf Armstrong angesprochen, so wird er schmallippig. Die Geschichte werde über Armstrongs Verhalten urteilen, meint er.

Bosch als Partner

Wenn Burke mit Händlern redet, ist die Vergangenheit kein Thema. So auch diese Woche in Ulm. In der Donaustadt hat Trek ein ganzes Konferenzzentrum gemietet und präsentiert den Geschäftsinhabern 300 unterschiedliche Modelle für das nächste Jahr.

Den größten Schub verspricht sich Burke von einem deutschen Lieferanten: Bosch. Die neuen E-Bike-Motoren der Schwaben sind deutlich kleiner als die bisherigen Aggregate, sie sind kaum noch zu erkennen. Das dürfte die Räder noch einmal beliebter machen.

Ohnehin boomt der Markt. Radfahren ist in, und die Leute geben für ihre Räder immer mehr aus. Die Händler in Deutschland haben vergangenes Jahr Räder für knapp 3,2 Milliarden Euro verkauft, 16 Prozent mehr als 2017.

Das Geschäft mit Ersatzteilen und Zubehör miteingerechnet, lag der Umsatz bei rund sechs Milliarden Euro, so der Zweirad-Industrie-Verband. Der Grund für den Aufschwung: Viele Konsumenten legen sich E-Bikes zu. Fast jedes vierte verkaufte Rad war 2018 mit Motor ausgestattet. Die Elektroräder sind deutlich teurer als gewöhnliche Räder.

Unter den Händlern genießt Burke einen guten Ruf. Er schätze es sehr, dass sich der Manager Zeit für die Ladenbesitzer nehme, sagt Michael Heckmair. Der Eigentümer eines Radladens in Oberstdorf kennt Burke seit vielen Jahren und hat sich auch diese Woche in Ulm mit ihm getroffen.

Der Amerikaner sei sehr interessiert an konstruktiver Kritik, meint Heckmair. „Er hört hoch konzentriert zu und entscheidet dann schnell“, so der Geschäftsinhaber. Burke gebe allen Partnern stets das Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein.

Burke steigt auch gerne selbst einmal aufs Rad. Vergangenen Sonntag ist der Familienvater mit seiner Frau, Freunden und Kunden bei der sogenannten „L’Étape du Tour de France“ mitgefahren, einer durchaus ambitionierten Etappe für Laien.

Mangelnde Ausdauer kann dem Vater zweier erwachsener Kinder niemand vorwerfen: Er absolvierte die 135 Kilometer lange Strecke mit mehr als 4500 Meter Höhendifferenz in gut elf Stunden. Der kommende Sonntag wird vermutlich weniger anstrengend. Da muss er auf den Champs-Élysées nur sein Team beklatschen.

Mehr: Seit zwölf Jahren leitet der einstige Journalist Christian Prudhomme das größte Radsportevent der Welt. Trotz allem Pathos ist die Tour de France längst ein riesiges Geschäft.

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