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Joseph Safra Die Söhne des reichsten Bankers der Welt liegen im Clinch

Alberto und David Safra liegen wegen der Zukunftsstrategie der gleichnamigen Bank über Kreuz – nicht das erste Mal, dass Mitglieder der Bankerfamilie streiten.
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Alberto und David Safra liegen im Clinch Quelle: AP
Joseph Safra

Der Manager ist der reichste Banker der Welt.

(Foto: AP)

Salvador Dicke Luft in der Banco Safra – und die Öffentlichkeit bekommt es auch noch mit. Das ist höchst ungewöhnlich in der brasilianischen Bank mit libanesisch-jüdischen Wurzeln, die für ihre Verschwiegenheit bekannt ist – und für den Reichtum ihres Besitzers: „Forbes“ schätzt das Vermögen von Joseph Safra auf 25 Milliarden Dollar ein, er ist damit der wohlhabendste Brasilianer und reichste Banker weltweit.

Doch nun verlässt Sohn Alberto Safra, Präsident der Bank, seinen Sitz im Board in São Paulo. Der 40-jährige Banker aus der dritten Generation der Safra-Familie war seit 2012 für das Geschäftskundengeschäft zuständig. Alberto werde sich einem eigenen Projekt auf dem Finanzmarkt widmen, heißt es offiziell von Safra.

Dabei waren es vielmehr die unterschiedlichen Auffassungen von Alberto und seinem jüngeren Bruder David (35) über die Zukunftsstrategie für das Geldhaus, die Safras Ausscheiden beförderten. Das ist kein Gerücht in São Paulos Finanzkreisen.

Alberto hat vor einem Monat gegenüber der brasilianischen Wirtschaftszeitung „Valor Econômico“ ein Interview gegeben und die Gründe für die unterschiedlichen Ansichten dargelegt. Dass der Strategiewechsel zum Bruderzwist führen würde, ahnte zu dem Zeitpunkt noch niemand.

Der Hintergrund: Groß geworden ist Banco Safra mit Geschäftskunden sowie im Investmentbanking. Jetzt will Safra den Sprung zum Retailbanking, also zum Einzelkundengeschäft, machen, ohne dafür Filialen zu eröffnen. Die nach Aktiva viertgrößte private Bank Brasiliens nutzt dafür ihr populäres Kartenzahlungsgerät „Safra-Pay“, um Kunden mit Discounts bei Käufen auf ihr neues digitales Kontensystem („Safra-Wallet“) zu locken.

Alberto erklärte, dass Safra in Brasilien am besten auf den Wandel zur digitalen Bank vorbereitet sei. Die Bank verfüge sowohl über Kapital, Einlagen und Produkte für die neuen Digitalkunden – anders als die Fintechs, also Digitalbanken, die gerade ihre Bankportfolios ausweiten, um für Kunden attraktiv zu bleiben.

Andererseits müsse Safra nicht kostspielig Filialen schließen, wie die großen Retailbanken Brasiliens von Itaú bis Bradesco es gerade machen, weil die Kosten des Vertriebsnetzes ihre Marge drücken.

Streit um die Kontrolle

Doch Alberto hat nicht damit gerechnet, dass der digital Wandel und der Schritt ins Einzelkundengeschäft in die Zuständigkeit seines Bruders David fallen würde. Man werde keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen, erklärte Alberto. Da war von seinem Abgang noch nicht die Rede. Das brasilianische Nachrichtenmagazin „Veja“ berichtet, dass die beiden vor versammelter Mannschaft handgreiflich zu werden drohten.

Eine Erklärung für den Bruderzwist: Der Patron, der Bankier Joseph Safra, 81, hat sich krankheitsbedingt aus dem aktiven Bankgeschäft in die Schweiz zurückgezogen. Er hat offiziell noch die Kontrolle in seinem Institut, das er zu einer globalen Bank ausgebaut hat.

Lange Zeit bestimmte er die Arbeitsteilung zwischen seinen drei Söhnen: Jakob (45), der älteste, ist seit Jahren für das internationale Geschäft zuständig, vor allem nach der Übernahme von Sarasin 2012 in der Schweiz, wo J. Safra Sarasin eine wichtige Privatbank ist. Die beiden Brüder konzentrierten sich immer auf das Bankgeschäft in Brasilien.

Tochter Esther leitet die von den Safras in São Paulo gegründete Privatschule Beit Jaacov, welche von den Safras unterstützt wird. Die Schule wird zunehmend einflussreicher in der jüdischen Gemeinschaft in São Paulo. Auch den Bau der gleichnamigen Synagoge haben die Safras finanziert.

Joseph Safra ist in Brasilien eine Legende: Mit seinem Vater Jacob und zwei Brüdern gründete der in Beirut geborene Joseph in den Fünfzigerjahren Banco Safra in Brasilien. Während sich Joseph und Moise vor allem um Brasilien kümmerten, baute Edmond, der älteste, in Europa und den USA ein weltweites Bankimperium auf.

1999 verkaufte Edmond sowohl die in Luxemburg ansässige Safra Republic Holding sowie die Republic National Bank of New York für 10,3 Milliarden Dollar an die HSBC. Die wurde damit wegen der übernommenen Schweizer Konten in den Republic-Holdings auf einen Schlag die größte Auslandsbank in der Schweiz.

Was die HSBC im Nachhinein teuer zu stehen kam: 2016 musste sie 3,2 Milliarden Dollar abschreiben, unter anderem wegen illegaler Konten der übernommenen Safra-Banken.

Ob Edmond Safra etwas von den angeblichen Konten von Waffenhändlern, Geldwäschern und Terroristen wusste, lässt sich nicht mehr feststellen. Er kam kurz nach dem Verkauf an HSBC vor 20 Jahren in seiner Villa in Monaco ums Leben, unter Umständen, die bis heute nicht wirklich aufgeklärt sind. Er erstickte bei einem von seinen Leibwächtern gelegten Zimmerbrand.

Die Safras sollen seitdem in Brasilien nicht mehr die Dienste von Mossad-Agenten aus Israel zum Personenschutz in Anspruch genommen haben, schreibt die „Financial Times“. Zuvor war ähnlich traumatisch der Neffe von Joseph, Ezequiel Nasser, in São Paulo entführt und 75 Tage lang gefangen gehalten worden. Die Safras bezahlten Lösegeld, um ihn zu befreien.

Stoff für die Glamourgazetten

In der vergangenen Woche nun kam J. Safra Sarasin in der Schweiz in die Schlagzeilen. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft gab bekannt, dass sie bei der Untersuchung im Korruptions- und Geldwäscheskandal um die beiden brasilianischen Konzerne Petrobras und Odebrecht auch gegen die in Basel ansässige Privatbank ermittelt.

In Brasilien ist Banco Safra bisher nicht als Kreditgeber der in die Korruptionsskandale verstrickten Konzerne aufgefallen. Andere brasilianische Banken müssen deswegen wohl noch Milliarden abschreiben. Joseph Safra ist bekannt für seine restriktive Kreditvergabe. Er gebe Kredite nur an diejenigen, die sie wirklich nicht bräuchten, heißt es in São Paulos Bankkreisen.

Er gilt zudem als höchst diskret, Interviews hat er ganz selten gegeben. Er besitzt zwar eine gigantische Stadtvilla in São Paulos Reichenwohngebiet Morumbi mit 100 Zimmern, sechs Aufzügen und Hubschrauberlandeplatz. Doch er lebt bescheiden. Er spendet für jüdische Einrichtungen. Dem Israel Museum in Jerusalem hat er Albert Einsteins Originalmanuskript zur Relativitätstheorie gestiftet.

Seine Söhne dagegen landen schon mal in den brasilianischen Glamourgazetten: Kommt Shakira oder nicht? Diese Frage beschäftigte die Klatschpresse im Juni 2012. Der Safra-Jüngste David heiratete, und die kolumbianische Sängerin soll mit dem Brautpaar befreundet sein. Danach mussten die 1 700 Gäste – und die Paparazzi – enttäuscht feststellen: Shakira kam nicht.

Joseph Safra gelang es, nach dem Tod Edmonds 1999 von Brasilien aus die Safra-Gruppe nach und nach unter seine Kontrolle zu bringen. Er konnte sich mit der Witwe Edmonds einigen, die als Erbin einer Supermarktkette die reichste Frau Brasiliens ist. Er zahlte 2006 zudem seinen inzwischen verstorbenen Bruder Moise aus – ebenfalls nach einem lange anhaltenden, verbissen geführten Streit zwischen den beiden Brüdern.

Es scheint so zu sein, dass sich bei den Safras die Geschichte wiederholt.

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