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Judith Dommermuth Start-up Juvia feiert Erfolge mit Bequem-Mode

Erfolgreich mit Jogginghosen: Judith Dommermuth hat mit ihrem Mode-Unternehmen einen Nerv getroffen. Nun setzt das Ex-Model mit Juvia auf Expansion.
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Zu den Kundinnen der 42-Jährigen gehören die Schauspielerin Uschi Glas, das Model Monica Meier-Ivancan und Fernsehmoderatorin Maybritt Illner. Quelle: Jan-Philipp Harder
Judith Dommermuth

Zu den Kundinnen der 42-Jährigen gehören die Schauspielerin Uschi Glas, das Model Monica Meier-Ivancan und Fernsehmoderatorin Maybritt Illner.

(Foto: Jan-Philipp Harder)

Köln Lebensfroh, unbeschwert und entspannt. Wer wissen will, was für eine Frau Judith Dommermuth ist, der muss nur auf ihre Kleidung schauen. Immer modisch und bequem in bunt bedruckten Jogginghosen, nie in Jeans.

Die Haare locker nach hinten gebunden. „Ich habe mir schon immer schöne und komfortable Kleidung gewünscht, die ich überall tragen kann“, erklärt Dommermuth, die sich vor fünf Jahren den Traum von einer eigenen Modemarke mit ihrem Start-up Juvia erfüllt hat. „Es klingt in allen Sprachen schön, die Domain war zu haben, und ich wollte einen Namen haben, der wie Judith klingt“, erklärt die Gründerin.

Hier in Köln tüftelte sie mit Stoffmustern und Karten mit Trendtönen am Küchentisch an ihrer ersten Kollektion. Streifen oder Sterne, die Qualität von Kaschmir und der richtige Schnitt fürs Sweatshirt – Dommermuth wollte nichts dem Zufall überlassen. Sie ist Perfektionistin durch und durch.

Ihre erste Musterkollektion verwarf sie kurzerhand, als sie das Design nicht hundertprozentig überzeugte, verlegte den Start und fing dann noch mal von vorn an. „Es war für mich einfach noch nicht rund und entsprach nicht meiner Vorstellung“, erklärt sie, „Im Nachhinein vielleicht meine wichtigste Entscheidung“, sagt sie bestimmt. Denn für den ersten Eindruck gebe es ja bekanntlich keine zweite Chance.

Im Juli 2013 stellte sie dann ihre Musterkollektion auf einer Düsseldorfer Messe vor. Mit einer Kleiderstange positionierte sie sich am Eingang und pries ihre Sweatshirts, T-Shirts und Jogginghosen selbst an. 80 Händler orderten. Viele kannte Dommermuth bereits aus ihrer Zeit als Model. Doch mit dieser Resonanz habe sie in der ersten Saison nicht gerechnet.

Kurzerhand übergab sie das Backoffice einer schwangeren Freundin und pendelt seitdem jeden Tag von Montabaur ins Büro in Köln, führt Kundengespräche, leitet Designmeetings und fliegt nach Porto in Portugal, um die Produktion zu überwachen. Ende 2015 hatte sie erstmals die Gewinnschwelle erreicht.

„Die Gründungszeit war turbulent, aber ich musste für meinen Traum keine Festanstellung kündigen. Das hat geholfen“, erinnert sich das ehemalige Mannequin. Bereits als Kinder standen sie und ihre Zwillingsschwester Britta für den Lebensmittelhersteller Pfanni vor der Kamera. Nach der Schule studierte sie Betriebswirtschaftslehre und beendete ihr Studium frühzeitig mit dem Vordiplom. Sie wollte modeln.

Judith Dommermuth, damals hieß sie noch Berger, arbeitete erfolgreich als Katalogmodel und wurde das Werbegesicht von Air Berlin. „Ich hatte einen großartigen Job von dem Tausende Mädchen träumen“, erinnert sie sich, „Wenn Juvia nicht funktioniert hätte, hätte ich weiter gemodelt. Das Risiko war überschaubar.“ Selbstbeweihräucherung liegt der 42-Jährigen nicht. Sie wirkt für die Modebranche überraschend freundlich und ehrlich.

Mit 27 Mitarbeitern will Dommermuth im laufenden Geschäftsjahr 16 Millionen Euro umsetzen. Zu ihren Kundinnen gehören Prominente wie die Schauspielerin Uschi Glas, das Model Monica Meier-Ivancan und Fernsehmoderatorin Maybrit Illner.

Die Juvia-Sweatshirts mit Fischen, Palmen und Tigern verkauft sie in 16 Ländern, in Deutschland an 350 Verkaufsstellen, international seien es 650, sagt sie. Das Berliner KaDeWe gehört dazu, das Stuttgarter Kaufhaus Breuninger, der Stanglwirt in Kitzbühel. Auf Sylt hat Different-Fashion-Chef Manuel Rivera einen eigenen Juvia-Shop aufgemacht. Die Kernmärkte sind Deutschland, Schweiz, Österreich, Benelux und Spanien.

Anfangs war das Anzeigenbudget höher als der Umsatz

Dommermuth versteht das Geschäft mit der Aufmerksamkeit. Mit hohem Einsatz und einem funktionierenden Netzwerk. „Noch bevor das erste Kleidungsstück erhältlich war, habe ich bereits in Werbung investiert“, erklärt die 42-Jährige. „Anfänglich war mein Anzeigenbudget höher als mein Umsatz, aber mein Gefühl sagte: Trau dich.“

Ihr Mann, Internetmilliardär Ralph Dommermuth, unterstützt seine Frau als Pro-bono-Unternehmensberater. Begegnet ist sich das Ehepaar auf einer Party in Montabaur, dem Heimatort des Unternehmers. Kuppler war in diesem Fall der ehemalige BVB-Torwart Roman Weidenfeller.

Dommermuth schätzt den Rat ihres Mannes, und die Frage, ob sie sich ohne ihn selbstständig gemacht hätte, verneint die Unternehmerin. Aber dass sie den Juvia-Start mit ihren ersparten Modelgagen finanziert und später von ihrem Mann einen Kredit zu marktüblichen Zinsen bekommen hat, darauf weist sie ebenso sanft wie bestimmt hin.

„Es wird immer so schnell gesagt, mit dem Background schafft es doch jeder. Aber damit machen es sich die Leute zu leicht. Ich habe meine Altersvorsorge in die Gründung der Firma investiert“, sagt sie, „Geld und Betriebswirtschaft allein reicht nicht, es braucht ein gutes Gespür für den Markt.“

Und das hat Dommermuth mit der Auswahl ihrer Models bewiesen. Die letzten Saisons schmückten Stars wie Fitnessbloggerin Pamela Reif, Fashionbloggerin Caro Daur und Victoria’s-Secret-Model Lorena Rae die Plakate von Juvia. „Immer eine Saison bevor den Mädchen der große Durchbruch gelang“, betont die Gründerin stolz. Vor allem die junge Generation bewege sich mehrheitlich auf Instagram.

Auf Expansionskurs

Ihre Strategie geht bislang auf. „Das Produkt ist preissensibel und bedient den aktuellen Wunsch der Kundinnen nach bequemer Freizeit- und Weekend-Mode“, erklärt die deutsche Modepäpstin Annette Weber den Erfolg von Juvia. „Dazu kommt ein smarter, moderner und zielgruppengerechter Mediamix aus Print und Online.“

Auch für die Gründerin findet die Modebloggerin und frühere „InStyle“-Chefredakteurin lobende Worte: „Judith Dommermuth hat Weitblick und eine klare Vision. Das fehlt vielen Marken im Moment.“ Sie habe zudem den unternehmerischen Mut und auch die Kraft, ihren eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen.

Damit es so bleibt, ist Dommermuth auf Expansionskurs. Mit Blick auf weiteres, auch internationales Wachstum nimmt sie den Vertrieb künftig in die eigenen Hände. Mit der kommenden Orderrunde wird sie eigene Schauräume in Düsseldorf und München eröffnen und sich dafür von der bisherigen Vertriebsagentur Unifa trennen.

„Natürlich ist mein Traum, irgendwann auch in den USA bei den besten Geschäften gelistet zu sein“, gibt Dommermuth zu. Sie hat viel vor, und auf die Frage, ob sie ihr Unternehmen verkaufen würde, sagt sie bestimmt: „In Juvia steckt meine ganze Energie, viel harte Arbeit und Herzblut.“

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