„Jung, weiblich, Boss!“ Jette Joop will Gründerinnen zum Durchbruch verhelfen

Designerin Jette Joop ist seit 20 Jahren Unternehmerin. Im TV zeigt sie nun, wie Frauen sich in der männerdominierten Gründerszene durchsetzen.
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Die Mode-Designerin will Gründerinnen mit ihrer Expertise helfen. Quelle: Andreas Fechner für Handelsblatt
Jette Joop

Die Mode-Designerin will Gründerinnen mit ihrer Expertise helfen.

(Foto: Andreas Fechner für Handelsblatt)

BerlinZwei bullige Sicherheitsmänner bewachen im dunklen Korridor der achten Etage eines Berliner Fünf-Sterne-Hotels eine Zimmertür. Als die Tür aufgeht, steht in der hell beleuchteten Suite eine lächelnde, blonde Frau: Designerin Jette Joop.

Zwei weitere Blondinen, Lea und Katharina Maria Maaß, nehmen auf einem Sofa Platz. Die beiden Schwestern sind wie Joop und sechs andere Jungunternehmerinnen Teil der neuen Reality-Doku „Jung, weiblich, Boss!“ Sie läuft ab Montag im Privatsender RTL II.

Eine weitere Start-up-Sendung nach dem Quotenhit „Die Höhle der Löwen“ und Carsten Maschmeyers gefloppter Reihe „Start Up!“. Diesmal versucht es Selfmadefrau Jette Joop und berät acht Frauen aus der deutschen Gründerinnenszene.

Henriette Joop, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, ging 1997 als schwangere Frau den Weg in die Selbstständigkeit. Zuvor hatte sie in Kalifornien Industriedesign studiert und bei Ralph Lauren gearbeitet. Die heute 50-Jährige musste ihr Unternehmen aus eigener Kraft aufziehen.

Zwar ist ihr Vater Modedesigner Wolfgang Joop, aber der verweigerte ihr damals eine Finanzspritze. Ihre Erfahrungen aus 20 Jahren Selbstständigkeit will sie nun weitergeben. „Wenn ich helfen kann, dass Deutschland mehr Gründerinnen hat, dann freue ich mich“, sagt Joop.

Die gebürtige Braunschweigerin mischt in vielen Bereichen mit: Von Mode über Schmuck bis hin zu Düften und sogar Boxspringbetten – es gibt kaum eine Sparte, die nicht das Label „Jette“ trägt. Zum einen ist Joop Geschäftsführerin der Jette GmbH mit einem Jahresumsatz von 4,7 Millionen Euro. Zum anderen führt sie eine nicht meldepflichtige Personengesellschaft namens „Henriette Joop“. Daher schweigt sie über konkrete Zahlen.

Joop verrät nur so viel: „Die Außenhandelsumsätze mit meinen Produkten bei den Endverbrauchern liegen jährlich bei etwa 100 Millionen Euro. Mein Geschäftsmodell ist ausschließlich die Vergabe von Lizenzen, und meine Firmengruppe partizipiert prozentual an den Umsätzen.“

Geschäftsmodell Lizenzen

Diese Lizenzen vergibt Joop an Kooperationspartner wie den Besteckhersteller WMF oder den Juwelier Christ, über den sie seit 2005 Schmuckkollektionen vertreibt. Versandhändler Otto, Discountriese Aldi Süd oder seit Kurzem der Hersteller von Unterhaltungselektronik TechniSat gehören ebenfalls zu Joops Partnern.

Tyrone Winbush, Marketingleiter bei TechniSat, schätzt die Designerin als Geschäftspartnerin: „Vor allem ihre Experimentierfreudigkeit und ihre Offenheit Neuem gegenüber haben mich überzeugt“, sagt er.

Für Joop zahlen sich solche Kooperationen aus: Sie ist am Umsatz beteiligt, muss sich aber weder um Einkauf, Produktion noch um den Vertrieb kümmern. „Das senkt Joops unternehmerisches Risiko und erleichtert den Eintritt in Märkte, in denen sie noch nicht tätig war“, urteilt Saskia Diehl, Geschäftsführerin der GMK Markenberatung. Joop bestätigt: „Expandiert beispielsweise WMF in ausländische Märkte, wächst mein Unternehmen automatisch mit.“

Joop ist überzeugt, ihr Name war es nicht, der ihr den Weg zum Erfolg ebnete. Diehl sieht das anders: „Markenstrategisch hat Jette Joop das geschickt gemacht: Sie hat ihren Namen zur Marke ausgebaut“, erklärt die Expertin.

„Darin schwingen natürlich Assoziationen zu Wolfgang Joop mit – nicht nur einer der beliebtesten, sondern auch renommiertesten Couturiers Deutschlands.“ Das zahle auch in die Marke Jette ein. Auch Jette Joop räumt ein, dass Türen schneller aufgingen, wenn sie ihre Geschäftsideen verbreiten wollte.

Die beiden Maaß-Schwestern glauben: Joop kann ihnen helfen. „Aus den Medien kannte ich sie als sehr direkte und strenge Person“, sagt Lea, „aber Jette ist für uns mittlerweile wie eine große Schwester.“ Joop räumt ein, sie habe der Öffentlichkeit bewusst ein falsches Bild von sich vermittelt.

Denn nur als toughe Unternehmerin nahm sie die männerdominierte Geschäftswelt ernst. Das kann auch ihr langjähriger Anwalt Volker Knies bestätigen: „Jette Joop hat häufig ganz eigene Vorstellungen, wie sie Dinge entwickeln und angehen möchte.“ Das mache es nicht immer einfach, aber die Tätigkeit für sie sei dadurch auch nie langweilig.

„Ich wollte es allen zeigen“

Das Frauenbild habe sich inzwischen geändert, betont Joop. „Wenn eine Frau selbstbewusst auftritt und die Qualität ihrer Idee kennt – etwa Hunderttausende Follower auf Instagram hat –, dann ist ein strenges Auftreten überflüssig.“ Frauen müssten keine zugeknöpften Businessanzüge mehr tragen, um ihre Verhandlungspartner zu überzeugen.

Joop ist sehr wohl bewusst, dass gerade jüngere Modefans heute leichter über Instagram und Youtube zu erreichen sind. Deshalb hat das Label „Jette“ einen Instagram-Auftritt mit rund 11 000 Followern, über den hauptsächlich Schmuck von Christ beworben wird.

Das ist vergleichsweise wenig. Dennoch gilt: „Wenn ein Unternehmen digital nicht stattfindet, ist es aktuell sehr schwer auf dem Markt.“ Klassisches Fernsehen aber ist nach wie vor für die Vermarktung der Jette-Produkte relevant. Deshalb tritt sie im Verkaufssender QVC auf.

Joop glaubt, Selbstständigkeit sei in Zeiten von Instagram und Co. der ideale Weg, um Karriere und Familie parallel zu meistern. Unternehmerinnen könnten heute ihre Produkte über das Internet vermarkten, „ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen“. Aber sie weiß auch: Der Frauenanteil unter Gründern liegt unter fünf Prozent.

Die Gründe kennt sie: Frauen bekommen seltener Startkapital als Männer und haben größere Ängste davor zu scheitern. „In unserem Land darf man sich keine Fehler erlauben. Was ist das für eine ekelhafte Kultur?“, wird die Norddeutsche emotional.

Wer dennoch den Mut zum Gründen aufbringt, auf den lauern viele Fallen. Sie selbst erlebte, dass jemand hinter ihrem Rücken die Firmenführung übernehmen wollte. Daher sei ein verlässlicher Vertrauter in der eigenen Firma wichtig.

„Zu meinen Anfangszeiten war es schwierig, jemanden zu finden, der an der Seite einer Frau arbeiten wollte“, erinnert sich Joop. Andererseits wäre sie auch lange Jahre viel zu stur und verbissen gewesen: „Ich wollte allen zeigen, dass ich es alleine schaffen kann. Auch meiner Familie.“

Dennoch hätten viele Frauen im Geschäftsleben ein Manko. „Wenn der Verhandlungspartner auf die Tränendrüse drückt, sind gerade Unternehmerinnen mit Kindern gewillter, dem Angebot zuzustimmen.“ Das habe sie bei ihren eigenen Verhandlungen oft erlebt. „Meine Emotionalität ist meine Achillesferse“, gesteht sie.

Die Joop‘sche Geschäftsphilosophie kann auch Nachteile haben. Markenexpertin Diehl warnt: Das Unternehmen Jette müsse aufpassen, dass die Vielzahl an Kooperationen die eigene Marke nicht verwässere. „Heute Aldi, morgen Christ – Lizenzgeber wie Lizenznehmer müssen sich fragen, welchen Einfluss das auf ihre Marken hat.“ Vom Glanz des Namens Jette Joop dürften die acht Gründerinnen auf alle Fälle profitieren – zumindest solange die Sendung läuft.

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