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Kaffeehersteller Albert Darboven darf Andreas Jacobs nicht adoptieren

Der Hamburger Kaffee-König wollte den Spross der Bremer Kaffee-Dynastie zu seinem Sohn und Nachfolger machen. Doch ein Gericht verhindert den ungewöhnlichen Plan.
Update: 11.12.2018 - 16:50 Uhr Kommentieren
Der Hamburger Unternehmer Darboven  darf vorerst nicht den Kaffee-Erben adoptieren. Quelle: Carsten Dammann für Handelsblatt, picture alliance / Eventpress [M]
Andreas Jacobs und Albert Darboven (rechts)

Der Hamburger Unternehmer Darboven darf vorerst nicht den Kaffee-Erben adoptieren.

(Foto: Carsten Dammann für Handelsblatt, picture alliance / Eventpress [M])

HamburgEs war eine der unglaublichsten Ankündigungen unter den an verworrenen Familiengeschichten nicht armen deutschen Unternehmerdynastien: Im Sommer wurde bekannt, dass Hamburgs Kaffee-König Albert Darboven ausgerechnet Andreas Jacobs, einen Spross der Bremer Kaffee-Dynastie Jacobs, adoptieren wollte.

Der 82-jährige Unternehmer wollte so sein Vermächtnis sichern – gegen den ausdrücklichen Widerstand seines leiblichen Sohns Arthur. Doch aus dem ungewöhnlichen Plan wird nun vorerst nichts. Das zuständige Gericht lehnte die beantragte Erwachsenenadoption ab.

Ein Sprecher des zuständigen Landgerichts in Hamburg-Blankenese sagte dem Handelsblatt, der Antrag sei zurückgewiesen worden. Damit darf Darboven den 28 Jahre jüngeren Unternehmer vorerst nicht zum Familienmitglied machen. „Mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen“ wollte der Gerichtssprecher keine Angaben zu den Gründen machen.

Wahrscheinlich ist, dass das Gericht die hohen Hürden nicht als überwunden ansah, die der Gesetzgeber vor eine Erwachsenenadoption gestellt hat. Sie darf laut Gesetz nur dann genehmigt werden, wenn eine Art Familienverhältnis bereits besteht. Das soll verhindern, dass nur aus wirtschaftlichen Gründen adoptiert wird. Albert Darboven und seine Frau Edda hatten daher argumentiert, Jacobs stehe ihnen persönlich sehr nahe. Die drei verbinde etwa die Liebe zum Pferdesport. Das Gericht teilte diese Darstellung offenbar nicht. Wie es jetzt weitergeht, ist offen.

Denn es gibt einen Grund dafür, dass Albert Darboven schon früher öfter geäußert hat, er könne sich eine Adoption eines Nachfolgers vorstellen: Laut Unternehmenssatzung darf nur ein enges Familienmitglied das Idee-Kaffee-Unternehmen J. J.  Darboven führen. Darboven selbst war daher als junger Mann von seinem kinderlosen Onkel adoptiert worden. Die Klausel verhindert, dass Darboven einen Nachfolger einfach bestimmen kann.

Infrage käme satzungsgemäß eigentlich sein leiblicher Sohn Arthur. Der 54-Jährige steht für die Aufgabe sogar bereit. „Albert Darboven stand in der Vergangenheit immer für die Einhaltung von Verträgen. Daher bieten wir unserem Vater beziehungsweise Onkel an, das Unternehmen auch in fünfter Generation fortzuführen, wie es der Gesellschaftsvertrag vorsieht und wie es bislang erfolgreiche Darboven-Tradition war“, sagte der Sohn schon im Sommer dem Handelsblatt. Damals hatte er sich in einem offenen Brief zusammen mit Verwandten gegen die Adoption gewandt.

Offenbar teilte das Gericht nun seine damalige Einschätzung: „Es handelt sich um eine Adoption aus rein wirtschaftlichen Gründen, was unabhängig von den konkreten Personen für mich schon mehr als zweifelhaft ist“, so Arthur Darboven. „Bislang gab es keine enge Bindung von Herrn Dr. Jacobs an unser Haus, und Dr. Jacobs hat dem Kaffeegeschäft schon vor längerer Zeit den Rücken gekehrt, um als Investor zu arbeiten.“

Eine hanseatische Persönlichkeit

Gegen den Gerichtsbeschluss kann innerhalb eines Monats Beschwerde eingelegt werden, über die das Hanseatische Oberlandesgericht zu entscheiden hätte. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich Albert Darboven doch noch durchsetzt. Der prüfe gerade mit seinen Anwälten, wie er, seine Frau und Andreas Jacobs in der Adoptionssache weiter vorgehen, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Sohn Arthur war am Dienstag nicht erreichbar.

Andreas Jacobs ist bereits Vorsitzender des Beirats einer von Albert Darboven eingerichteten Stiftung, die seine Geschäftsanteile verwalten soll. Das soll er auch bleiben und so auf jeden Fall das Lebenswerk von Albert Darboven weiterführen, betonte die Sprecherin.

Ein Konkurrent ist Jacobs längst nicht mehr: Sein leiblicher Vater hatte Jacobs-Kaffee bereits 1990 an einen US-Konzern verkauft. Heute gehört die Marke einem Gemeinschaftsunternehmen von Mondelez und der JAB-Holding, die unter anderem das Vermögen der reichsten deutschen Familie, der Reimanns, verwaltet.

J. J.  Darboven mit seinen rund 330 Millionen Euro spielt dagegen nur in der Regionalliga. Die Familie Jacobs ist heute noch Großaktionärin des Schweizer Schokoladenkonzerns Barry Callebaut mit 6,8 Milliarden Franken Umsatz. Andreas Jacobs war hier bis 2016 im Verwaltungsrat.

Ginge es nach Albert Darboven, sollte Andreas Jacobs Nachfolger des Kaffee Herstellers J.J. Darboven werden. Quelle: dpa
Andreas Jacobs

Ginge es nach Albert Darboven, sollte Andreas Jacobs Nachfolger des Kaffee Herstellers J.J. Darboven werden.

(Foto: dpa)

Zur Jacobs-Holding gehört zudem die europäische Zahnklinikkette Colosseum. Was den vermögenden Unternehmer nun zu dem vergleichsweise kleinen, aber durch jahrzehntelange Fernsehwerbung mit Albert Darboven in der Hauptrolle bekannten Hamburger Unternehmen zieht, hat der Bremer bislang nicht öffentlich erklärt.

Umso lauter hielt Arthur Darboven dagegen und appellierte eindrücklich an seinen leiblichen Vater: „Er ist der Chef der Firma, und wenn er weitermacht, bis er 100 Jahre alt ist, soll er das bitte tun. Wir wollen lediglich mit meinem Vater reden und die Zukunft gemeinsam gestalten“, sagte er im Sommer dem Handelsblatt. Das Familienunternehmen gehört noch zu 57,5 Prozent Albert Darboven. 42,5 Prozent der Anteile halten eigenen Angaben zufolge Arthur Darboven, dessen Cousins und eine Tante.

Arthur Darboven ist ebenfalls in der Branche aktiv: Er gründete den Kaffeegroßhändler Darboven Trading in Hamburg. Zuvor führte er einige Jahre zusammen mit seinem Vater das gemeinsame Familienunternehmen. Der Legende nach entzweiten sich beide im Jahr 2008, nachdem der Sohn einen Kaffee auf einer Erotik-Messe präsentieren ließ.

Der stets korrekt mit Anzug und Einstecktuch auftretende Albert Darboven ist in seiner Heimatstadt Hamburg nicht irgendwer. Der Unternehmer, der in seiner Jugend noch selbst als Scheuermann Kaffeesäcke vom Schiff in die Lager der Speicherstadt trug, ist mit seinem eigenen Gestüt ein festes Mitglied der Hamburger Gesellschaft.

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist er mit seiner Frau Edda, einer geborenen Prinzessin von Anhalt, verheiratet. Beide haben gemeinsam eine Stiftung, die soziale Projekte, aber auch den Pferdesport fördert. Auch die verstorbene Cousine Hanne Darboven, eine bekannte bildende Künstlerin, war in der Stiftung aktiv. So mag auch ein Gedanke sein, dass sich Andreas Jacobs auf dem gesellschaftlichen Parkett ebenso stilsicher als Nachfolger bewegen könnte.

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