Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Karen Dolva Eine Norwegerin bringt kranke Kinder dank Robotern in die Schulklasse

Die Gründerin von No Isolation will chronisch kranke Kinder vor Depressionen schützen – indem sie per Roboter am Unterricht teilnehmen können.
21.08.2018 - 18:09 Uhr Kommentieren
Die Technologiefirma der 28-Jährigen hat 60 Mitarbeiter. Quelle:  No Isolation
Karen Dolva

Die Technologiefirma der 28-Jährigen hat 60 Mitarbeiter.

(Foto:  No Isolation)

Hamburg An manchen Tagen kann die 16-jährige Julia Miller vor Schmerz nicht aufrecht sitzen. Dann kann sie nicht zur Schule gehen oder Freunde treffen. Das liegt am sogenannten komplexen regionalen Schmerzsyndrom: Julias zentrales Nervensystem täuscht ihrem Körper dann vor, verletzt zu sein, obwohl eigentlich nichts passiert ist.

Das belastete sie auch psychisch, nachdem die Ärzte die Krankheit vor fünf Jahren feststellten. „Ich war sehr unglücklich und habe fast alle meine Freunde verloren“, erzählt Julia heute.

Kinder wie Julia haben die Norwegerin Karen Dolva dazu veranlasst, ihr Unternehmen No Isolation zu gründen und Roboter wie den AV1 zu entwickeln. „Kinder, die durch chronische Erkrankungen oder lange Genesungszeiten nicht zur Schule gehen können, verlieren schnell einen großen Teil ihrer sozialen Kontakte“, sagt Dolva im Gespräch bei einer Präsentation des Roboters in Hamburg.

Aufmerksam wurde Dolva auf die Kinder durch eine Freundin, die auf der Kinderstation in einem Krankenhaus arbeitet. „Sie erzählte mir, wie einsam die Kinder sind.“ Sie konnte zunächst nicht verstehen, warum diese nicht spielen, ihre Handys benutzen und keinen Besuch erhalten, außer von ihrer Familie.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Tatsächlich reichen einige Wochen im Krankenhaus, um den Anschluss zur Peergroup zu verlieren“, erklärt Dolva. Denn wenn man ständig Schmerzen hat und im Bett liegen muss, gibt es nicht viel zu erzählen. Da hilft auch nicht die Kommunikation über Skype, weil sich niemand seiner Klasse im Schlafanzug präsentieren möchte.

    Schnell war für Karen Dolva und ihre Teamkollegen klar, dass sie Kindern wie Julia helfen müssen. „Wir mussten diese Kinder aus dem Bett bekommen, ohne sie zu bewegen“, erklärt sie. „Deswegen haben wir uns dann für die Entwicklung eines Telepräsenzroboters entschieden.“ Das bedeutet, dass die Kinder durch den Roboter am Geschehen im Klassenraum teilnehmen können, ohne dass sie selbst zu sehen sind.

    Der AV1 von No Isolation kommt denn auch einem Avatar näher als einem großen Roboter. Er ist ungefähr 20 Zentimeter hoch, verfügt über Kameras und Mikrofone, aber nicht über einen Bildschirm. Julia kann zwar ihre Klasse sehen, aber nicht umgekehrt. Bedienen lässt sich der Roboter über das iPad.

    Die Erfinderin des AV1, Karen Dolva, hat Informationsdesign studiert und war zuvor an der Entwicklung diverser Start-ups beteiligt. Die 28-Jährige hat es sich mit ihren Mitgründern Marius Aabel und Matias Doyle zum Ziel gesetzt, Menschen vor der Einsamkeit zu schützen.

    Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit für die Norwegerin. Statt erst einmal ihre Firma No Isolation profitabel zu machen, investiert sie lieber die Gewinne und Beiträge aus Sponsoren- und Finanzierungsrunden in die Weiterentwicklung ihrer Technologien.

    Mittlerweile besteht das Team aus rund 60 Mitarbeitern mit Büros in London, Oslo und Amsterdam. Dolva bringt nicht nur Leidenschaft für ihr Projekt, sondern auch – trotz ihres geringen Alters – viel nüchterne Professionalität fürs Geschäft, mit.

    Sie vermittelt den Roboter über Stiftungen und Krankenhäuser an die Familien. Es gibt ein Langzeit- und ein Kurzzeit-Mietmodell. Die Kurzeitmiete hat eine Dauer von drei bis sechs Monaten und kostet 299 Euro im Monat. Die Kosten für die Langzeitmiete betragen 2.999 Euro im Jahr. Auf dem deutschen Markt sind aktuell erst 14 AV1-Avatare im Einsatz. Der potenzielle Markt ist jedoch groß. In Deutschland leben laut einer Studie von No Isolation 75.000 Kinder mit Langzeit-Erkrankung.

    Der Patientin Julia geht es mittlerweile viel besser. Sie kann an drei Nachmittagen in der Woche sogar selbst in die Schule gehen. Bald steht für sie ein Schulwechsel an. Sie wechselt auf die norwegische Highschool, mit dem Schwerpunkt Computer und Elektronik. „Vielleicht entwickle ich irgendwann meinen eigenen Roboter“, sagt Julia. Den würde sie dann Oscar nennen. Ihren AV1 hat sie Juliabot getauft.

    Digitalisierung – so können Avatare und Roboter die Pflege verändern

    Startseite
    Mehr zu: Karen Dolva - Eine Norwegerin bringt kranke Kinder dank Robotern in die Schulklasse
    0 Kommentare zu "Karen Dolva: Eine Norwegerin bringt kranke Kinder dank Robotern in die Schulklasse"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%