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Karsten Balke Der Germania-Chef steht vor seinem größten Kampf

Der angeschlagene Ferienflieger braucht Hilfe. Die Suche nach einem rettenden Investor wird nicht einfach – das liegt auch an der Geschichte von Germania.
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Germania-Chef Karsten Balke steht vor seinem größten Kampf Quelle: imago/Robert Michael
Germania-Chef Karsten Balke

„Mittel- bis langfristig werden wir wieder Überkapazitäten sehen, umso wichtiger ist es, dass wir uns wettbewerbsfähig aufstellen.“

(Foto: imago/Robert Michael)

FrankfurtAn Selbstbewusstsein mangelt es Karsten Balke nicht. Selbst bei kritischen Fragen behält er sein Lächeln bei, antwortet ruhig, aber doch sehr bestimmt. „Wir haben Substanz im Unternehmen, etwa unsere Flotte“, konterte er auf der letzten Tourismusmesse ITB in Berlin kurz und knapp die Frage, ob er sich mit dem Wachstumskurs der Airline Germania nicht verhebe.

Und fügte hinzu: „Mittel- bis langfristig werden wir wieder Überkapazitäten sehen, umso wichtiger ist es, dass wir uns wettbewerbsfähig aufstellen.“

So ganz scheint das nicht gelungen zu sein. Am Dienstagabend musste Balke einen Liquiditätsengpass melden. Für den ehrgeizigen Manager beginnt nun sein wohl größter Kampf. Er muss externe Geldgeber finden – seien es Investoren, sei es ein Käufer von Teilen oder der ganzen Airline.

Germania ist mit etwas weniger als 40 Flugzeugen, rund vier Millionen Passagieren im Jahr, einem geschätzten Umsatz von 350 bis 400 Millionen Euro und fast 1000 Mitarbeitern keine ganz kleine deutsche Fluggesellschaft. Der Zeitdruck ist groß. Kann Balke nicht zügig nachweisen, dass Germania flüssig ist, droht der Entzug der Betriebserlaubnis (AOC).

Doch einfach wird die Suche nach einem Investor oder Käufer nicht. Das könnte auch an der besonderen Geschichte von Germania und Balke selbst liegen.

Balke, Jahrgang 1973, ist Rechtsanwalt, machte seine Ausbildung in Berlin, Bilbao und Melbourne. Immer noch wird er als Partner der Kanzlei Casimir, Vogt & Weinreich in Berlin aufgeführt. Hier beginnt auch die Verbindung zwischen ihm und Germania. Zur Mandantschaft der Kanzlei gehörte Hinrich Bischoff, Unternehmer und Gründer von Germania. Balke kümmerte sich hier unter anderem um Liegenschaften der Familie auf Mallorca.

Nach dem Tod von Bischoff im Jahr 2005 bekam Balke von der Witwe zunehmend mehr Aufgaben übertragen, wurde erst Generalbevollmächtigter und bekam schließlich sukzessive die Anteile an Germania überschrieben. Das geschah über komplizierte Konstruktionen und war auch nicht ganz reibungslos. Die Familie Bischoff ist zerstritten. Immer noch läuft ein Verfahren, das ein Sohn angestrengt hat, der auf eine höhere Auszahlung des Erbes pocht.

Potenzielle Investoren stehen also vor einem komplizierten und schwer zu durchschauenden Konstrukt. Hinzu kommt: Germania musste unter Balke einige Rückschläge verkraften. 2012 etwa startete man mit Gambia Bird einen Ableger für Flüge von und nach Westafrika. Schon 2014 musste die Airline ihren Betrieb wegen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit wieder einstellen. Der Fehlschlag belastete über mehrere Jahre das Eigenkapital stark.

Auch nach dem Scheitern in Westafrika hat Balke der Airline einen aggressiven Wachstumskurs verordnet. Es gibt Tochtergesellschaften in der Schweiz und Bulgarien. Mit Spannung verfolgt die Branche, ob es Balke gelingt, die Airline zu retten. „Er ist ein ausgebuffter Manager, mit allen Wassern gewaschen“, sagt ein früherer Wegbegleiter über ihn. Aber Balke werde auch auf Skepsis stoßen. Er habe sich ungern in die Karten schauen lassen, Germania sei recht intransparent. „Das könnte sich nun rächen.“

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