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Katrin Reuter Trackle misst fruchtbare Tage: Frisches Kapital für Zyklus-Start-up

Mit dem tampongroßen Thermometer können Frauen ihren Zyklus bestimmen. Nun will die Gründerin mit frischem Kapital auf weitere europäische Märkte.
02.10.2020 - 16:56 Uhr Kommentieren
Die Unternehmerin gründete Ende 2015 gemeinsam mit ihrem Partner Maxim Loick das Start-up Trackle. Quelle: Trackle
Katrin Reuter

Die Unternehmerin gründete Ende 2015 gemeinsam mit ihrem Partner Maxim Loick das Start-up Trackle.

(Foto: Trackle)

Berlin Als Katrin Reuter vor einigen Jahren schwanger werden wollte, suchte sie nach einer digitalen Methode, um ihren Eisprung zu bestimmen. Dabei steigt die Körpertemperatur um rund 0,5 Grad an. Ausschließlich rund um den Eisprung sind Frauen fruchtbar. Eine digitalen Weg aber, den Anstieg zu messen, konnte Reuter damals nirgends finden.

Stattdessen las sie nur von Methoden, die ihr beinahe mittelalterlich vorkamen. Bei der natürlichen Familienplanung (NFP) ist es üblich, jeden Morgen zur gleichen Zeit mit einem Thermometer die Körperkerntemperatur zu messen und miteinander zu vergleichen. „Ich wollte es bequemer haben“, sagt sie.

Also gründete Reuter Ende 2015 gemeinsam mit ihrem Partner Maxim Loick das Start-up Trackle, das nun eine weitere Finanzierungsrunde abschließen konnte. Die Beteiligungsgesellschaften Schneider Golling und Pro Invest TechTalys sind mit einem höheren sechsstelligen Betrag in das Bonner Unternehmen eingestiegen, wie das Handelsblatt erfuhr.

Bereits 2018 investierte der Risikokapitalgeber Capacura in Trackle eine ähnliche Summe. Die genaue Höhe des Investments wollen die Gründer nicht bekanntgeben.

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    Das Start-up ist seit rund zwei Jahren mit einem mit Silikon umschlossenen, tampongroßen Gerät auf dem Markt, das Frauen über Nacht vaginal einführen können, und das über die Dauer des Schlafs minütlich die Körpertemperatur misst. Anschließend übermittelt es den niedrigsten Wert einer App.

    Großer Markt für Zyklus-Apps

    Dort müssen Nutzerinnen weitere Informationen über den Zyklus ergänzen, etwa Erkrankungen, eingenommene Medikamente und Angaben über die Zervixschleimqualität. Diese ist für die sogenannte symptothermale Methode, nach der das Gerät arbeitet, neben der Körpertemperatur entscheidend.

    Denn Beschaffenheit und Menge des Schleims verändern sich im Zyklusverlauf. In der App können Nutzerinnen anschließend ablesen, ob sie fruchtbar sind. Nach zwei Jahren ist die Batterie des Geräts leer und es muss ersetzt werden. Es ist als Medizinprodukt der Klasse 2a zertifiziert.

    Der Markt für Zyklus-Apps ist groß. Stiftung Warentest nahm Ende 2017 mehr als zwanzig Angebote unter die Lupe. Damals war Trackle noch nicht auf dem Markt. Das Ergebnis war vernichtend: Ein Großteil der Angebote – jene, die den Eisprung rein mathematisch vorhersagen – erhielt die Note „mangelhaft“.

    Gut schnitten hingegen Apps ab, die wie Trackle nach den Regeln der symptothermalen Methode arbeiten. Ähnlich funktioniert auch das Basal-Thermometer von Ovy oder eine Technologie des Unternehmens Ava, das mit einem Armband über Nacht die Körpertemperatur misst. Auch hier muss die Zervixschleimqualität von den Trägerinnen selbst bestimmt werden.

    Genau das sieht Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, problematisch. „Das setzt erhebliche Kenntnisse, Erfahrung und Übung bei der Frau voraus“, sagt er. Deshalb seien alleinige Messungen über ein solches Gerät ungeeignet, um einen Eisprung mehrere Tage im Voraus anzuzeigen.

    Das sei aber bei Paaren mit Kinderwunsch nötig, weil die Körpertemperatur erst kurz vor dem Eisprung ansteigt, die Fruchtbarkeit allerdings nur drei bis fünf Tage vor dem Eisprung und 24 Stunden danach bestehen bleibt. Er sieht deswegen keinen Vorteil von Trackle gegenüber anderen Anbietern.

    Studien darüber, wie Anwender Trackle im Alltag nutzen, gibt es bislang nicht. CEO Reuter verweist darauf, dass die symptothermale Methode gut erforscht sei.

    Mit dem frischen Kapital will sie im europäischen Ausland wachsen. Derzeit verkauft Trackle in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich. Bald sollen Ungarn, Dänemark und die Niederlande hinzukommen. Genaue Verkaufszahlen gibt das Start-up nicht heraus, sie lägen seit Marktstart im mittleren vierstelligen Bereich, sagt Reuter.

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    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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    Mit Julia Hermann haben die Bonner auch eine weibliche Investorin an Bord, was Reuter besonders freut. „Es ist schwierig, mit einem Femtech-Produkt einen Investor zu finden“, sagt sie. „Deswegen sind wir stolz, mit Julia Herrmann diese Schlüsselstelle weiblich besetzt zu haben.“

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