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Keks-Erbin Verena Bahlsen gegen Kevin Kühnert: „Ich bin Kapitalistin, das ist toll“

Auf der Digital-Konferenz OMR hat sich die 26-Jährige ein Duell mit dem Juso-Chef geliefert. In einem Punkt stimmten die beiden Redner überein.
Update: 08.05.2019 - 16:45 Uhr 7 Kommentare
„Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll.“ Quelle: Franz Bischof für Handelsblatt
Verena Bahlsen

„Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll.“

(Foto: Franz Bischof für Handelsblatt)

Hamburg Eigentlich gilt die junge Generation der Millennials als unideologisch. Doch auf der Digital-Konferenz OMR kam es an diesem Mittwoch in Hamburg zu einem ganz speziellen Rededuell: Politik-Talent gegen Unternehmens-Erbin, Sozialist gegen Kapitalistin, Kevin Kühnert gegen Verena Bahlsen.

Zwar standen der Juso-Vorsitzende und die Keks-Erbin nacheinander auf zwei verschiedenen Bühnen, doch ihr Kernthema war das selbe: Welche Veränderung brauchen Organisationen, um die Gesellschaft voranzubringen?

Zunächst verteidigte der 29-jährige Kühnert seinen viel diskutierten Vorstoß, eine sozialistische Zukunft mit Gemeineigentum an Unternehmen wie BMW zu skizzieren. „Ich wundere mich, dass oft so revolutionär im Kleinen gedacht wird, aber eben nicht im Großen. Start-ups diskutieren über Kicker-Tische für Mitarbeiter, aber nicht über Teilhabe am Unternehmen“, ärgerte sich der Juso-Vorsitzende.

Parteien müssten sich wieder trauen, Kontroversen anzustoßen, sonst würden sie bei jungen Leuten irrelevant. Auch die SPD müsse Lernprozesse durchmachen, um nicht von der Zeit überholt zu werden, forderte der Kühnert. Die Zuspitzung von Positionen helfe dabei - wie sein öffentliches Outing als Sozialist.

Auch die drei Jahre jüngere Bahlsen gab sich radikal, aber in die umgekehrte Richtung: „Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll. Ich will mir ’ne Segel-Yacht kaufen und solche Sachen.“ Und sie legte nach: „Ich wollte früher unbedingt rebellieren und kreative Schriftstellerin werden. Doch dann habe ich gemerkt, was die Wirtschaft für ein Hammer-Vehikel ist.“

Doch auch Bahlsen verband ihren Glaubenssatz mit dem Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung. Die Gesellschaft müsse sich fragen, welche Form der Unternehmen ihr diene. „Ich scheiße auf Wirtschaft, wenn Wirtschaft kein Werkzeug dazu ist, uns nach vorn zu bringen“, meinte Bahlsen. So sei nach über 100 Jahren Industrie-Nahrung ein komplett neues Lebensmittel-System fällig, forderte sie - nachhaltig und gesundheitsorientiert.

Es müsse Unternehmern um mehr gehen als um Wachstum. Gerade die junge Generation fordere Sinn. „Wir können mehr Geld verdienen, wenn unsere Produkte und Marken der Gesellschaft dienen. Denn das wollen die Kunden“, sagte Bahlsen. Sie selbst ist mit dem Berliner Unternehmensableger Hermann’s aktiv, der neue Konzepte für die Food-Branche entwickelt.

Einfach ist das offenbar nicht: Bahlsen schilderte, wie Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen bei ihr darüber klagten, zwar viele frische Ideen zu haben, aber durch die Ziel-Systeme doch wieder auf Profit und Sicherheit gelenkt zu werden. Sie wolle das aufbrechen, kündigte Bahlsen an. „Dafür kriege ich bestimmt nicht in jedem Meeting Applaus - ganz im Gegenteil“, gestand sie. So ecken beide an: der junge Politikerin und die junge Unternehmerin.

Die Diskussion steht auch für den Wandel der Online-Marketing-Konferenz Online Marketing Rockstars (OMR) in Hamburg. Mit offiziell erwarteten 50.000 Teilnehmern hat sie die Anfang der Woche veranstaltete Berliner Digital-Konferenz Republica nach Köpfen um das Vierfache übertroffen, bei der öffentlichen Resonanz liegt jedoch die Berliner Veranstaltung vorn. Veranstalter Philipp Westermeyer will der Konferenz offenbar nun auch inhaltlich einen breiteren Anspruch geben - über das Marketing-Thema hinaus.

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7 Kommentare zu "Keks-Erbin: Verena Bahlsen gegen Kevin Kühnert: „Ich bin Kapitalistin, das ist toll“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hat hier eigentlich irgendwer wirklich mal geschaut, was sie tatsächlich gesagt hat??? Der Artikel da oben verdreht das alles komplett ins Gegenteil: https://youtu.be/b1t0s1BL9fc?t=5364

    Sie sagt, zugegebenermaßen sehr spontan, da viele kluge Dinge und die Bemerkung, dass sie es toll findet sich viele Yachten kaufen zu können, war erkennbar ironisch gemeint! Denn danach sagt sie auch, dass ihr all das (Geld/Kapital/Macht) unwichtig ist (Zitat: "ich scheisse drauf" - okay, zumindest deutlich formuliert), wenn es nicht genutzt wird, um die Gesellschaft sinnvoll voran zu bringen...

    Aber genau so kommt das in dem Artikel eben nicht rüber. Wieso eigentlich nicht? Und wieso steht da nichts zu den vielen anderen wirklich guten Aussagen von ihr zu Innovationen in Unternehmen oder den Problemen bei vielen aktuellen Purpose-Diskussionen? Das alles auf Kevin & die Yachten zu verkürzen, sagt mehr über den Autor und das Handelsblatt aus, als über Verena Bahlsen...

  • Massives leistungsloses Einkommen (eben das Erben) passt nicht zum Kapitalismus. Was Frau Bahlsen toll findet, ist anscheinend die (zu ihren Gunsten) ungleiche Verteilung von Vermögen und Chancen.

    Immerhin finde ich ihre Ideen zur Nahrungsmittelindustrie erfrischend.

  • Bravo, erfrischend zu lesen, dass die junge Generation in politisch lebhaften Diskurs geht. So können dringend notwendige Veränderungen angestoßen werden. Denn nur das brave "weiter so", bringt uns nicht weiter. Respekt den beiden!

  • Herr Pella, woher haben Sie Ihr Wissen bezüglich Frau Bahlsen ?

  • Warum nur habe ich keine Yacht?
    Bin weder Politiker noch Unternehmenserbe.... das macht mich traurig.

  • Nur Blödsinn,
    Frau Bahlsen hat ja ebenso viel Ahnung vom alltäglichen Berufsleben,
    wie Herr Kühnert.
    Übereinstimmend kann man feststellen, beide haben k e i n e Ahnung.

    Schlimm, wenn solche Typen unsere zukünftige Politik bestimmen werden.

    Denk ich an Deutschland in der Nacht,
    Dann bin ich um den Schlaf gebracht.......
    Heinrich Heine


  • Frauen haben Eier. Ich glaube wir werden noch mehr davon erleben.

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