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Klaus Naeve Von Lachszucht bis Paulaner: Der Chef des Familien-Imperiums Schörghuber zieht Bilanz

Vor zehn Jahren übernahm Klaus Naeve in höchster Not die Führung der verzweigten Gruppe. Jetzt verabschiedet sich der Manager mit einem Rekordgewinn.
09.06.2019 - 10:00 Uhr Kommentieren
Der Steuerberater übernahm die Führung bei Schörghuber kurzfristig und baute die Gruppe um. Quelle: Schörghuber
Klaus Naeve

Der Steuerberater übernahm die Führung bei Schörghuber kurzfristig und baute die Gruppe um.

(Foto: Schörghuber)

München In 28 Stunden um die Welt: Die Reise von München zu den Fischgründen der Schörghuber-Gruppe in Chile zieht sich. Niemand weiß das besser als Klaus Naeve. „Da bleibt genügend Zeit, die Unterlagen zu lesen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens mit einem Schmunzeln.

Zehn Jahre lang hat der gebürtige Hamburger das weitverzweigte Firmengeflecht der Familie Schörghuber geführt. Ende des Monats hört der 69-Jährige auf. Seine vielleicht größte Leistung: Der Jurist hat die verlustreiche Lachszucht der Gruppe nachhaltig in die schwarzen Zahlen gebracht.

Es geht aber nicht nur den Fischen gut. Naeve verabschiedet sich insgesamt mit einem glänzenden Ergebnis. Der Gewinn hat sich vergangenes Jahr auf rund 305 Millionen Euro verdoppelt. Es ist der höchste Überschuss seit 1995. Weiter reichen die verfügbaren Aufzeichnungen nicht zurück.

Der Umsatz der drei Kernbereiche Bauen, Hotels und Fischzucht ist zwar nur um gut ein Prozent auf 771 Millionen Euro geklettert. Dafür wuchs die Brausparte, die Schörghuber separat ausweist, um sechs Prozent auf 691 Millionen Euro. Dazu gehören Brauereien wie Paulaner, Fürstenberg oder Hoepfner.

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    Den Gewinnsprung wiederum verdankt Naeve zuvorderst der Bayerischen Hausbau. Doch auch bei den Brauereien blieb unterm Strich deutlich mehr übrig als 2017.

    Ungeplanter Jobwechsel

    Ein solch glanzvoller Abschied war nicht unbedingt abzusehen, als der Anwalt und Steuerberater Naeve Anfang 2009 in höchster Not zur Schörghuber-Gruppe zurückkehrte. Dort hatte er bereits in den 90er-Jahren als Finanzvorstand gearbeitet. 2003 machte er sich selbstständig. Besitzerin Alexandra Schörghuber brauchte schnell einen fähigen Manager an der Spitze.

    Ende November 2008 war ihr Mann, Stefan Schörghuber, völlig unerwartet mit 47-Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Über Nacht muss die gelernte Hotelkauffrau einen Konzern mit mehr als 6000 Mitarbeitern führen. Den Chefposten habe sie sich „nicht zugetraut“, gestand sie später einmal. Das überließ sie Naeve. Doch als stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist sie bis heute nah am Tagesgeschäft dran.

    Grafik

    Naeve war damals als Steuerberater von Konzern und Familie die logische Wahl. „ Wenn Sie sich um die gesamte Steuer kümmern, dann kennen Sie die Lage“, sagt er heute. Das war durchaus von Vorteil, denn die Gruppe ist schwer zu durchschauen: Auf den ersten Blick gibt es wenig Gemeinsames zwischen den Bereichen. Der scheidende Vorstandschef versucht denn auch gar nicht erst, die Struktur als Ergebnis großen strategischen Weitblicks zu verkaufen. „Es ist historisch so gewachsen.“

    Wenn es einen Kern gibt, dann sind es die Immobilien. Josef Schörghuber gründete 1954 in München die Bayerische Hausbau, die Keimzelle der Gruppe. Sie gehört heute zu den bekanntesten und größten Wohnungsbaugesellschaften der Millionenstadt. Über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinaus bekannt wurde Schörghuber Mitte der 60er-Jahre. Der Bauunternehmer errichtete mit dem Arabellapark einen ganz neuen Stadtteil im Osten der Metropole. Dabei entstand auch ein Hotel.

    Daraus entwickelte sich mit den Jahren eine eigenständige Sparte. Kurz darauf stieg der Entrepreneur in die Luftfahrt ein, indem er zwei kleinere Airlines übernahm. Ende der 70er-Jahre schluckte Schörghuber dann die Münchener Traditionsbrauereien Paulaner und Hacker-Pschorr und legte damit den Grundstein für die Getränkedivision. Doch auch die ist eng mit Immobilien verbunden, schließlich sind die Braustätten meist in attraktiver Innenstadtlage angesiedelt und es gehören Dutzende Wirtshäuser dazu.

    Ein gutes Vierteljahrhundert später begründete Alexandra Schörghuber einen neuen und gänzlich anderen Firmenzweig. Die riesige Lachszucht Ventisqueros in Chile kam hinzu. Atlantiklachs, Pazifiklachs und Lachsforelle – Fischsorten, die Alexandra Schörghuber seither persönlich am Herzen liegen. Mit den Jahren übernahm die Unternehmerin von Freunden das Ruder des verlustreichen Unterfangens in Patagonien. Alle anderen Sparten ihrer Gruppe erbte sie von ihrem Mann, die Farm in Puerto Montt hingegen holte sie selbst in den Konzern.

    Immobilien sind ein Schatz

    Obgleich es mit rund 183 Millionen Euro Umsatz der kleinste Bereich ist: Vorstandschef Naeve hat er lange Jahre eine Menge Arbeit gemacht. 2012 etwa lief bei 81 Millionen Euro Umsatz ein Verlust von knapp 30 Millionen auf. Drei, vier Tage im Monat habe er sich all die Jahre von München aus um die Fische gekümmert – wenn er nicht gleich nach Südamerika flog.

    Mal brachte eine Algenblüte die Bayern um ihre Fischernte, dann brach der Markt ein. Er habe das Management ausgetauscht, die Abläufe gestrafft und auch noch zugekauft, erinnert sich Naeve. Mit Erfolg: Vergangenes Jahr erreichte der Umsatz 183 Millionen Euro, und unterm Strich blieb ein Überschuss von 30 Millionen Euro. „Momentan gibt es keinen Grund, sich davon zu trennen“, zieht Naeve Bilanz.

    Jede Menge bekannte Biermarken gehören zur Familiengruppe aus München. Quelle: Brauholding
    Kronkorken

    Jede Menge bekannte Biermarken gehören zur Familiengruppe aus München.

    (Foto: Brauholding)

    Mitunter muss es für einen Zahlenmenschen wie Naeve allerdings nicht ganz einfach gewesen sein, an der Fischzucht angesichts der tiefroten Zahlen festzuhalten. Alexandra Schörghuber attestiert dem schlanken drahtigen Mann, der stets mit weißem Hemd und Fliege auftritt, denn auch „unerschütterliche Loyalität“.

    Der Unternehmensberater Franz Maximilian Schmid-Preissler beobachtet die Gruppe seit Jahrzehnten und kannte den Firmengründer Josef Schörghuber noch persönlich. Seiner Einschätzung nach sind die vielen Immobilien in erstklassiger Münchener Innenstadtlage nach wie vor der größte Schatz von Schörghuber: „Die werden ihren Wert niemals verlieren.“

    In der Ära Naeve habe sich die Gruppe gut entwickelt, findet er. „Es war klug, das Flugzeuggeschäft zu verkaufen“, so Schmid-Preissler. Und es sei auch gut gewesen, sich von einigen Hotels zu trennen. Aus Südafrika etwa hat sich Schörghuber komplett zurückgezogen.

    Schon im Jahr nach seinem Amtsantritt gab Naeve das Flugzeugleasing auf. Zu klein erschien ihm die Flotte, zudem wurde es steuerlich uninteressant. Auch die Bayerische Hausbau richtete er neu aus, fokussierte die Firma mit heute 200 Mitarbeitern auf Projektentwicklung, Bestandshaltung sowie Baurechtschaffung.

    Riskanter Umzug

    Der größte Coup des Mannes mit dem schulterlangen weißen Haar: Mitte des Jahrzehnts errichtete Naeve für 300 Millionen Euro die neue Paulaner-Brauerei am Stadtrand. Damit können die Brauer weltweit mit ihrem Weißbier expandieren. Naeve schuf dadurch gleichzeitig Expansionsmöglichkeiten auf dem frei werdenden Industriegelände für die Bayerische Hausbau in begehrter Münchener Citylage. Ein Gewinn für die ganze Gruppe.

    Der schnelle Umzug von der Au in den Münchener Westen war jedoch gewagt – zeitweise konnte Paulaner lange nicht so viel liefern, wie die Kunden gerne abgenommen hätten: „Wir waren zu optimistisch, was den Anlauf der neuen Brauerei betrifft. Im Nachhinein ist klar: Wir hätten das besser zeitlich gestreckt“, erinnert sich Naeve.

    Am 1. Juli wird nun Nico Nusmeier, 58, auf dem Chefsessel im Hauptquartier der Gruppe Platz nehmen, in einem modernen Zweckbau im Münchener Arabellapark. Er ist, wie einst Naeve, ein enger Vertrauter von Eigentümerin Alexandra Schörghuber. Jahrelang vertrat er den Bierkonzern Heineken in der Gesellschafterversammlung der gemeinsamen Brauereigruppe. Die Niederländer halten dort einen Minderheitsanteil.

    Seit fünf Jahren sitzt er bereits im Stiftungsrat, eine Art Aufsichtsgremium. Zuletzt führte der fünffache Vater den Verpackungshersteller Can-Pack im polnischen Krakau.

    Lachs, Bier und Luxus

    Der scheidende Chef glaubt, dass die Zentrale und damit auch der Vorstand künftig eine andere Rolle spielen werden. Die einzelnen Bereiche würden zwar weiter unabhängig geführt. Aber es gebe Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz, in denen sich gemeinsame Aktivitäten lohnen würden. Naeve: „Da müssen wir etwas tun, das wird jeden unserer Bereiche treffen.“

    Als gebürtiger Hamburger war für Naeve die Eröffnung des konzerneigenen Hotels in der Elbphilharmonie ein denkwürdiges und unvergessliches Ereignis.

    Viel mehr als alle schönen Ereignisse habe sich aber ein ganz trauriger Besuch in den Lachsfarmen ins Gedächtnis eingebrannt, erzählt Naeve. Tausende Lachse seien mit dem Bauch nach oben auf dem Wasser getrieben, als er einmal in Chile angekommen sei. Algen hatten ein Massensterben ausgelöst – ein furchtbarer Anblick und eine Lehre für Naeve.

    Für seinen Nachfolger hat er denn auch vor allem einen Rat parat, damit die Fischzucht profitabel bleibt: „Das Geheimnis ist, die Fische so gesund wie möglich zu halten.“

    Mehr: Wenn Menschen sterben, drängen einige Entscheidungen. So haben sich vier Frauen schnell und mutig dazu entschlossen, die Verantwortung im Familienunternehmen zu übernehmen. Ein Report.

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