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Klaus-Peter Schulenberg Der Gründer von CTS Eventim gerät wegen Cum-Ex-Geschäften ins Zwielicht

Klaus-Peter Schulenberg hat Millionen mit den fragwürdigen Steuerdeals verdient. Jetzt werden die Investments von den Behörden überprüft.
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CTS Eventim: Klaus-Peter Schulenberg gerät ins Zwielicht Quelle: Carsten Dammann für Handelsblatt
Klaus-Peter Schulenberg

„Ich habe nichts zu verbergen.“

(Foto: Carsten Dammann für Handelsblatt)

Düsseldorf Für Klaus-Peter Schulenberg ist der 4. September 2019 ein besonderes Datum. Am Landgericht Bonn beginnt an diesem Tag ein spektakulärer Prozess. Auf der Anklagebank sitzen zwei Briten, die Anklageschrift beschreibt Geschäfte, mit denen sie den deutschen Steuerzahler schädigten. Die Staatsanwaltschaft will Schulenberg als Zeugen laden, weil er in solche Geschäfte investierte.

Eine „kriminelle Glanzleistung“ nannte das Finanzgericht Köln vor wenigen Tagen Aktiengeschäfte der Marke Cum-Ex. Banken und besonders vermögende Investoren handelten Papiere mit („cum“) und ohne („ex“) Dividendenanspruch nach einem bestimmten System. Sie täuschten den Finanzämtern vor, es gebe zwei Eigentümer ein und derselben Aktie.

Einer der beiden führte dann die Kapitalertragsteuer ab, beide ließen sie sich erstatten. Das Cum-Ex-System brachte Banken und Investoren über die Jahre mehrere Milliarden Euro Gewinn. Der Steuerzahler erlitt einen Schaden in derselben Höhe. Schulenberg gehörte zu den Investoren.

Als Musiker nur eine kleine Nummer

Schulenberg legte einen langen Weg zurück, bevor er sich Geschäfte dieser Größenordnung leisten konnte. Als Musiker wäre er keine besonders große Nummer geworden, erzählt der heute 68-Jährige in Medien, die ihn zu seinem Weg an die Weltspitze der Konzernveranstalter befragen. „Wenn ich mittags aus der Schule kam, habe ich nicht die Schultasche geöffnet, sondern bin ans Telefon gegangen und habe für meine Band Auftritte besorgt.“

Dabei war seine Band nur durchschnittlich – „medioker“, sagte Schulenberg. „Aber wir haben dreimal die Woche gespielt.“ Das fiel auf. „Andere Musiker kamen auf uns zu und sagten: ‚Mensch, was seid ihr für ’ne schlechte Band – und so viele Auftritte. Wie macht ihr das, und willst du das nicht auch für uns machen?‘“

Schulenberg machte. Er managte einige Schülerbands. Anfang der 1970er-Jahre traf er auf einen Sänger aus Hildesheim. Bernd Clüver hatte seinen Ohrwurm „Der Junge mit der Mundharmonika“ noch nicht geschrieben. Schulenberg erkannte das Talent des Schlagersängers trotzdem und nahm ihn unter Vertrag. „Das war ein sehr glücklicher Umstand“, sagte Schulenberg. „Die erste Single verkaufte gleich über zwei Millionen Exemplare.“

Schulenberg war 19 – und groß im Geschäft. Er managte deutsche Stars, organisierte Auftritte für Giganten wie die Rolling Stones. Obwohl niemand ihm im Musikgeschäft etwas vormachen konnte, war das Schulenberg nicht genug. Er investierte in Tageszeitungen, Anzeigenblätter, Radiostationen.

1996 kaufte er den in Schwierigkeiten steckenden Ticketvermarkter Computer Ticket Service (CTS). Dessen Jahresumsatz lag damals bei sechs Millionen D-Mark, heute ist es mehr als eine Milliarde Euro. CTS Eventim beschäftigt 3000 Mitarbeiter und veranstaltet 7000 bis 8000 Konzerte im Jahr. Schulenbergs Stiftung hält gut 43 Prozent der Anteile an CTS Eventim. Das US-Magazin „Forbes“ taxiert sein Vermögen auf zwei Milliarden Euro.

Eine ganz besondere Geschäftsgelegenheit

Dank des Prozesses, der im September am Landgericht Bonn beginnt, wird nun mehr über die Art und Weise bekannt, wie Schulenberg unter anderem sein Vermögen mehrte. Die Angeklagten Martin S. und Nickolas D. hielten dem Druck der Staatsanwaltschaft nicht stand und packten aus.

So kamen die Strafverfolger auf Schulenbergs Spur. 2006 fand der Ticketkönig Zugang zu Hanno Berger, dem Meister dubioser Steuersparmodelle. Berger – der jede Schuld von sich weist – lebt heute zurückgezogen in der Schweiz und ist Beschuldigter in mehreren Cum-Ex-Verfahren, die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat ihn angeklagt.

Berger sei ihm sehr kompetent erschienen, sagte Schulenberg, als ihn Staatsanwälte vor einigen Jahren befragten, damals als Zeugen. Er habe daraufhin in einen Fonds investiert, den Berger empfahl.

Der BCF Fund Ltd war eine ganz besondere Geschäftsgelegenheit, dachte Schulenberg. 45 Millionen Euro setzte er 2009 selbst ein, das Zwanzigfache floss als Fremdkapital zu, ein Großteil davon finanziert durch die Deutsche Bank in London. Mit mehr als einer Milliarde Euro Einsatz wurden dann Aktien rund um den Dividendenstichtag gehandelt. Schulenberg investierte in das Modell Cum-Ex.

Die Ermittler unterscheiden nun zwei Sorten von Anlegern – die „bösgläubigen“ und die „gutgläubigen“. Wer offensichtlich davon wusste, dass es bei den Deals allein darum ging, sich aus der Staatskasse zu bedienen, ist heute ein potenzieller Steuerhinterzieher. Was wusste Schulenberg?

Eine Menge, sagen Zeugen, die sich der Staatsanwaltschaft Köln öffneten. Sie beschrieben Schulenberg als erfahren und versiert – als einen Mann, der sich mit den Einzelheiten dessen befasste, was da mit seinem Geld geschah. Wenn Schulenberg etwas nicht verstand, habe er sich eng mit seinen Beratern abgestimmt. Ein Partner von Berger bezeichnete Schulenberg bei dem Deal sogar als „treibende Kraft“. „Ich wusste von den Methoden nichts. Ich hätte sonst niemals investiert“, sagte Schulenberg auf Nachfrage.

Das Ziel waren 30 Prozent Rendite

30 Prozent habe ihm Berger als Rendite versprochen, verriet er den Ermittlern bei seiner Befragung als Zeuge in Sachen Cum-Ex selbst. Das Investment war so attraktiv, dass auch Schulenbergs Lebensgefährtin mit 8,4 Millionen Euro einstieg.

Es lief nicht alles glatt. Die Rückzahlung stockte. Schulenberg machte sich zunächst Sorgen, dass die Gelder aus dem Investment seiner Lebensgefährtin gefährdet sind. Dann floss das Geld zwar, aber statt der versprochenen 30 Prozent Rendite gab es nur 15 Prozent. Nach den Erkenntnissen der Ermittler übte Schulenberg deshalb „Druck auf Dr. Berger aus“.

Ein Partner von Berger berichtete, Schulenberg habe auf einem Nachschlag bestanden – und ihn schließlich erhalten. Schulenberg sei kein Mann gewesen, dem man etwas abschlug. Wie war es wirklich? „Nach meiner Erinnerung lag die Rendite bei zehn oder elf Prozent“, sagte Schulenberg dem Handelsblatt diese Woche.

Jedenfalls waren sich die Cum-Ex-Akteure zur nächsten Dividendensaison wieder grün. 2010 investierte Schulenberg über seine Stiftung in den BC German Hedge Fund, aufgelegt und verwaltet von einer Tochter der Hamburger Traditionsbank M.M. Warburg. Diesmal steckte er 30 Millionen Euro in das Geschäft, die Fondsanteile verkaufte er kurz drauf für einige Millionen mehr erneut weiter.

Drei Jahre vergingen. Am 29. Oktober 2014 erhielt der Milliardär dann einen Anruf von Berger. Der Anwalt entschuldigte sich für einen Artikel im „Stern“, in dem Berger als „Guru der Gierigen“ bezeichnet wurde und Schulenberg als einer seiner „Jünger“.

Berger berichtete von einer Durchsuchung seiner Kanzlei, vermutlich seien Mandantennamen durchgestochen worden. Schulenberg antwortete, auch bei ihm habe man durchsuchen wollen. Daraufhin habe er laut Aktenlage ein Geständnis abgelegt, das aber nichtssagend wäre. Berger lobte Schulenberg dafür,

All das ist den Staatsanwälten bekannt, weil sie 2014 Bergers Telefon abhörten. Schulenberg bestreitet jedoch das Geständnis. Aus den teils hitzigen Gesprächen spricht die Panik, die sich damals unter den Cum-Ex-Akteuren ausbreitete. Jahrelang dachten sie, sie wären schlaue Geldverdiener. Jetzt standen ihre Namen in Artikeln über Steuerhinterziehung. Manche Investoren sprachen schon Verteidigungsstrategien miteinander ab, andere konnten noch gar nicht fassen, was gerade passierte.

Sein Rechtsanwalt „dreht total durch“, hieß es in einem Telefonat. Wenn die Staatsanwaltschaft Schulenberg ab September in den Zeugenstand ruft, wird sich der Unternehmer kaum verschließen können. Aber das habe er auch nicht vor, sagte Schulenberg dem Handelsblatt: „Ich habe nichts zu verbergen.“

Mehr: Der US-Fonds KK Law hat das Bundeszentralamt auf entgangene Steuererstattungen bei Cum-Ex-Handel verklagt. Der Richter sprach von einer „kriminellen Glanzleistung“.

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