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Klemens Haselsteiner Sohn des Strabag-Gründers bringt sich für die Nachfolge in Stellung

Klemens Haselsteiner gilt als der designierte Erbe des österreichischen Bauimperiums Strabag. Vorher muss sich er sich als erster Digitalchef beweisen.
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Der Sohn des Firmenchefs gilt als sein designierter Nachfolger. Quelle: PR
Klemens Haselsteiner

Der Sohn des Firmenchefs gilt als sein designierter Nachfolger.

(Foto: PR)

Wien Es ist Wahlkampf in Österreich, und ein Unternehmer spielt eine zentrale Rolle: Hans Peter Haselsteiner. Der Gründer, frühere CEO und heutige Großaktionär des Baukonzerns Strabag ist der größte Unterstützer der liberalen Oppositionspartei Neos. Der Milliardär fördert die Nachfolgepartei des Liberalen Forums, für die der heute 75-Jährige von 1994 bis 1998 im österreichischen Nationalrat saß, großzügig. Neben einer bekannt gewordenen Großspende von 300.000 Euro seien im Juli Zuwendungen von insgesamt 90.000 Euro eingegangen, berichtete Neos-Generalsekretär Nikola Donig zuletzt.

Haselsteiners Engagement hat einen Grund: Für Ende September sind vorgezogene Neuwahlen in Österreich angesetzt, und beim zweiten Anlauf auf das Kanzleramt braucht ÖVP-Chef Sebastian Kurz wieder Koalitionspartner. Haselsteiners Partei Neos hat gute Chancen, jetzt die Regierung mit zu bilden. Dann säße Hans Peter Haselsteiner als Mäzen und Spiritus Rector indirekt am Regierungstisch.

Der in Bozen lebende Bauunternehmer hat auch für sein unternehmerisches Erbe gesorgt. Durch der Berufung seines 38-jährigen Sohnes Klemens Haselsteiner zum ersten Digitalvorstand bei Strabag zieht die nächste Generation in das Führungsgremium des Konzerns ein. Der Vorstandschef und der Finanzvorstand geben dafür Kompetenzen ab. Ziel ist es, mit digitaler Technik die geringe Produktivität zu heben. „Unser Ziel ist, effizienter mit der Digitalisierung zu werden“, sagt eine Konzernsprecherin auf Anfrage.

Man sei der erste Konzern der Branche, der dafür ein eigenes Vorstandsressort mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern schaffe. Bislang war Haselsteiner junior im Management der Strabag-Tochter Züblin in Stuttgart tätig. Dort hatte er kaufmännische Aufgaben. Da die Digitalisierung auch die Baubranche prägt, soll er den Konzern, der seit Jahren von dem in Mülheim an der Ruhr lebenden CEO Thomas Birtel geführt wird, zukunftsfit und innovativer machen.

Klemens Haselsteiner wird das neue Ressort „Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation“ zum 1. Januar übernehmen. In der Baubranche ist der frühere Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG seit 2011. Damals trat er in Russland in das väterliche Unternehmen ein und kümmerte sich um das zentrale Controlling.

Danach wechselte er zur deutschen Strabag-Tochter Züblin nach Stuttgart, wo er zuletzt kaufmännischer Direktionsleiter war. Seit Sommer bereitet sich der Wahl-Wiener auf seine neue Aufgabe vor. Für ein Interview steht er bis zur offiziellen Übernahme des Vorstandsressorts nicht zur Verfügung.

Der neue Job im gläsernen Turm, wenige Schritte entfernt von der Uno-City in Wien, ist für den Filius von großer Bedeutung. „Es ist eine Bewährungsprobe für den Chefsessel“, sagt ein Unternehmensinsider. Wird er exzellente Arbeit leisten, wird der Weg für den Vorstandsvorsitz bei der Strabag SE frei.

Denn der Vertrag für den 65-jährigen CEO Thomas Birtel, läuft 2022 aus. Es gibt auch noch zwei ältere Brüder, den „Lebenskünstler“ Johannes und den selbstständigen Architekten Sebastian, sowie den Halbruder Simon, der noch in der Ausbildung ist. Doch die drei haben alle bislang keine Ambitionen gezeigt, das Familienunternehmen zu führen. Bereits 2012 gab es Spekulationen, dass Klemens Haselsteiner dem Vater, damals CEO, folgen könnte. Doch das war zu früh.

Sein unternehmerischer Aufstieg war auch Hans Peter Haselsteiner, Sohn einer Tiroler Lehrerin aus Wörgl, nicht in die Wiege gelegt. Nach einem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien lernte er als Steuerberater die Tochter des Inhabers der Baufirma Isola & Lerchbauer, Ulrike, in Kärnten kennen. Nach dem Tod des Schwiegervaters übernahm er den Chefsessel und schuf in drei Jahrzehnten den heutigen Baukonzern.

Einer, der sich gern einmischt

Heute steht der börsennotierte Strabag-Konzern solide da. Mehr als 75.000 Mitarbeiter erwirtschaften eine Bauleistung von 16 Milliarden Euro. Der Umsatz belief sich 2018 auf 15,2 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 353 Millionen Euro. Das entspricht einer bereinigten Ebit-Marge von nur 3,3 Prozent, und die Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten etwa 15 Prozent an Wert.

Noch immer ist die Familie Haselsteiner mit 26,4 Prozent an Strabag beteiligt. Die anderen beiden Großaktionäre sind der russische Milliardär Oleg Deripaska (25,9 Prozent) sowie der Versicherungskonzern Uniqa und Raiffeisen mit 27,5 Prozent der Unternehmensanteile.

Haselsteiner, der auch enger Geschäftspartner des Kaufhaus-Eigners René Benko ist und im Februar seinen 75. Geburtstag feierte, könnte sich auf das Altenteil zurückziehen und alles übergeben: Er besitzt malerische Wohnsitze in Seeboden am Millstätter See in Kärnten und im mediterranen Bozen.

Doch für einen kompletten Rückzug sind ihm Österreich und sein Konzern viel zu wichtig. Der weltoffene Kulturförderer und Homo politicus ist für die Rechtsextremen in der Alpenrepublik seit Jahren ein Feindbild. Das wurde erneut offensichtlich, als das berüchtigte Ibiza-Video mit dem damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache an die Öffentlichkeit gelangte: Darin bot Rechtspopulist Strache einer angeblichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge in Österreich an und versprach, Strabag von öffentlichen Projekten auszuschließen.

Haselsteiner reagierte gelassen. Zuvor war auch ihm das heimlich aufgenommene Video angeboten worden. Doch der gebürtige Tiroler lehnte es ab, dafür eine hohe Summe zu zahlen.

Haselsteiner mischt sich gern ein, wenn er es für moralisch geboten hält. Im Bundespräsidentenwahlkampf 2016 finanzierte er ein Video gegen den rechtspopulistischen Kandidaten Norbert Hofer. „Ich möchte nicht unter einem diktatorischen Regime leben, auch nicht unter den undemokratischen, freiheitseinschränkenden Vorstufen. Ich habe die Unabhängigkeit und die Mittel, gegen gefährliche Entwicklungen zu kämpfen. Das tue ich auch nach Kräften“, sagte er damals dem Handelsblatt.

Von seinem sozialen Engagement profitiert seit Jahren zum Beispiel die Hilfsorganisation Concordia, die sich für Kinder in Bulgarien, Rumänien und Moldawien einsetzt. Zudem finanziert er Sozialprojekte in Wien. Und als die bekannte Kunstsammlung der österreichischen Unternehmerfamilie Essl zum Verkauf stand, erwarb Haselsteiner für 100 Millionen fast zwei Drittel der Sammlung und bewahrte sie damit vor der Zerschlagung. Darüber sitzt der Unternehmer im Aufsichtsgremium des ORF und unterstützt die Festspiele Erl in der Nähe des Tiroler Städtchens Kufstein – er zahlte die Hälfte des 20 Millionen Euro teuren Festspielhauses aus eigener Tasche. An diesem Engagement wird sich auch der Sohn messen lassen müssen.

Mehr: Der Bauunternehmer und Ex-Politiker Hans Peter Haselsteiner erklärt im Interview, warum er Heinz-Christian Strache nicht anzeigt und wie sehr die FPÖ dem Standort Österreich schadet.

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