Knauf-Gesellschafter im Interview „Buffett war deutlich in seinem Ärger“

Alexander Knauf und Manfred Grundke, die beiden Gesellschafter des Baustoffherstellers Knauf, sprechen über die größte Übernahme der Firmengeschichte.
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„Unsere Stärke liegt in der Überraschung.“ Quelle: Kien Hoang Le für Handelsblatt
Alexander Knauf (l.) und Manfred Grundke

„Unsere Stärke liegt in der Überraschung.“

(Foto: Kien Hoang Le für Handelsblatt)

DüsseldorfWer mit dem Regionalexpress von Würzburg nach Nürnberg reist, sieht erst ein Knauf-Gebäude und dann den Bahnhof, der durchaus für eine Filmkulisse der 60er-Jahre taugt. Der blitzsaubere Weinort im Unterfränkischen lässt einen Moment den großen Deal vergessen, den Alexander Knauf und Manfred Grundke gerade finalisiert haben.

In der Zentrale des Unternehmens schließlich herrscht kühle Eleganz. In der dritten Etage führt der Weg in einen großen, lichtdurchfluteten Besprechungssaal mit rund 40 Lederstühlen, in der Mitte steht ein riesiger, ovaler Holztisch. Man fühlt sich an James-Bond-Filme erinnert.

Doch es betritt Alexander Knauf den Saal und bittet um Verständnis für eine kleine Verzögerung. Zunächst müsse er noch ein Gespräch mit Australien führen. Draußen scheint die Sonne auf Felder und Wiesen und auch auf das Knauf-Gelände, auf dem es staubt und lärmt. Eine neue Kantine wird gerade gebaut.

Dann erscheint der 44-Jährige ein zweites Mal, mit ihm im Gefolge Manfred Grundke, 63. Sie beide führen als geschäftsführende Gesellschafter das 1932 gegründete Familienunternehmen mit knapp sieben Milliarden Euro Umsatz und erzählen die Geschichte, die nur auf den ersten Blick größenwahnsinnig klingt. Denn sie wurde mit langem Atem und kühler strategischer Hand geplant: die Übernahme des börsennotierten US-Marktführers für Gips- und Zementplatten, USG.

Herr Knauf, Sie haben die größte Übernahme in der Firmengeschichte gestemmt, und trotz generalstabsmäßiger Vorbereitung empfand das USG-Management Ihren Übernahmeversuch als feindlich. Was ist da schiefgelaufen?
Alexander Knauf: Im Grunde hat Warren Buffett es klar gesagt. Wenn der Aufsichtsrat von USG zwei Angebote von Knauf öffentlich mit der Begründung ablehnt, es sei nicht im Sinne der Aktionäre, und dabei den größten Aktionär Warren Buffett nicht einmal informiert, dann ist das ungewöhnlich, um es vorsichtig auszudrücken.
Manfred Grundke: Zumal Warren Buffett dem Unternehmen seit den 2000er-Jahren zweimal geholfen hatte und so größter Aktionär geworden ist. Mit Knauf hatte das weniger zu tun.

USG wollte nicht mit Ihnen verhandeln.
Knauf: Die Vorstandsvorsitzende hat im Telefonat klar zum Ausdruck gebracht, dass USG nicht bereit war, in Verhandlungen einzutreten. Es war Warren Buffett, der das Thema in die Öffentlichkeit gebracht hat. Schlussendlich haben wir dann eine Einigung erzielt.

Wann reifte die Idee, USG zu übernehmen? Sie hielten bereits seit 18 Jahren einen Anteil von rund zehn Prozent. Warum wollten Sie jetzt das komplette Unternehmen?
Knauf: USG ist der Erfinder der Gipsplatte, es ist unser wichtigstes Produkt. Mein Großvater ging in den 1950er-Jahren in die USA. Seitdem haben wir auf technischer Seite und auch persönlich voneinander gelernt. Es war ein freundschaftliches Verhältnis. Ich selbst durfte ein Jahr lang dort in alle Bereiche schauen. 2000 hatten mein Vater und mein Onkel 10,1 Prozent erworben zur Verfestigung der Beziehungen. Wir hatten ein Joint Venture mit USG in Europa.

Dann ist der feindliche Übernahmeversuch und der Widerstand noch unverständlicher …
Knauf: Als 2006 der neue CEO James Metcalf kam, begann die Eiszeit. Ihm war die Beziehung zu uns zu kompliziert. Wir waren Aktionär, technischer Partner, Joint-Venture-Partner und Lieferant. Metcalf wollte uns entflechten, und so kam es auch.
Grundke: Dann konkurrierten wir, weil beide Unternehmen nach Asien expandierten.
Knauf: USG kaufte dort 50 Prozent des Marktführers, und Knauf investierte erheblich in Lateinamerika.

Was doch normal ist ...
Grundke: Wir interessieren uns vor allem für die Schwellenländer.
Knauf: Sie werden kaum ein Unternehmen finden, dass so viel in die Aus- und Weiterbildung seiner Kunden – Architekten und Handwerker – in diesen Märkten investiert. In diesen Tagen haben wir einen Vertrag mit der DEG unterzeichnet, dass wir neun Ausbildungszentren in Afrika errichten. Da sind wir einzigartig.

Auch andere Unternehmen befähigen ihre Kunden, Viessmann zum Beispiel, und alle, die über den Fachhandel ihre Produkte verkaufen.
Grundke: Nur mal eine Zahl: In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion haben wir mehr als 80.000 Menschen ausgebildet, vom Architekten bis zum Verarbeiter. Wir unterhalten bereits Ausbildungszentren mit der DEG in Algerien, Usbekistan, dem Irak. Wenn Sie so wollen, ist das strategisches Marketing. Wer zu Beginn seiner Laufbahn mit uns in Kontakt kommt, behält uns in guter Erinnerung.

Gips im großen Stil
Gründerjahre
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Die Brüder Alfons (*18. Juli 1906) und Karl Knauf (*27. März 1909) werden in Lothringen geboren, das damals noch zum Deutschen Reich gehört. Ihr Vater Matthias Knauf arbeitete zunächst als Markscheider im Bergbau und später als Obersteiger. Dieser Tradition folgend studieren Alfons und Karl Knauf Ende der 20er-Jahre Bergbau in Berlin. Zunächst ist unklar, wie es nach dem Krieg weitergeht.

1930-50er
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1932 erwerben Alfons und Karl Knauf Abbaurechte für eine Gipsgrube in Schengen (Luxemburg) und eröffnen ein Gipsputzwerk in Perl an der Mosel. Im Jahr 1949 entsteht im unterfränkischen Iphofen ein neues Gipsputzwerk und 1958 wird dort die erste Gipskartonplattenanlage gebaut.

Die Gips-Könige aus Franken
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Nikolaus Knauf (ganz rechts) wird am 8. April 1936 geboren und am 23. September 1939 kommt Baldwin Knauf (links) zur Welt.

Rückübertragung und Wiederaufbau
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Mit Kriegsende werden im Jahr 1945 alle Werke unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Rückübertragung der in der britischen und amerikanischen Zone gelegenen Werke erfolgt 1948. 1949, im Jahr der Gründung der Bundesrepublik, bauen die Brüder im nordbayerischen Iphofen ein Gipsputzwerk, es steht für den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch immer befindet sich dort der Hauptsitz der Unternehmensgruppe. Der Konzern profitiert vom Wiederaufbau. Die Rückübertragung der Werke im Saarland erfolgt 1951. Die Werke agieren zunächst voneinander unabhängig.

Neues Kapitel der Unternehmensgeschichte
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Mit der Aufnahme der ersten Gipsplattenproduktion in Iphofen beginnt 1958 ein neues Kapitel. Entsprechend der Unternehmensstrategie führte die Gipsplattenherstellung bald zur Entwicklung kompletter Trockenbausysteme mit allen zur Verarbeitung benötigten Komponenten. Das Sortiment erweiterte sich dadurch zum Beispiel um spezielle Werkzeuge oder um Metallprofile für Wand- und Deckenkonstruktionen.

Baldwin Knauf (l) und sein Vetter Nikolaus
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Nikolaus Knauf (r) wird Betriebsleiter im Werk Perl und ist für die Gruben im Saarland und Lothringen verantwortlich.

1960er
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Knauf bringt 1960 mit dem Haftputz Rotband den ersten im Werk vorgemischten Trockenmörtel für Gips-Innenputz auf den Markt und entwickelt vier Jahre später, 1964, mit dem MP75 den ersten maschinengängigen Gipsputz. Damit setzt Knauf einen bis heute gültigen Standard.

Das USG-Management aber eher nicht. Der CEO und Chairman, James Metcalf, der Sie offenbar nicht so mochte, musste das Unternehmen 2016 verlassen. Dann beendete seine Nachfolgerin Jennifer Scanlon die Eiszeit?
Knauf: Scanlon hat mich am Tag ihrer Ernennung angerufen. Wir haben einiges gemeinsam: Sie zog vor 16 Jahren in mein ehemaliges Büro bei USG ein, und wir wohnten an der gleichen Kreuzung.

Und da haben Sie entschieden, USG zu kaufen?
Knauf: In dieser Zeit sondierten wir die Situation, wir waren damals nur mit Dämmstoffen in den USA. Es war ein weißer Fleck auf unserer Weltkarte. Wir hatten von den Gesellschaftern bereits seit fünf Jahren das Mandat, eine starke Finanzposition für größere Zukäufe aufzubauen. Ich erkundigte mich, was in den USA möglich ist, bevor wir an die Vorstandschefin Jennifer Scanlon herantraten. USG und Knauf ergänzen sich sehr gut.
Grundke: Nach Überwindung der Finanzkrise und nach der Abwicklung der US-Sammelklage haben wir eine gute finanzielle Situation, sodass wir uns weiterentwickeln können. Unsere regionale und sektorale Suche führte auch dazu, dass wir von Armstrong, dem Weltmarktführer für Deckenkassetten, das notleidende Europa- und Asiengeschäft übernommen haben.

Knauf: Wir können Wert generieren, indem wir schlecht geführte und unterinvestierte Unternehmen in unserer Branche kaufen und auf Vordermann bringen.

Sind Sie mittlerweile mehr Investor als Unternehmer?
Grundke: Wir sind nicht der bessere Investor, wir sind der bessere Eigentümer.

Womit wollten Sie USG überzeugen?
Knauf: Es ging in ersten Sondierungsgesprächen im Januar 2017 darum, USG zu überzeugen, die Giftpille für uns auszusetzen. USG war eine uneinnehmbare Festung. Deshalb haben wir verschiedene Optionen angeboten.

Wie lautete Ihr Plan B?
Grundke: Wie gesagt, wir suchen nach Wachstumspotenzial sektoral und regional.
Knauf: Es hätte Alternativen gegeben. Aber USG ist Marktführer, das passt zu uns. Der Plan B wäre eine Kombination mehrerer anderer Unternehmen gewesen.

Sie beide kennen die USG-Vorstandschefin Scanlon doch seit Langem, warum gab es dennoch keine Verhandlungen?
Knauf: Sie sagte, USG befände sich gerade im Strategieprozess, dann hörten wir länger nichts, erst im September 2017 kam ein Termin zustande. Dann teilte uns Frau Scanlon mit, dass Knauf nicht Teil der USG-Strategie sei. Und ihr größter Aktionär Berkshire Hathaway wolle auch verkaufen, sagte sie. Er wisse aber nicht, wohin mit dem Geld. Also war Warren Buffett auch nicht Teil der USG-Strategie. Und wir haben ihr dann mit unserem Angebot von Ende November mitgeteilt, dass USG aber Teil der Knauf-Strategie ist.

Da wäre man ja gern dabei gewesen.
Knauf: Ja, die Überraschung war groß, es war beim Frühstück. Es gehört zum Stil unseres Hauses, dass wir beide das persönlich gemacht haben, nicht per Telefon oder  E-Mail.

Grundke: Das war auch in anderer Hinsicht eine besondere Situation. Als wir nachmittags um 17 Uhr in Frankfurt losgeflogen sind, da war der USG-Kurs noch drei Dollar niedriger als bei unserer Ankunft in Chicago. Wegen der Trump’schen Steuerentscheidung und einer Fed-Entscheidung war der Kurs in den zehn Flugstunden um drei Dollar gestiegen.

Da kamen wir noch mal kurz ins Grübeln, haben aber dann doch das erste Angebot abgegeben, mit 40,10 Dollar pro Aktie. Unsere Investmentbanker haben gesagt: „Das könnt ihr nicht machen, hier macht man Viertel-Dollar-Schritte.“ Und dann haben wir das trotzdem gemacht, damit alle gleich wissen, dass wir nicht bereit sind, jeden Preis zu bezahlen, sondern uns an dem nachhaltigen Unternehmenswert orientieren.

Wie war die erste Reaktion?
Knauf: Es war ein denkwürdiges Frühstück. Danach war erst einmal einige Wochen Funkstille. Und die Antwort fiel recht einsilbig aus. Wir hätten mit unserem Angebot den inneren Wert des Unternehmens nicht abgebildet. Tatsächlich stieg der Wert der Aktien zeitweise wegen der US-Steuerreform.

Grundke: Das im ersten Angebot enthaltene Premium war ja auch nicht besonders hoch, nachdem der Aktienkurs kurzfristig so stark gestiegen war. Das muss man schon sagen – im Nachhinein.

Doch erst Ende März kam das offizielle Angebot mit 42 Dollar. Da hatten Sie also ein Einsehen?
Knauf: Ich hatte vorher auch das Vergnügen gehabt, mit Warren Buffett zu sprechen, und er war wirklich sehr deutlich in seinem Ärger, dass die USG-Führung ihn vor der Ablehnung unseres Angebots nicht kontaktiert hatte.

Das ist doch schon eine aggressive Herangehensweise. Hatten Ihnen das die beteiligten Investmentbanken nahegelegt?
Grundke: Nein. Man muss schon sagen, dass Warren Buffett hier vorausschauend und geschickt agiert hat.
Knauf: Unser erstes Angebot war kalt abgelehnt worden. Wir wollten danach doch vom Vorstand und vom Aufsichtsrat wissen, ob wir etwas übersehen hatten, was gegen Knauf spricht. Wir waren dann erfreut, dass es nur um Shareholder-Value ging. Am 15. März haben wir unser aufgebessertes Angebot von 42 Dollar pro Aktie übersendet und auf Rückmeldung gewartet. Und dann haben wir eine Gesprächsbitte aus Omaha bekommen.

Was Sie natürlich nicht ablehnen konnten und auch nicht wollten ...
Knauf: Er hat uns in dem Gespräch angeboten: Ihr könnt mein Aktienpaket kaufen für 40 Dollar plus eine Optionsprämie von zwei Dollar.

Aber das war doch zeitlich vor dem ersten öffentlichen Angebot, Sie hatten doch gesagt, Buffett wusste nichts von den Angeboten ...
Knauf: Wir hatten Buffett das Angebot an USG zur Kenntnis geschickt, weil wir nicht in einer Vertraulichkeitserklärung standen. Man sprach ja nicht mit uns. Und Warren bot uns daraufhin an, dass wir seine Aktien für 40 Dollar bekommen können, plus zwei Dollar pro Aktie für die Option. Warren sagte, er habe das nicht alles rechtlich geprüft, aber er gehe davon aus, dass wir spätestens, wenn wir die Option annehmen, eine Bekanntmachung bei der Börsenaufsicht SEC machen müssen.

Und dann kam am Sonntag nochmal ein Anruf aus Omaha. Die Nachricht: Bereits das Angebot von Warren Buffett löse eine Bekanntmachungspflicht bei der SEC aus. Da haben wir uns natürlich gesagt: Das war bestimmt kein Zufall. Beim zweiten Nachdenken sind wir darauf gekommen, dass diese Option von Berkshire nie dazu gedacht war, dass wir sie annehmen, sondern nur dazu gedacht war, unser Angebot in die Öffentlichkeit zu bringen.
Grundke: Er hat zwei Botschaften abgesetzt: Ich will verkaufen, und der Preis ist angemessen.
Knauf: Seine dritte Botschaft war, dass Knauf ein guter Investor ist. Er wollte ja auch nicht als jemand dastehen, der eine US-Ikone ans Messer liefert. Er nannte unsere Strategie „buy + build“. Und dann wurde auch dieses Angebot abgelehnt.
Grundke: Und dann wurde auch dieses Angebot abgelehnt.
Knauf: Jennifer Scanlon hatte in einem Telefonat noch mal gesagt, sie würde uns niemals Zugang zu den Unterlagen für eine Due Diligence geben.

Wie kann das sein, dass Sie als langjähriger Großaktionär von USG so abgelehnt wurden? Was steckt dahinter?
Knauf: USG ist ein sehr stolzes Unternehmen mit einer großen Kultur der Unabhängigkeit. Es sollte nie verkauft werden.
Grundke: Doch dann wurde es schön. Wir besuchten erneut Warren Buffett und erzählten ihm von der Ablehnung durch USG. Dann ließ er ein altes Foto holen des CEOs von USG aus dem Jahre 1941. Der musste von der Polizei aus dem Amt getragen werden, weil er als Vorstandschef nicht zurücktreten wollte.

Haben Sie das als Auftrag verstanden?
Knauf: Nach dem Gespräch mit Warren Buffett haben wir noch mal überlegt. Wir als unterfränkischer Gipsfabrikant haben bislang nur Übernahmen gemacht, die nicht einmal ein Zehntel wert waren, und jetzt wollen wir auf einmal ein börsennotiertes Unternehmen übernehmen und dann auch noch in einem feindlichen Ansatz? Sollen wir nun gegen den Aufsichtsrat stimmen und ihn nicht entlasten? Oder lieber die Füße still halten? Wir haben uns entschieden zu kämpfen. Unser Ziel war dabei, dass die Aktionäre verlangen, dass der USG-Aufsichtsrat sich mit Knauf an den Tisch setzt.
Grundke: Dass Warren uns das Bild gezeigt hat, war eine klare Botschaft. Man sieht, wie geschickt er agiert und auf der Höhe der Zeit ist.
Knauf: Dann haben wir die Kampagne gegen den Aufsichtsrat gestartet, und am nächsten Tag rief Warren an und war außer sich vor Freude über den Brief unserer Kampagne. Dann gingen drei harte Wochen los.

Sie gingen also auf Roadshow?
Knauf: Klar, Indextracker, Value Funds, Hedgefonds, alles war dabei. Das waren heiße Gespräche, das machen wir ja sonst nicht.

Gab es einen Zeitpunkt beim Übernahmeprozess, bei dem Sie sich richtig Sorgen machen mussten, dass es noch schiefgeht?
Knauf: Es gab schon einige Momente. Mein Gott, die USG-Führung hat alle Instrumente in der Hand, sich einzubunkern und abzuwarten. Ich habe zu Warren gesagt: Wir haben geliefert, wir kämpfen in einem Krieg gegen die USG-Führung. Alle wollen nun wissen, was macht Warren Buffett? Er hatte ja noch nie gegen den Aufsichtsrat gestimmt. Und am nächsten Tag hat er dann bei einer Presseanfrage gesagt, er werde gegen den Aufsichtsrat stimmen. Und damit war das öffentliche Bild geprägt.

Man fragt sich: Wer hat jetzt wen instrumentalisiert?
Knauf: Uns war immer klar: Berkshire verfolgt seine Interessen, und wir verfolgen unsere.

Bei der vorherigen Generation war Ihr Vater Baldwin der Bremser und Ihr Onkel Nikolaus der Gastgeber. Wie ist das bei Ihnen beiden?
Knauf: Du bist Ingenieur, ich Kaufmann, Du schaust nach Osten, ich schaue Richtung Westen.
Grundke: Unsere Stärke liegt in der Überraschung, niemand hat damit gerechnet, dass wir ein börsennotiertes Unternehmen übernehmen wollen. Und auch nicht, dass wir sagen, bei diesem Angebot ist nun Schluss.
Knauf: Vor der Hauptversammlung rief USG-Chefin Scanlon an und sagte: Wir wissen, das Spiel ist gelaufen, Sie dürfen alle Unterlagen für die Due Diligence einsehen. Das hat mich sehr gefreut, da es keine Vorbedingungen gab.

Reinhold Würth hat sich in der vorigen Woche dazu bekannt, dass er das US-Geschäft zu Trump-Zeiten einfrieren werde. Sie übernehmen gleich einen Konkurrenten und wollen expandieren. Trübt Trump Ihr Amerika-Bild nicht?
Grundke: Wir halten uns mit politischen Äußerungen zurück, in Russland und in den USA.
Knauf: Wir denken nicht in Legislaturperioden, sondern in Generationen. Das gilt für die USA und Russland. Wir schaffen immer Arbeitsplätze vor Ort. Wir sind immer ein gern gesehener Investor, der die lokale Wirtschaft nach vorne bringt.

Herr Knauf, Herr Grundke, vielen Dank für das Interview.

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