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Kompressionsmanschetten Bösl Medizintechnik will deutsche Athleten schneller machen

Erik Küppers will der Kompressionstherapie zu breiterem Einsatz verhelfen. Die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft nutzt sie schon heute.
Update: 22.10.2019 - 11:51 Uhr Kommentieren
Der Unternehmer und Arzt will Kompressionstechnik massentauglich machen. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Bösl-Chef Erik Küppers

Der Unternehmer und Arzt will Kompressionstechnik massentauglich machen.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Frankfurt Wenn ab dem Wochenende bei der Leichtathletik-WM in Doha am Persischen Golf die deutschen Athleten um die Medaillen kämpfen, wird Erik Küppers in Deutschland genau verfolgen, wie fit und leistungsfähig sie sind. Denn zur Regeneration nach den Wettkämpfen schlüpfen viele der Sportler in die Kompressionsmanschetten der Aachener Firma Bösl Medizintechnik, die Küppers seit 2012 als Geschäftsführer leitet.

Die Produkte von Bösl gibt es wahlweise als Arm- oder Beinmanschette, Jackenmanschette oder auch Ganzkörperanzug, durch die elektronisch gesteuert über ein Mehrkammersystem Druck auf das Lymphsystem ausgeübt wird. So wird die Flüssigkeit dort besser abtransportiert, das Blut fließt schneller und kann mehr Sauerstoff aufnehmen. Und der Sportler erholt sich in kürzerer Zeit.

Quer durch alle Sportarten komme deshalb der „Lympha-mat“, wie das Produkt heißt, bei den deutschen Athleten zum Einsatz, sagt Siegfried Schonert, Team-Manager der Leichtathletik-Nationalmannschaft. Vor allem die Beinmanschetten werden genutzt. „Der Prozess der Regeneration kann so erheblich verkürzt werden. Und die Sportler sind durch die Lymphdrainage besser vorbereitet, sodass unsere Physiotherapeuten präziser arbeiten können“, so Schonert.

Für Küppers von Bösl Medizintechnik ist es eine ganz wichtige Sache, dass das Unternehmen seit 2017 offizieller Partner des Deutschen Leichtathletikverbands ist. Denn die Sportler sind vitale Botschafter dieser Form der Kompressionstherapie, die normalerweise bei Patienten zur Behandlung von Ödemen, also Wassereinlagerungen im Gewebe, eingesetzt werden kann. Geschwollene Beine sind ein typisches Beispiel — und die sind nicht immer so harmlos, wie man denken könnte. Kann das Lymphsystem dauerhaft nicht die Schadstoffe abtransportieren, drohen gefährliche offene Wunden.

Marktführer in der Nische

„Ich schaue immer zuerst auf die Beine eines Menschen – aus beruflichen Gründen“, pflegt der Mediziner Küppers deshalb zu sagen, wenn er auf Ärztekongressen oder bei den verschiedenen Organisationen im Gesundheitssystem die sogenannte intermittierende pneumatische Kompression vorstellt. So heißt die Behandlung mit Medizinprodukten wie dem Lympha-mat, die Küppers als Ergänzung etwa zur Lymphdrainage durch Physiotherapeuten sieht. Diabetiker, Menschen mit Venenerkrankungen, aber auch Frauen mit genetischer Veranlagung können von solchen Ödemen betroffen sein. Gerade die jungen Patientinnen leiden extrem unter den oftmals massiven Körperverformungen, berichtet Küppers.

„Viele dieser Patienten werden ineffektiv behandelt und häufig alleingelassen. Dabei müssen die Ödeme jeden Tag konsequent behandelt werden“, sagt Küppers, dem man schnell anmerkt, wie sehr ihm das Thema am Herzen liegt. Der Dermatologe und Wundexperte arbeitete nach seiner Arztausbildung bei verschiedenen Medizintechnikfirmen, bevor er im Jahr 2012 an die Spitze des 1971 gegründeten Aachener Familienunternehmens wechselte, das bis 2012 vom Sohn des Gründerehepaars, Paul Eck, geführt wurde.

Küppers baute Bösl in den vergangenen Jahren deutlich aus, auch wenn das Unternehmen mit 27 Mitarbeitern und einem Umsatz im einstelligen Millionenbereich immer noch zu den kleinen Firmen im fragmentierten Medizinproduktemarkt gehört. Im Nischenmarkt der intermittierenden pneumatischen Kompressionstherapie ist Bösl nach eigenen Angaben von Küppers aber Marktführer mit einem Anteil von rund 50 Prozent.

Eigentlich könnte es der 63-Jährige so langsam auch ruhiger angehen lassen. Aber Küppers arbeitet schon an der Kompressionsmanschette der Zukunft, die dann natürlich mit digitaler Technik ausgestattet werden soll. Zusammen mit den Firmen Bauerfeind, die unter anderem Stützstrümpfe herstellen, KOB als Hersteller von Kompressionsverbänden und anderen Partnern hat Bösl den Zuschlag für ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bekommen.

Kompressionsmanschetten als Medizinprodukt

Das Ministerium sieht Bedarf für neue Lösungen: Denn 14 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben Symptome eines Lymphödems im ersten Stadium, und rund drei Millionen Menschen leiden an ödemartigen Erkrankungen. Bösl Medizintechnik hat die Leitung des Projekts. Ziel ist es, eine textile Manschette mit einer Sensorik zu entwickeln, die den Erfolg von Kompressionstherapien messbar macht. Klappt alles wie geplant, könnten die digitalen Kompressionsmanschetten für Arme und Beine künftig als Medizinprodukt zugelassen werden.

Das Herzblut und Engagement von Küppers findet nicht nur Leichtathletik-Nationaltrainer Schonert bemerkenswert. „Wir haben viele engagierte Unterstützer. Aber ich habe selten jemanden getroffen, der sich so wie Herr Küppers innerhalb kürzester Zeit so intensiv in unsere Leichtathletik-Welt hineingearbeitet hat“, sagt Schonert.

Der Einsatz des Arztes für eine bessere Behandlung von Menschen mit Ödemen ist auch an anderer Stelle bereits aufgefallen. Im Sommer dieses Jahres wurde Küppers als Mitglied in den Senat der Wirtschaft berufen. Diese Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur hat sich die Förderung einer ökologischen und sozialen Marktwirtschaft zum Ziel gesetzt und will Entscheider in Politik und Wirtschaft entsprechend beraten und unterstützen.

Küppers sei berufen worden, da man seine Expertise als Unternehmer und Arzt in besonderer Weise spannend zur Lösungsorientierung finde. „Seine Arbeit für Menschen und die Aufgabe in der Unternehmensführung bieten die Perspektive eines wertebasierten Managements“, begründet Vorstandsmitglied Christoph Brüssel die Berufung.

Der Senat der Wirtschaft wird laut Brüssel von vielen politischen Akteuren als Ratgeber und mitwirkende Institution angenommen. Diese Akzeptanz basiere auf der ehrlichen Impulsarbeit der Mitglieder, die gemeinwohlorientiert und nicht mit Einzelinteressen mitwirkten. „Erik Küppers ist einer dieser aktiven Experten des Senats der Wirtschaft. Er will ohne egoistische Interessen seine Verantwortung für die Gesellschaft im Unternehmen und mit dem Unternehmen bereitstellen“, so Brüssel weiter. Der Senat der Wirtschaft vertritt die Auffassung, dass die Herausforderungen unserer Zeit nur mit einer ehrlichen Verantwortung für die Gesellschaft und einer tatkräftigen Unterstützung der Nachhaltigkeitsziele durch die Wirtschaft zu bewältigen sind.

Mehr: Durch die Digitalisierung wächst der Bedarf an Weiterbildungen – insbesondere im Gesundheitswesen. Die Branche ist deshalb aktiv wie keine andere, zeigt eine Studie.

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