Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kosmos-Verlag und Columbus Zwei Familienunternehmen wollen mit ihren Globen die Welt erobern

Der Kosmos-Verlag übernahm vor anderthalb Jahren die Mehrheit an der Globusmanufaktur Columbus. Der Deal hat sich für beide Seiten als Gewinn erwiesen.
Kommentieren
Die Mehrheit am Familienunternehmen wurde verkauft. Quelle: COLUMBUS Verlag GmbH & Co. KG
Torsten Oestergaard und Kollegen mit Angela Merkel

Die Mehrheit am Familienunternehmen wurde verkauft.

(Foto: COLUMBUS Verlag GmbH & Co. KG)

KrauchenwiesKrauchenwies mag für manchen Bürger von Welt fast am Ende der Welt liegen. Aber hier mitten in Oberschwaben dreht sich alles um den Planeten Erde. Zwischen Baggerseen und Schlossanlagen entstehen in der Globusmanufaktur Columbus in Handarbeit Weltkugeln aller Art: Globen aus Acrylglas, mit Lederbezug oder aus Kristallglaskugeln, besetzt mit Swarovski-Steinen.

Seit gut einem Jahr stellt das Traditionsunternehmen nicht nur klassische Globen her, sondern auch Spielfiguren und Kinder-Weltkugeln – für den Stuttgarter Kosmos-Verlag.

Denn Geschäftsführer Torsten Oestergaard, 53, will mit seinen Globen die Welt nicht nur abbilden, sondern sie auch erobern. Um das zu schaffen, hat er im Sommer 2017 die Mehrheit seines Familienunternehmens an den Kosmos-Verlag verkauft. Der ist bekannt für die Buchreihe „Die drei ???“, Gesellschaftsspiele („Siedler von Catan“) und Experimentierkästen.

Mit Kosmos-Geschäftsführer Michael Fleissner, 60, verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis. Der Familie Oestergaard gehören seitdem nur noch 49 Prozent ihres Familienunternehmens. Vorfahr Paul Oestergaard hatte den Columbus Verlag 1909 in Berlin gegründet, nach dem Krieg begann die Firma neu bei Stuttgart. 1993 zog sie nach Krauchenwies. Columbus gilt als älteste noch produzierende Globusmanufaktur der Welt.

Den meisten Familienunternehmern würde es Bauchschmerzen bereiten, die Mehrheit zu verkaufen. Doch für die Oestergaards ist der Deal ein Gewinn. Statt Arbeitsplätze zu verlieren, sind 15 neue Stellen in der Manufaktur zu den bisherigen 40 hinzugekommen. Für 2019 rechnet Oestergaard mit 15 weiteren neuen Arbeitsplätzen.

Die gemeinsam entworfenen Kinder-Globen sind ständig ausverkauft. Und um mit der Produktion der Spielfiguren für den Kosmos-Klassiker „Siedler von Catan“ hinterherzukommen, läuft die Maschine auch nachts. Deswegen schlief Oestergaard im Sommer einige Wochen im Wohnwagen neben der Firma. „Elon Musk übernachtet doch auch bei Tesla“, lacht er.

Die Geschäfte florieren, beide Seiten sind mehr als zufrieden. Alles begann mit einem Geschäftsgespräch zwischen Torsten Oestergaard und Michael Fleissner. Der Plan: Kindergloben für Kosmos herstellen. Kosmos-Chef Fleissner gefiel der kleine Betrieb in Krauchenwies so gut, er wollte ihn gleich kaufen. „Das kam für mich auf keinen Fall infrage“, sagt Oestergaard. Aber der Gedanke, aus einer einmaligen Kooperation könnte mehr entstehen, schwirrte von da an durch seinen Kopf.

Internationale Vertriebskraft

Zwischen Oestergaard und Fleissner entstand eine Freundschaft. Auf Wanderungen durchs Donautal und bei Motorradtouren entwickelten die beiden ihre Idee. Als in der Weihnachtszeit dann der chinesische Lieferant für die Spielfiguren von Kosmos pleiteging, übernahm Oestergaard kurzerhand die Produktion der Spritzgussfiguren.

Für die Oestergaards war außerdem die internationale Vertriebskraft des Kosmos-Verlags interessant. Also entschlossen sich die beiden Familien zum Zusammenschluss. Oestergaards Frau Kerstin ist im Betrieb für die Spezialgloben mit Swarovski-Steinen zuständig.

Tochter Marcia macht im Betrieb eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Ihr Bruder Niklas betreut die Digitalisierung. Seit 2011 programmiert er Algorithmen, durch die die Globen interaktiv werden. Niklas und sein Vater stehen sich sehr nah, bei wichtigen Treffen und Entscheidungen ist der Sohn immer dabei. Die Kinder von Oestergaard und Fleissner verstehen sich gut miteinander.

Doch auch gut genug, um langfristig gemeinsame Entscheidungen zu treffen? Fleissner gehören 51,5 Prozent der Anteile von Kosmos, 51 Prozent von Columbus. Außerdem hat er in weitere Unternehmen investiert. „Ich wäre auch mit einer 50:50-Lösung mit Torsten zufrieden gewesen, aber die Gesellschafter haben auf einer Mehrheit bestanden“, sagt Fleissner. Seine Familie hat damit auf dem Papier das Sagen. Alle Beteiligten betonen aber, dass Familie Oestergaard vor Ort die Entscheidungsgewalt habe.

Michael Fleissner: „Für den Fall, dass es in zukünftigen Generationen keine Einstimmigkeit mehr gibt, haben wir Regelungen getroffen.“ Unter anderem habe die Familie Oestergaard Vorkaufsrecht für die Anteile. „Wir haben uns als zwei Menschen gefunden, die sich miteinander identifizieren können – aber das muss in der nächsten Generation nicht auch so sein.“

Tatsächlich öffnen sich immer mehr Familienunternehmer für Kooperationen. Das beobachtet auch Matthias Händle, Partner bei der Peter-May-Familienunternehmer-Beratung. „Es gibt viele Familienunternehmen, die sich verändern wollen – führungstechnisch, aus finanziellen Gründen, aber auch, um Synergien zu nutzen“, sagt Händle.

Gegenüber Finanzinvestoren seien sie meist kritisch. „Das passt oft auch kulturell nicht. Deshalb entscheiden sich viele für eine Beteiligung oder Fusion mit einem anderen Familienunternehmen“, sagt Händle. Damit das funktioniert, müssen sich die Parteien gut aufeinander abstimmen: „Da müssen entsprechende Strukturen einziehen, da kann nicht einfach jeder sein Ding machen“, so Händle.

Beide Seiten profitieren

Dass die Zusammenarbeit bei Columbus funktioniert, beweisen die Zahlen: Bislang hat Columbus rund 50.000 der gemeinsamen Kindergloben produziert, 2019 sollen es bis 80.000 sein. Zu den Umsätzen verrät das Unternehmen nichts. Auf dem deutschen Markt gibt es für Columbus so gut wie keine Konkurrenz.

Auf dem US-Markt ist der einzig relevante Wettbewerber die Firma Replogle. Fayez Yousif hat die exklusiven Vertriebsrechte für Columbus-Globen in den USA. Er ist mit seiner Firma Dura Brands auch für den Vertrieb von Konkurrent Replogle zuständig.

„Neben der Konkurrenz durch die Billigvertreiber von Produkten aus China hat Replogle Toys „R“ Us als wichtigen Verkaufszweig verloren“, konstatiert Fayez Yousif. Toys „R“ Us war 2018 in den USA in die Insolvenz gegangen. Die größte Herausforderung für Replogle seien deshalb aktuell die Logistikkosten. „Die sind so hoch, dass sie die Marge übersteigen“, sagt Yousif.

Columbus dagegen profitiert vom Vertriebsnetz von Kosmos in den USA. „Wenn bereits eine Vertriebsstruktur besteht, entstehen durch das Verschicken von ein paar extra Globen keine großen Kosten“, so Yousif. Deswegen bedeute die Fusion von Columbus und Kosmos eine große Bedrohung für Wettbewerber Replogle.

In den kommenden Jahren haben Oestergaard und Fleissner einiges vor. Sie wollen die Produktion der Spielfiguren in Krauchenwies ausbauen. Beide legen Wert auf eine regionale Produktion. Fleissner will unabhängiger von chinesischen Produzenten werden. Ihr gemeinsamer Traum: ein Globus in jedem deutschen Kinderzimmer.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Kosmos-Verlag und Columbus - Zwei Familienunternehmen wollen mit ihren Globen die Welt erobern

0 Kommentare zu "Kosmos-Verlag und Columbus: Zwei Familienunternehmen wollen mit ihren Globen die Welt erobern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote