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Koutsolioutsos Griechische Glamour-Familie kämpft um das Überleben ihrer Firma

Der Schmuck- und Modehändler Folli Follie galt einst als griechische Erfolgsgeschichte. Nun erschüttert ein Bilanzskandal das Unternehmen.
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Die Party ist vorbei. Quelle: Getty Images
Mariza und George Koutsolioutsos

Die Party ist vorbei.

(Foto: Getty Images)

Athen Die Welt ist noch in Ordnung in der Villa der Familie Koutsolioutsos im noblen Athener Norden. Mit einer glanzvollen Party begrüßten Hausherr George Koutsolioutsos, Ehefrau Mariza und Tochter Katerina das neue Jahr. Griechische Klatschpostillen berichten von 60 illustren Gästen.

Der Champagner sei in Strömen geflossen, heißt es. Sichtlich gut gelaunt posierte das Ehepaar für Fotos. Tochter Katerina postete die Glamourfotos auf Instagram unter dem Hashtag „Sparkling through the night“, glitzernd durch die Nacht.

Für die fast 5000 Beschäftigten des Koutsolioutsos-Konzerns FF Group, der unter der Marke Folli Follie mit Schmuck und Mode handelt, dürfte der Jahreswechsel nicht so unbeschwert verlaufen sein. Das einstige Vorzeigeunternehmen, das nach eigenen Angaben 550 Filialen in 31 Ländern betreibt, steckt in der schwersten Krise seiner 36-jährigen Geschichte.

Wirtschaftsprüfer haben Hinweise auf massive Bilanzfälschungen in den vergangenen Jahren gefunden. Viele Verkaufsstellen existierten offenbar nur auf dem Papier.

Der Umsatz in Asien, dem wichtigsten Wachstumsmarkt der Gruppe, scheint nur ein Zehntel dessen ausgemacht zu haben, was in den Bilanzen stand. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Betrugs gegen drei Mitglieder der Gründerfamilie und sieben Manager.

In der Firmenzentrale an der Autobahn A1 nördlich von Athen geht die Angst um. Viele Beschäftigte fürchten um ihre Jobs – und den Bestand des Unternehmens. „Das Schlimmste ist die ständige Ungewissheit“, sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir rechnen jeden Tag mit einer Hiobsbotschaft.“

Im großzügig ausgelegten Foyer der Hauptverwaltung dominiert die Firmenfarbe Orange. Der moderne Bau symbolisierte die Erfolgsgeschichte der Firma, die noch 2015 mit einem gemeldeten Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro zu den zehn größten griechischen Unternehmen gehörte. Das Erfolgsrezept von Folli Follie: erschwinglicher Luxus und Lifestyle.

Verrückte Geschäftsidee

Die Firmengeschichte geht zurück ins Jahr 1982, als Dimitris Koutsolioutsos mit seiner Frau Ketty den ersten Laden für Modeschmuck in der Athener Innenstadt eröffnete. Das Paar hatte sich in Mailand kennen gelernt, wo Koutsolioutsos Betriebswirtschaft studierte. Ketty hatte schon als junges Mädchen Schmuck entworfen.

Das Ehepaar beschloss, aus dem Hobby ein Geschäft zu machen. Auch der Firmenname erinnert an die Zeit in Italien: Folli Follie bedeutet so viel wie „verrückte Verrücktheiten“. Der witzige Name und das Firmenlogo waren Teil des Erfolgs der Marke, die jung, erschwinglich, verspielt und eben etwas verrückt sein wollte.

In den 1990er-Jahren ging es steil aufwärts mit Folli Follie. Jährliche Umsatzsteigerungen von 20 Prozent und mehr waren die Regel. 1992 stieg Sohn George, heute Anfang 50, ins Geschäft ein, der spätere CEO. Das Sortiment aus Schmuck, Uhren, Sonnenbrillen, Handtaschen und Accessoires sowie Trendartikeln kam nicht nur bei den Griechinnen gut an. Mitte der 1990er expandierte Folli Follie ins Ausland, eröffnete Läden in New York und Hawaii, Frankreich, Spanien und Großbritannien.

Finanziert wurde die Expansion mit dem Gang an die Athener Börse 1997. Die Aktie des schnell wachsenden Unternehmens war bald ein Liebling der Analysten. Vor allem in Asien boomte das Geschäft. Dort machte Folli Follie nach eigenen Angaben 2005 bereits zwei Drittel seines Gesamtumsatzes. „China wird in den nächsten Jahren am stärksten wachsen“, prophezeite George Koutsolioutsos 2006 im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Doch gerade auf dem Wachstumsmarkt China ging offenbar nicht alles mit rechten Dingen zu. Anfang Mai 2018 meldete der Hedgefonds Quintessential Capital Management (QCM) öffentlich erste Zweifel an den Bilanzen an. Von den 630 Verkaufsstellen, die Folli Follie in seiner Bilanz für 2016 meldete, habe man nur 289 verifizieren können, teilte QCM mit.

Die Aktie der FF Group stürzte daraufhin an einem einzigen Handelstag um 30 Prozent ab. Während die Folli-Follie-Geschäftsleitung von „Verleumdung“ und „Irreführung“ sprach, forderte die griechische Börsenaufsicht eine Bilanzprüfung durch einen unabhängigen Gutachter.

Fingierte Umsätze in Asien

Dann ging es Schlag auf Schlag: Ende Mai setzte die Finanzmarktaufsicht die FF-Aktie vom Handel aus. Da war das Papier bereits von 19,50 Euro im Januar unter fünf Euro abgeschmiert.

Im September legte das Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal (A&M) einen Prüfbericht vor. Demnach erwirtschaftete Folli Follie im Asiengeschäft 2017 statt bilanzierter Gewinne von 316 Millionen Dollar einen Verlust von fast 45 Millionen.

Die Bankeinlagen beliefen sich nur auf 6,4 Millionen Dollar, statt gemeldeter 297 Millionen. Umsätze sollen mit Scheinfirmen fingiert worden sein. Der Absatz in Asien betrug laut A&M nicht eine Milliarde Euro, wie die Firma auswies, sondern nur ein Zehntel davon.

Dimitris Koutsolioutsos trat nach den Enthüllungen als Chairman zurück. „Leider war ich nicht in der Lage, das Asiengeschäft der Gruppe, für das ich verantwortlich war, erfolgreich zu kontrollieren“, schrieb der Firmengründer zerknirscht in seinem Rücktrittsbrief. Ehefrau Ketty zog sich mit ihrem Mann aus dem Vorstand zurück. Kurz vor Weihnachten nahm schließlich auch Sohn George Koutsolioutsos als CEO seinen Abschied.

Wie die fröhlichen Bilder von der Silvesterparty zeigen, scheint nichts die Stimmung der Unternehmerfamilie zu trüben: weder der Verlust der Geschäftsführung noch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Zudem wurden Ausreiseverbote gegen die drei Familienmitglieder wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr verhängt. Die Staatsanwaltschaft veranlasste eine Sperrung ihrer Bankkonten.

Viele fragen nun, wie die Bilanzmanipulationen so lange unentdeckt bleiben konnten. Die massiven Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft scheinen nicht einmal dem chinesischen Investor Fosun aufgefallen zu sein, der zuletzt 16 Prozent an der FF Group hielt.
Unterdessen verhandelt die neue Firmenführung mit den Banken und Gläubigern. Sie versucht, die schwer angeschlagene Gruppe umzustrukturieren, um einen Zusammenbruch zu vermeiden. Ein erstes Rettungskonzept soll Ende Januar auf dem Tisch liegen.

So ungewiss die Aussichten von Folli Follie auch sind, sicher ist: Familie Koutsolioutsos, die noch 35 Prozent der Aktien hält, wird künftig in der Unternehmensführung keine aktive Rolle mehr spielen. Diese Party ist zu Ende.

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